fot. arch. Michał Szymankiewicz

320 Jahre in Trümmern. Wie könnte das Schloss Ogrodzieniec heute aussehen?

Die Burg Ogrodzieniec ist die bekannteste Festung der Krakau-Tschenstochauer Jura, die seit über 300 Jahren als Ruine steht. Der Architekt Michał Szymankiewicz hat digitale Visualisierungen erstellt, die einen Eindruck vom hypothetischen Aussehen der Residenz vor ihrer Zerstörung durch die Schweden im Jahr 1702 vermitteln.

Die Burg Ogrodzieniec – die höchstgelegene Festung der Jura

Die Ruinen der Burg thronen auf dem 515,5 m ü.d.M. hohen Janowski-Berg über der Umgebung. Es handelt sich um das größte Bauwerk aufder gesamtenRoute der Adlerhorste. Die Festung wurde inmitten von Kalkstein-Felsformationen errichtet, wobei die natürliche Geländegestaltung als eines ihrer Verteidigungselemente genutzt wurde. Die bis heute erhaltenen Fragmente der Türme und Mauern zeugen vom hohen Niveau der mittelalterlichen Baukunst. Der Baukörper der Burg ist schon von weitem sichtbar und weckt seit Jahrhunderten das Interesse von Reisenden und Historikern.

Ruinen auf einer Grafik aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Quelle: Digitale Nationalbibliothek Polona

Die Burg Ogrodzieniec und ihre Geschichte

Die Anfänge der Besiedlung auf dem Janowski-Berg reichen bis ins 12. Jahrhundert zurück, als hier eine Holzfestung stand, die höchstwahrscheinlich während des Mongolenüberfalls im Jahr 1241 zerstört wurde. Im 14. Jahrhundert errichtete König Kasimir der Große an dieser Stelle eine gemauerte Burg im gotischen Stil. Das Bauwerk spielte eine sehr wichtige Rolle im Verteidigungssystem der südwestlichen Grenzen des Königreichs Polen. Ende des 14. Jahrhunderts ging es in den Besitz der Familie Włodek mit dem Wappen Sulima über. Im Jahr 1523 übernahm es der Krakauer Bankier Jan Boner, und sein Nachfolger Seweryn Boner begann 1530 mit dem Ausbau und verwandelte die Festung in eine prächtige Renaissance-Residenz. Die Arbeiten wurden bis etwa 1560 fortgesetzt und führten zu einem Anwesen, das so prächtig war, dass man es mit der königlichen Residenz auf dem Wawel verglich.

Die Blütezeit und der Einfall der Truppen Karls XII.

Im 16. und 17. Jahrhundert gehörte das Schloss dem Geschlecht der Firlej, die es über 100 Jahre lang verwalteten. In dieser Zeit erlebte das Gebäude zwei schwere Überfälle. Im Jahr 1587 wurde es von den Truppen des Erzherzogs Maximilian von Habsburg erobert und 1655 während der Schwedischen Invasion von der Armee Karls X. Gustavs geplündert. Nach diesen Ereignissen ließ Stanisław Warszycki das Anwesen wieder aufbauen, wobei er den Schwerpunkt auf eine wirksamere Verteidigungsfunktion legte. Den endgültigen Schlag für das Schloss Ogrodzieniec versetzte der Dritte Nordische Krieg. Im Jahr 1702 setzten die sich zurückziehenden Truppen Karls XII. die prächtige Residenz mit ihren piastischen Wurzeln in Brand. Das Feuer zerstörte den Großteil der Innenräume, die Dächer und andere Elemente, die dem tobenden Element nicht standhalten konnten. Die damaligen Besitzer waren nicht in der Lage, die enormen Kosten für die Renovierung zu tragen, weshalb das Anwesen nicht wieder aufgebaut wurde.

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Das Anwesen in der Zwischenkriegszeit. Quelle: NAC – Nationales Digitalarchiv www.nac.gov.pl/

Die Burg Ogrodzieniec als ständige Ruine

Im 18. und 19. Jahrhundert verfiel das ungeschützte Schloss zunehmend. Ein Teil des Baumaterials aus seinen Mauern wurde für den Bau anderer Gebäude in der Umgebung verwendet, z. B. für die Kirche in Ogrodzieniec. Im Jahr 1810 verließ Zofia Mieroszewska (die letzte Besitzerin) ihren zerstörten Wohnsitz, was das Schicksal der Burg Ogrodzieniec endgültig besiegelte. In der Folge zogen die malerischen Ruinen die Aufmerksamkeit vieler Heimatforscher und Wissenschaftler auf sich. Im Jahr 1885 besuchte sie Aleksander Janowski, der später Mitbegründer der Polnischen Gesellschaft für Heimatkunde war. Sein Engagement trug dazu bei, dass Ogrodzieniec unter Denkmalschutz gestellt wurde. Im 20. Jahrhundert wurden Sicherungsarbeiten durchgeführt, und seit 1973 kann das Objekt als dauerhafte Ruine besichtigt werden.

Grundriss der ehemaligen Festung

Die gesamte Burganlage erstreckt sich über etwa 3,5 Hektar, und die Länge ihrer Verteidigungsmauern beträgt bis zu 400 Meter. Die Anlage besteht aus zwei wesentlichen Teilen. Im Vorburgbereich befanden sich Wirtschaftsgebäude, darunter Stallungen, eine Brauerei und eine Schmiede. Die höher gelegene Oberburg diente als Wohnbereich und beherbergte repräsentative Gemächer. Der älteste Teil, die sogenannte Hochburg, wurde auf einem Felsen im Norden errichtet. Innerhalb ihres Hofes konnte man durch malerische Arkaden schlendern. Die Innenräume dieses Teils bestanden aus einer Küche, mehreren Vorratskammern, weiteren Gemächern der Besitzer sowie einer Schatzkammer und einer Waffenkammer. Erwähnenswert ist auch die sogenannte „Hühnerfuß“, also ein sehr charakteristischer, hervorstehender Teil des Baukörpers. Das gesamte Schloss Ogrodzieniec wurde durch Verteidigungs- und Gefängnistürme ergänzt.

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Grundriss des Schlosses. Foto: Reytan, Public domain, via Wikimedia Commons

Visualisierungen von Arch. Michał Szymankiewicz

Die Visualisierungen von Architekt Michał Szymankiewicz sind ein Versuch, das Aussehen des Schlosses vor seiner Verbrennung und seinem Verfall wiederherzustellen. Der Architekt nutzte verfügbare Studien sowie auf künstlicher Intelligenz basierende Werkzeuge und konzentrierte sich dabei auf den Baukörper, die Details der Fassade, die Form der Dächer und die Gestaltung der Umgebung. Die entstandenen Bilder sollen das ehemalige Schloss Ogrodzieniec so originalgetreu wie möglich darstellen. Sie ermöglichen es, sich die Größe und den Rang der Residenz in ihrer Blütezeit vorzustellen, als sie zu den prächtigsten Magnatenresidenzen des ganzen Landes gehörte.

HIER können Sie das 3D-Modell des Schlosses sehen.

Quelle: zamek-ogrodzieniec.pl

Visualisierungen: Arch. Michał Szymankiewicz

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Schloss Ogrodzieniec. Quelle: Materialien von Arch. Michał Szymankiewicz