In Warschau wird derzeit das Mietshaus in der Moniuszki-Straße 8 umgebaut. Es handelt sich dabei nicht um einen beliebigen Ort. Früher befand sich dort das legendäre Adria, das jedem Einwohner der Hauptstadt bekannt war. Das seit Jahren leerstehende Gebäude wird in ein Wohngebäude mit institutionellen Mietangeboten sowie Dienstleistungs- und Gastronomieeinrichtungen umgewandelt.
Eine neue Etappe in der Moniuszki-Straße 8
Verantwortlich für die Investition ist die Firma LivUp, die sich der schwierigen Aufgabe gestellt hat, das für Warschau symbolträchtige Mietshaus zu modernisieren. Hier befand sich in der Zwischenkriegszeit das Café Adria, das vor allem mit Eleganz, gesellschaftlichem Leben und neuen Unterhaltungstrends der Hauptstadt in Verbindung gebracht wurde. Nach Abschluss der Arbeiten soll das berühmte Gebäude wieder so pulsieren wie vor 100 Jahren, diesmal jedoch als Apartmentkomplex für Langzeitmieten, ergänzt durch kommerzielle Funktionen, die einem breiten Nutzerkreis zur Verfügung stehen.
Umfang der Investition von LivUp
Das Projekt des Büros APMD Architects sieht den Umbau und die Erweiterung des historischen Gebäudes in der Moniuszki-Straße 8 sowie die Änderung seiner Funktion von Büro- zu Wohnraum vor. In dem sechsstöckigen Gebäude sind 65 Wohnungen mit einer Fläche von 25 bis 64 m² auf einer Gesamtfläche von 2600 m² geplant. Im Erdgeschoss und im Untergeschoss sollen rund 1200 m² Fläche für Handel und Gastronomie entstehen. Die Bauarbeiten haben im August letzten Jahres begonnen und sollen in der zweiten Hälfte des Jahres 2027 abgeschlossen sein. Generalunternehmer ist die Firma TECHBAU Budownictwo.

APMD Architects und das neue Innendesign
Alle Wohnungen in der Moniuszki-Straße 8 werden mit einer Klimaanlage ausgestattet und ihre Grundrisse sind auf Komfort ausgelegt. Das Projekt umfasst auch ein umfangreiches Programm für die Gemeinschaftsbereiche, die nach dem LivUp-Standard gestaltet werden. Die Bewohner haben Zugang zu einer Lobby mit Rezeption, einem Arbeits- und Entspannungsbereich, einem kleinen Fitnessstudio, Freizeiträumen, einem Fahrradraum und einem Garten auf der Ebene 1. Auf dem Dach wird es eine begrünte Terrasse mit Blick auf die Skyline von Warschau geben.
Architektur und Denkmalschutz in der Moniuszki-Straße 8
Der Umfang der Konservierungsarbeiten umfasst unter anderem die Renovierung der Fassade, die Wiederherstellung der ionischen Säulen und des Gebälks, die Rekonstruktion der Stuckdetails und die Restaurierung der Steinlöwen am Eingang. Die neuen Fenster werden aus Holz gefertigt, entsprechend den historischen Aufteilungen und Farben, die vom Konservator genehmigt wurden. Nach Abschluss der Arbeiten wird auch die Gedenktafel für die Aktion von Jan Kryst „Alan” vom 22. Mai 1943 wieder an der Fassade angebracht.

Das Erbe von Adria
Das Innenarchitekturprojekt wird vom Warschauer Studio IDSTUDIO vorbereitet. Das Konzept greift die Ästhetik der Zwischenkriegszeit auf und interpretiert sie mit einer zeitgenössischen Sprache. Die Einrichtung basiert auf hochwertigen Materialien, weichen Möbeln, lokalem Handwerk und einer gedeckten Farbpalette. In der Lobby und den Gemeinschaftsräumen werden Grafiken zu sehen sein, die von Archivfotos aus Warschau und dem ehemaligen Adria inspiriert sind, und ein Großteil der Einrichtung wird von polnischen Herstellern auf Bestellung angefertigt.
Moniuszki 8 – Geschichte
Das Gebäude in der Moniuszki 8 wurde in den Jahren 1928-1930 als Sitz der italienischen Versicherungsgesellschaft Riunione Adriatica di Sicurtà erbaut. In seinem repräsentativen Teil befand sich seit 1931 die Adria, ein Gastronomie- und Unterhaltungslokal mit Platz für bis zu 1500 Gäste, bekannt für seine Drehparkett, seinen Wintergarten unter einem Glasdach und sein umfangreiches Tanz- und Musikprogramm. Der Ort wurde schnell zu einer der prestigeträchtigsten gesellschaftlichen Adressen im Warschau der Zwischenkriegszeit. Während der deutschen Besatzung war das Lokal ausschließlich für Deutsche zugänglich. Während des Warschauer Aufstands beherbergte das Gebäude unter anderem eine Kantine und den Radiosender „Błyskawica”. Im August 1944 traf eine riesige Granate aus einem Karl-Gerät-Mörser das Gebäude, die glücklicherweise nicht explodierte. Nach dem Krieg wurde mit dem Wiederaufbau des Gebäudes begonnen und es wurde der Staatlichen Versicherungsanstalt zugewiesen. Das Adria nahm 1973 seinen Betrieb wieder auf, um ihn 2005 endgültig einzustellen.

Quelle: media.bepr.pl, jedenraz.wordpress.com
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Die Fassade des Gebäudes 1930 und heute. Quelle: Digitale Bibliothek der Technischen Universität Warschau und whiteMAD/Mateusz Markowski
Rikscha vor Adria, 1940 und 2024. Quelle: NAC – Nationales Digitalarchiv www.nac.gov.pl/ und whiteMAD/Mateusz Markowski
August 1944 und April 2024. Marszałkowska, Ecke Moniuszki. Blick auf den Napoleonplatz. Quelle: Tage des Aufstands. Fotokronik des kämpfenden Warschau. Stanisław Kopf, Jan Grużewski Verlag „PAX” Warschau 1957 und whiteMAD/Mateusz Markowski
30. September 1944, 61. Tag des Warschauer Aufstands. Opfer eines Luftangriffs an der Kolonnade eines Wohnhauses und derselbe Ort heute. Quelle: waralbum.ru, Autor: Eugeniusz Lokajski und whiteMAD/Mateusz Markowski
Moniuszki im August 1959 und heute. Quelle: ETH-Bibliothek Zürich, Autor: Hans Leibundgut, Lizenz: CC BY-SA 4.0 und whiteMAD/Mateusz Markowski
Fassade im Jahr 2024 und in der Zukunft. Quelle: whiteMAD/Mateusz Markowski und APMD Architects















