Der Kongresspalast in Tirana wurde für parteipolitische Zwecke einer zu Recht vergangenen Ära in Albanien errichtet. Nach 1991 war das Gebäude ein wichtiger kultureller Ort, und heute, in einem Land, dessen Wirtschaft einen Aufschwung erlebt, wird der Kongresspalast wieder in das Stadtgefüge eingebunden. Vor dem Gebäude entsteht ein neuer, begrünter Platz, hinter dem Bauwerk wird ein 260 m hoher Wolkenkratzer emporragen, und die Bewohner können sich auf der umgestalteten Dachterrasse treffen. Interessanterweise hat sich das Schweizer Architekturbüro Herzog & de Meuron dafür entschieden, die wichtigsten Elemente der brutalistischen Architektur des Gebäudes zu erhalten.
Eine neue Ära
Als 1986 der neue, prunkvolle Kongresspalast eröffnet wurde, stand das repressive kommunistische System in Albanien bereits kurz vor dem Zusammenbruch. Ein Jahr zuvor war der Diktator Enver Hoxha verstorben, und die Ära der Isolation des ärmsten Landes Europas neigte sich dem Ende zu. Heute hingegen ist Albanien, insbesondere Tirana, geprägt von neuen, ambitionierten Hochhäusern und Investitionen aus dem Westen. Der Umbau des Kongresspalasts hat auch eine symbolische Dimension.
Vor dem Palast entsteht ein neuer Treffpunkt. Begrünte Boulevards werden das Gebäude umgeben und der sich dynamisch wandelnden Umgebung Struktur verleihen. Die Architekten von Herzog & de Meuron werden lediglich die modernistische Fassade des Gebäudes auffrischen, das sich seit Jahren durch seine interessante Form auszeichnet. Die wirklichen Veränderungen werden jedoch hinter dem Gebäude und auf dessen Dach vorgenommen.
Hinter dem Kongresspalast entsteht ein 260 m hoher Wolkenkratzer mit einer charakteristischen abgeschrägten Seite. Nicht nur die Höhe des Gebäudes, sondern auch seine faszinierende Geometrie soll die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Es ist erwähnenswert, dass viele neue Projekte in Tirana eine Hochhauskomponente aufweisen, obwohl sie keine typische „Hochhausfunktion“ haben. So besteht beispielsweise das direkt neben dem Palast gelegene albanische Nationalstadion – die „Arena Kombëtare“ – aus einem futuristischen, konkaven Stadionkörper und einem 112 Meter hohen Hochhaus. Diese Lösung ergibt sich aus dem Bestreben, den Raum optimal zu nutzen, sowie aus der begrenzten Grundstücksfläche in der sich rasch bebauenden Hauptstadt.

Offen zur Stadt
Das renovierte und besser beleuchtete Atrium wird zum einladenden Mittelpunkt des Gebäudes. Auf den Visualisierungen ist zu erkennen, dass die Architekten die bestehenden architektonischen und künstlerischen Merkmale des Gebäudes erhalten wollen, wie beispielsweise die Skulptur einer Frau mit der albanischen Flagge. Das Hauptauditorium des Gebäudes wird hingegen zu einem funktionaleren und geräumigeren Raum umgebaut. Die segmentierte Decke wird nun in eine lichtdurchflutete, trichterförmige Öffnung münden. Zudem wird die Anzahl der Plätze im Auditorium von 2.100 auf 2.350 erhöht.
Die größten Veränderungen werden jedoch auf dem Dach stattfinden. Die Räumlichkeiten für Veranstaltungen werden vom Keller auf das Dach verlegt, und in insgesamt vier Sälen finden bis zu 1.100 Personen Platz. Das Dach wird zu einem modernen Ort für Veranstaltungen, Begegnungen und Erholung, und Cafés sowie Restaurants werden Passanten in das renovierte Gebäude locken.
Das Architekturbüro Herzog & de Meuron belegte im Juni 2026 den ersten Platz im Architekturwettbewerb. Das Projekt befindet sich in einer frühen Planungsphase, weshalb noch nicht bekannt ist, wann die Bauarbeiten beginnen und enden werden. Das Projekt ist ein gutes Beispiel dafür, wie schnell sich Albanien verändert und wie viel Potenzial dieses Land bietet. Alte kommunistische Gebäude und Bunker werden zu immer ausgefalleneren Dienstleistungslokalen und Hochhäusern umgebaut. Interessanterweise beliefen sich die ausländischen Investitionen in Albanien im Jahr 2025 auf 1,64 Milliarden Euro, und von 2016 bis 2026 hat sich das jährliche BIP des Landes verdreifacht. Über ein weiteres ungewöhnliches Bauprojekt in Tirana können Sie HIER und HIER lesen.
Quelle der Visualisierung: Herzog & de Meuron
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