Beeindruckend. Ein Haus im Wald bei Warschau

Auf einem bewaldeten Grundstück in der Nähe von Warschau entstand ein Haus, das die Landschaft nicht dominiert, sondern sie vielmehr mitzugestalten scheint. Der Entwurf von 77Studio Architektury entstand aus der Beobachtung des Ortes, genauer gesagt aus einer einzigen, entscheidenden Entdeckung: einer lichtdurchfluteten Lichtung, die zwischen hohen Kiefern verborgen liegt. Sie wurde zum kompositorischen Kern des gesamten Projekts und zum Ausgangspunkt für die Architekten.

Anfangs ließ das Gelände sein Potenzial nicht erkennen. Das kleine Grundstück mit einem zum Abriss bestimmten Gebäude war dicht von Bäumen umgeben, wodurch es einen bedrückten und lichtlosen Eindruck machte. Erst die Beseitigung der alten Bebauung legte die natürliche Anordnung der Bäume frei, die einen Ring um einen hellen, fast theatralisch beleuchteten Raum bildeten. Die Architekten erkannten sofort den Wert dieses Raums, der ausschlaggebend für die Form des Hauses war.

Uns bot sich ein einzigartiger Anblick. Hoch aufragende Kiefern bildeten einen natürlichen Ring um eine fast theatralisch beleuchtete Lichtung. Dieser lichtdurchflutete Raum wurde zum Ausgangspunkt für unser Projekt“, sagt Paweł Naduk.

Entlang des Umrisses der Lichtung wurde eine halbkreisförmige Wand mit großen Verglasungen geführt. Diese Lösung erforderte den Einsatz von gebogenem Glas und Schiebetüren, die sich im Bogen bewegen, ermöglichte jedoch einen Effekt, der mit herkömmlichen Mitteln nicht zu erreichen gewesen wäre. Die Fassade wurde zu einem panoramischen Rahmen, der die Innenräume zum Wald hin öffnet, und zugleich zu einem präzisen Instrument zur Lichtsteuerung. Die Raumaufteilung wurde der natürlichen Sonneneinstrahlung angepasst, sodass jeder Teil des Hauses das Tageslicht auf andere Weise nutzt. In der dichten, von Kiefern geprägten Umgebung war dies von besonderer Bedeutung.

Die Lichtung wurde auch zu einem Garten – einem halbprivaten Innenhof, der von den Flügeln des Gebäudes umgeben ist. Tagsüber dringt die Sonne hier durch die Baumkronen, und die Schatten wandern über die Terrasse und die Fassade und schaffen eine wechselnde, subtile Kulisse. Nach Einbruch der Dunkelheit übernimmt die Feuerstelle in der Mitte des Gartens die Rolle des natürlichen Lichts. Ihr Schein spiegelt sich in den Verglasungen wider und bringt warme Reflexe in die Innenräume.

Die Terrasse rund um die Feuerstelle besteht aus radial angeordneten Eschenbrettern. Das gleiche Motiv wiederholt sich im Eichenparkett im Innenraum, wodurch die Grenze zwischen Haus und Garten fast unmerklich wird. Dies ist kein effekthascherischer Kunstgriff, sondern die konsequente Weiterentwicklung einer Idee, bei der Architektur und Landschaft als einheitliches Ganzes funktionieren.

Auch die Form des Gebäudes nimmt Bezug auf die Umgebung. Von der Hofseite her erinnert der Baukörper an einen teilweise ausgehöhlten Baumstamm – von außen dunkler und geschlossener, innen heller und lichtdurchflutet. Faserzementplatten und graphitfarbene Bleche bilden eine raue, schützende Hülle, die einen Kontrast zum hellen Raum des Gartens bildet.

Von der Vorderseite präsentiert sich das Haus zurückhaltender. Die Fassade wurde mit handgeformten Ziegeln in einem warmen Braunton verkleidet. Ihre Struktur und Farbe wecken Assoziationen mit Kiefernrinde, wodurch sich das Gebäude auf natürliche Weise in die waldreiche Umgebung einfügt. An einigen Stellen bildet der Ziegel eine durchbrochene Schicht, die Licht und Ausblicke filtert. Hinter einer dieser Wände verbirgt sich eine Loggia – ein ruhiger Ort zum Ausruhen, abgeschirmt von der Außenwelt.

Das Haus wurde mit Blick auf die Umwelt entworfen. Gründächer verbessern die Dämmung und erhöhen die Wasserrückhaltung, während die erhaltene Anordnung von Bäumen und Sträuchern den natürlichen Charakter des Grundstücks unterstreicht. Ergänzt wird das Ganze durch ein Gebäudeautomationssystem, das den Nutzungskomfort erhöht und eine präzise Energieverwaltung ermöglicht. Das Haus mit der Lichtung ist ein Projekt, bei dem der Wald nicht nur Kulisse, sondern gleichberechtigter Partner des Entwurfs ist.

Entwurf: 77Studio Architektury

Fotos: Piotr Krajewski

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