fot. Mateusz Markowski/whitemad.pl

Aleje Jerozolimskie 57: Das Mietshaus erstrahlt wieder in neuem Glanz!

Das imposante Mietshaus in der Aleje Jerozolimskie 57 war jahrelang mit Baugittern verhüllt, mit abblätterndem Putz und leeren Fenstern, was Neugier weckte und zugleich Trauer darüber hervorrief, dass ein so beeindruckendes Gebäude mitten im Zentrum einer europäischen Metropole verfiel. Das änderte sich jedoch vor einigen Jahren, als die lang erwarteten Arbeiten am Gebäude begannen. Vor kurzem verschwanden die Gerüste von der Fassade und präsentierten den Warschauern ein völlig neues Gesicht des Denkmals, das seit undenklichen Zeiten nicht mehr zu sehen war. Das Gebäude soll in ein Luxushotel umgewandelt werden.

Aleje Jerozolimskie 57: Die medizinische Geschichte des Gebäudes

Das Mietshaus entstand in den Jahren 1910–1912 nach einem Entwurf des britischen Architekten Arthur E. Gurney. Die Familie Drzewiecki richtete hier eine moderne chirurgisch-gynäkologische Einrichtung ein, die später als Klinik „Omega“ und nach dem Krieg als Kinder-Unfallchirurgisches Krankenhaus „Omega“ fungierte. Das Gebäude überstand den Zweiten Weltkrieg ohne größere Schäden, wodurch es seine ursprüngliche Form und einen Großteil der ursprünglichen Ausstattung bewahrte.

Werbung für die Klinik mit einer Zeichnung des Gebäudes, veröffentlicht im Kalender „Kalendarz na Pogotowie“ von 1912. Quelle: Digitale Nationalbibliothek POLONA

Weltklasse-Architektur im Zentrum von Warschau

Das Gebäude macht einen nicht geringen Eindruck, selbst in der Nachbarschaft so prächtiger Mietshäuser, wie sie an den Aleje Jerozolimskie stehen. Es zeichnet sich vor allem durch seine frühmodernistische Form mit Einflüssen des Neoromantizismus und der nordeuropäischen Architektur aus. Hohe, stufenförmige Giebel, massive Risalite und die geometrische Gliederung der Fassade wecken Assoziationen mit den Hansestädten. Die derzeitige Renovierung hat der Fassade ihre frühere Tiefe und ihren dekorativen Charakter zurückgegeben. Es dominieren creme- und sandfarbene Töne, kombiniert mit intensivem Rot, das an den Balkonen, Gesimsen und Fensterrahmen zu sehen ist. Die neuen Keramikdachziegel sind in einer ähnlichen Farbgebung gehalten.

Aleje Jerozolimskie 57 warszawa
Das Gebäude vor der Anbringung der Sicherheitsvorrichtungen. Quelle: Wikimedia Commons

Der Weg von der Ruine zum Luxushotel

Nach dem Auszug des Krankenhauses zu Beginn des 21. Jahrhunderts stand das Gebäude leer und verfiel zunehmend. Das Gebäude erlangte sogar den Ruf als die schändlichste und hässlichste Ruine im Zentrum von Warschau. Später fanden dort eine Zeit lang künstlerische Veranstaltungen und alternative Initiativen statt. Große Veränderungen traten erst ein, nachdem die Immobilie von der Firma F Group übernommen wurde. Zunächst wurde erwogen, sie in ein Apartmenthaus mit etwa 44 Wohnungen umzuwandeln, doch letztendlich entschied man sich für ein Hotel. In den Fachmedien tauchten Informationen über eine mögliche Zusammenarbeit mit der Kette Marriott International auf, doch der Investor hat dies nie offiziell bestätigt.

Aleje Jerozolimskie 57 und die große Renovierung

Für den Umbau des Gebäudes ist das Architekturbüro PROART von Anna Rostkowska in Zusammenarbeit mit dem Büro Tremend und den Ingenieuren von FUTUR verantwortlich. Der Umfang der Arbeiten ist enorm und betrifft unter anderem Decken, Wände und Fundamente sowie den Umbau der Treppenhäuser und des Dachgeschosses mit Dach. Der auffälligste Teil des Projekts wird ein überdachter Innenhof mit einer neuen Konstruktion aus Stahl, Aluminium und Glas sein. Dort entsteht eine repräsentative Hotellobby mit Gastronomie und einem Bereich zum Entspannen.

Foto: Mateusz Markowski/whitemad.pl

Die Fertigstellung des Projekts rückt näher

Derzeit sehen die oberen Teile des Gebäudes fast fertiggestellt aus. Die freigelegte Fassade lässt bereits jetzt das enorme Ausmaß der Umgestaltung erkennen, während das Erdgeschoss weiterhin durch Zäune und Gerüste verdeckt bleibt. Wenn auch diese verschwunden sind, wird die Aleje Jerozolimskie um ein weiteres Objekt bereichert, das zu den herausragendsten vor dem Krieg erbauten Gebäuden der Hauptstadt zählt.

Quelle:warszawa1939.pl, eurobuildcee.com, e-hotelarz.pl

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Das Wohnhaus im Jahr 1912 und 2026. Quelle: Mazowiecka Biblioteka Cyfrowa und Mateusz Markowski/whitemad.pl

Das Gebäude im Jahr 2023 und 2026. Foto: Mateusz Markowski/whitemad.pl