Bar Pełnia Social Club in Krakau. So haben sie das Interieur gestaltet!

Krakau hat lange auf einen Ort gewartet, der zumindest für einen Moment die Energie von Dolne Młyny wieder aufleben lässt – ein dichtes Mosaik aus Bars und Restaurants, die sich um einen gemeinsamen Raum gruppieren. Nach der Schließung des Komplexes verstreuten sich seine ehemaligen Stammgäste über die Stadt, ebenso wie die Lokale selbst, die heute unter anderen Adressen firmieren. Kein Wunder, dass die Eigentümer keinen Moment zögerten, als sich die Möglichkeit bot, einen neuen Raum direkt neben Weźże Krafta zu eröffnen. Sie gingen auch ein Risiko in Bezug auf das Design ein und luden Anna Jurasz von Stellar Studio zur Zusammenarbeit ein – eine Designerin, die sie zuvor nicht kannten, deren Vision sich jedoch als Impuls für die Schaffung eines völlig neuen Ortes erwies, der gleichzeitig in der Erinnerung der Stadt verankert ist. So entstand das neue Konzept des Pełnia Social Club.

Der Pełnia Social Club entstand in einer ehemaligen Parkettfabrik in Kazimierz (ul. Dajwór 16). Von der industriellen Vergangenheit sind nur der rohe Boden und die konstruktiven Elemente der Halle erhalten geblieben, der Rest wurde von Grund auf neu durchdacht. Anna Jurasz begann mit einer Änderung der Raumaufteilung und teilte den Raum in Zonen mit unterschiedlichen Stimmungen und Funktionen auf. Im Zentrum steht eine monumentale Bar mit organischen, fast aufblasbaren Formen, die den Eindruck erwecken, als schwebten sie wie eine Raumkapsel über dem Boden. Dahinter erstreckt sich ein speziell angefertigtes Mosaik – eine Hommage an das Krakauer Design der 70er Jahre und die Keramikdekorationen, die bis heute die ikonischen Gebäude der Stadt schmücken.

Das Interieur ist ein Spiel verschiedener Ästhetiken. Die Badezimmer überraschen mit einer Glaswand und einem mit silbernem Leder bezogenen Sofa, und dasselbe glänzende Material taucht am Eingang in Form von Vorhängen auf und kündigt eine Reise in Richtung Futurismus und Retrofuturismus an. Die Inspirationen durch das Werk von Stanisław Lem sind hier spürbar, aber nicht aufdringlich – eher als Atmosphäre, als eine Art, über die Zukunft nachzudenken, die nicht kühl oder entmenschlicht sein muss. Kosmische Motive tauchen auch in den Wandgemälden von Wvjot auf, einem aus den Straßen Krakaus bekannten Künstler, dessen charakteristischer Strich ein Element urbaner Erzählung in den Innenraum einführt.

Die Fülle ist jedoch nicht nur eine Kulisse. Es ist ein Raum, der sich mit der Tageszeit, der Jahreszeit und der Stimmung der Gäste verändert. Die Beleuchtung wurde so konzipiert, dass sie die Atmosphäre sanft moduliert – von weichem, milchigem Licht der Kugeln bis hin zu scharfen Neonakzenten im Stil des Space Age. Das Motiv des Vollmonds zieht sich durch die Details: in den Glasbausteinen, in den Mosaikformen über der Bar, in den Lampen im Badezimmer. Die Einrichtung ist von Kontrasten geprägt: Perforierte Stühle mit industriellem Ursprung werden mit gesteppten Retro-Sofas kombiniert, und geometrische Tische mit Chromakzenten werden durch die Grünpflanzen in ihren Töpfen gemildert.

Über der Bar glänzen Lexavala-Lampen – Objekte, die an der Schnittstelle von Design, Kunst und Handwerk entstanden sind. In einer Gegend, in der sich die meisten Lokale in Kellern mit schwerer, rauchiger Luft verstecken, zeichnet sich Pełnia durch Geräumigkeit und Licht aus. Hier kann man bei einem Glas Wein sitzen, zu Abend essen und sich unterhalten, ohne die Musik übertönen zu müssen. Auch wenn die Adresse auf einen Touristenort hindeuten könnte, lebt der Ort von der Energie der Krakauer – diejenigen, die in kleineren und größeren Gruppen kommen, um in den durchdachten Nischen Intimität und bei Live-Musikabenden Energie zu suchen.

Das aussagekräftigste Kompliment sind die Reaktionen der Gäste, die – ohne die Geschichte des Ortes zu kennen – begeistert sagen: „Was für eine Atmosphäre, ganz wie früher in Dolnych in der Hala Główna”. Nur wenige wissen, dass hinter Pełnia dieselben Eigentümer stehen. Ihre Sensibilität für die Atmosphäre ist auch dann erkennbar, wenn sich die Adresse und die Sprache des Designs ändern. Der Geist ist derselbe geblieben, obwohl die Kulisse völlig neu ist. 

Entwurf: StellarStudio

Fotos: MoodAuthors

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