Ein gemütlicher Raum mit einer Fläche von nur 21 m² diente den Architekten als Ausgangspunkt für die Gestaltung eines der markantesten Lokale in der Toruner Altstadt. In einem gotischen Stadthaus aus dem 14. Jahrhundert hat das Studio Akurat ein Interieur geschaffen, bei dem die Nähe im Vordergrund steht – eine Nähe, in der die zentrale Barinsel zum natürlichen Treffpunkt wird und jedes Element des Raums das Erlebnis der Besucher beeinflussen soll. Es ist ein Projekt, das nicht die immer gleichen Bar-Lösungen nachahmt, sondern ein eigenes, originelles Image schafft.
Der erste Eindruck ist intensiv: Der schmale, langgestreckte Raum lenkt den Blick auf die zentrale Barinsel, die den Verkehrsfluss organisiert und die Funktionsweise des Ortes bestimmt. Die Architekten haben bewusst auf die traditionelle Trennung zwischen Gastraum und Backstage verzichtet und so einen Raum geschaffen, in dem der Barkeeper der Gastgeber ist und nicht nur die Person hinter der Theke. Kurze Besuche, spontane Begegnungen und ein schneller Austausch zwischen Gästen und Personal bilden die Grundlage des Konzepts.
Übersichtlicher Grundriss
Die ungewöhnliche Form der Räumlichkeiten erforderte eine Abkehr von Standardlösungen. Das dominierende Element des Raums ist die Bar, die durch hohe Tische und Theken für stehende Gäste ergänzt wurde. Letztere befinden sich sowohl an der zentralen Bar als auchin Nischen entlang der Wände. Die Architekten legten zwei Farbzonen fest: einen dunkelblauen Bereich für die Gäste und einen kirschroten Sanitärbereich. Aufgrund der begrenzten Fläche wurden alle technischen Funktionen in den Einbauten versteckt, wodurch die Fließendheit des Raums und eine ungezwungene Bewegungsfreiheit gewahrt blieben.
Die Form der Räumlichkeiten ließ keine typischen, für Bars charakteristischen funktionalen Lösungen zu, was jedoch Anlass bot, festgefahrene Schemata zu hinterfragen und über das Erlebnis der Gäste sowie deren Beziehung zum Barkeeper nachzudenken – erklärt der Architekt Maciej Ryniewicz, Gründer des Studios Akurat.

Bei der Generalsanierung kam das einzige wertvolle Element des Bestands zum Vorschein: die Holzdecke. Sie bildete den Hintergrund für den spektakulärsten Akzent des Interieurs – eine Neoninstallation, bei der die kirschrote Kugel (das Markenzeichen) von leuchtenden Bahnen umgeben ist. Die Komposition wurde in eine perforierte Stahlfassung eingefasst, wodurch ein Effekt der Schwebe zwischen Geschichte und Gegenwart entsteht. Das originelle Element schmückt nicht nur den Innenraum, sondern erinnert auch an den Standort. Die leuchtenden Bahnen wecken Assoziationen, die ganz natürlich an die Stadt von Nikolaus Kopernikus führen.
Eine fantasievolle Maschine
Die zentrale Insel ist ein wesentliches Element des gesamten Raumkonzepts. Ihre Form bewegt sich zwischen einer fantasievollen Konstruktion und einer zeitgenössischen Interpretation von Details aus dem 19. Jahrhundert. In Kombination mit den Flaschenreihen und den Neonakzenten bildet sie die Achse des Innenraums – intensiv, anziehend, einprägsam.
Alle Möbel und Einrichtungselemente wurden maßgefertigt. In der Toilette haben sich die Designer subtile Anspielungen auf die mittelalterliche Herkunft des Stadthauses und der Stadt erlaubt: Die kupfernen Knöpfe am Waschbecken oder der achteckige Spiegel mit gebrochener Scheibe schaffen eine Atmosphäre, die spielerisch mit der Geschichte umgeht.
Die achsenbasierte Komposition des Interieurs, die von der Ästhetik des 19. Jahrhunderts inspirierten Details, die dominierende Rolle der Wiśniewski-Flaschenreihen sowie die Neonakzente haben wir zu einem neuen, stimmigen Ganzen vereint“, betont Marcin Kulesza vom Studio Akurat.
Die Energie der Eröffnung
Das Lokal befindet sich an einem der belebtesten Punkte der Altstadt. Durch die Nähe zu Gastronomie, Kultur und touristischen Anziehungspunkten fügt es sich ganz natürlich in das städtische Leben ein. Bei der Eröffnung am 21. März füllte sich der Raum schnell mit Gästen. Die Bar – ein gemeinsamer „Tisch“ – wurde zum Mittelpunkt des Geschehens, und der Abend verlief in einer ungezwungenen Atmosphäre. Man spürte, was die Architekten und die Marke seit Jahren betonen: Offenheit, Aufrichtigkeit und Geselligkeit als Grundlage des Erlebnisses. Das Lokal in Toruń reiht sich in die Gruppe der sechs bereits bestehenden Standorte im Portfolio der Marke in Polen ein.
Entwurf: Studio Akurat
Fotos: Archiv von Studio Akurat
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