Wie sieht eine Welt aus, in der Natur und Technologie keine Gegensätze mehr sind, sondern als ein einziger, voneinander abhängiger Organismus funktionieren? Diese Frage beantwortet Anna Hulačová – eine der bedeutendsten zeitgenössischen tschechischen Bildhauerinnen – in ihrer neuesten Ausstellung „Das Land der Fülle“, die im Zentrum für Polnische Bildhauerei in Orońsko zu sehen ist.
Die Künstlerin schafft komplexe skulpturale Umgebungen, in denen figurative Formen zum Werkzeug für die Analyse der Beziehungen zwischen Mensch, Natur und modernen Produktionssystemen werden. Im Raum der Galerie Oranżeria konstruiert Hulačová eine Realität, die von intensiver Ausbeutung der Umwelt, dem Verlust der Biodiversität und der Verschmelzung von Organischem und Technologischem geprägt ist.
Ausgangspunkt der Ausstellung ist die Landschaft Mittel- und Osteuropas – ein Gebiet, das tiefgreifenden Veränderungen unterworfen ist, die aus der Industrialisierung der Landwirtschaft und der Logik der ständigen Leistungssteigerung resultieren. Die in den Arbeiten präsenten Motive bedrohter Arten, veränderter Pflanzen und hybrider Organismen legen Prozesse offen, die im Alltag unsichtbar bleiben: das allmähliche Verschwinden natürlicher Ökosysteme, die Unterordnung der Umwelt unter Produktionsmechanismen sowie die versteckten Kosten von Überfluss und Konsum.
In ihren neuesten Arbeiten betrachtet Hulačová das zeitgenössische Modell der Lebensmittelproduktion als ein System, das auf Abhängigkeiten und Spannungen beruht und zwischen Kontrolle und Verlust balanciert. Bekannte Elemente der Agrarlandschaft werden in suggestive, bisweilen beunruhigende Formen verwandelt, in denen antike Vorstellungen vom Lebenszyklus auf futuristische Maschinen treffen, die die Produktion intensivieren.

„Das Land der Fülle“ ist nicht nur eine Erzählung über die ökologische Krise, sondern auch eine Reflexion über die heutige Erfahrung des Lebens in einer Welt der gegenseitigen Verflechtungen – einer Welt, in der der Mensch sich immer häufiger als bloßer Teil eines größeren Systems erweist.
Das Werk von Anna Hulačová wird seit Jahren in den bedeutendsten europäischen Institutionen für zeitgenössische Kunst präsentiert. Ihre charakteristische Bildsprache verbindet Skulptur, Erzählung sowie Bezüge zu Folklore, Landwirtschaft und den sozial-ökologischen Veränderungen der Gegenwart. Die Ausstellung in Orońsko ist die erste derart umfassende Präsentation der neuesten Arbeiten der Künstlerin in Polen.
ANNA HULAČOVÁ
Ausstellung: „LAND DER FÜLLE”
16. Mai – 5. Juli 2026
Galerie Oranżeria,
Kurator: Stanisław Małecki
Foto: HAWA
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