Kino International berlin
Po remoncie. Fot. Daniel Horn

Berlin: Das legendäre Kino International ist nach der Renovierung wieder da

Nach 18 Monaten intensiver Renovierungsarbeiten empfängt das berühmte Kino International an der Karl-Marx-Allee 33 in Berlin wieder Besucher. Das Gebäude aus den 1960er Jahren wurde unter der Leitung des Architekturbüros Dickmann Richter Architekten komplett modernisiert. Das Gebäude hat sein historisches Erscheinungsbild der Fassade und der Innenräume zurückerhalten, ergänzt durch moderne Installationen und Technologien.

Das Kino International in Berlin

Das Berliner Kino International entstand in den Jahren 1961–1963 als repräsentatives Gebäude für Filmpremieren in der damaligen DDR, war jedoch von Anfang an weit mehr als nur ein Vorführsaal. Das Konzept des Architekten Josef Kaiser sah ein großzügiges Foyer, Begegnungsräume sowie Club- und Bibliotheksbereiche vor. Das Gebäude entstand an der Karl-Marx-Allee, einem der bedeutendsten städtebaulichen Projekte des Nachkriegseuropas. Mehr über diese berühmte Allee haben wir HIER geschrieben. Die ausdrucksstarke Gestaltung der Fassade und der Innenräume, die klare Geometrie sowie der äußerst geschickte Umgang mit Licht und Material sorgten dafür, dass das Gebäude fast augenblicklich den Status einer architektonischen Ikone der deutschen Hauptstadt erlangte.

Die Architektur der Berliner Ikone der Moderne

Das Kinogebäude präsentiert eine ausdrucksstarke, modernistische Form, die typisch für die Architektur des Nachkriegseuropas ist. Der Baukörper wirkt dank der großzügigen Verglasungen leicht, insbesondere im Foyerbereich, wo große Fenster und Türen den Innenraum zum städtischen Raum hin öffnen. Die Fassade des Gebäudes basiert auf einer Kombination aus Glas, Metall und vorgefertigten Betonelementen. Die transparenten Bereiche stehen in deutlichem Kontrast zu den eher geschlossenen Wandabschnitten. Diese sind mit dekorativen Platten mit dezentem Relief verkleidet, die den Zyklus „Aus dem Leben heutiger Menschen“ bilden und Szenen des Alltags in der Realität der DDR zeigen. Sie verleihen der Fassade eine zusätzliche plastische Dimension und Licht-Schatten-Effekte, wodurch sich ihr Erscheinungsbild je nach Lichteinfall verändert. Die Innenräume wurden mit Holz, Stein und Terrazzo ausgestattet – typischen Materialien der 1960er Jahre.

Karl-Marx-Allee im Jahr 1964. Foto: Bundesarchiv

Die Geschichte des legendären Kinos und die Gründe für die Renovierung

Seit seiner Eröffnung im Jahr 1963 fungierte das Kino International als prestigeträchtiger Ort des kulturellen Lebens in Ostberlin. Nach 1989 setzte das Kino seinen Betrieb fort, ging 1992 in den Besitz der Yorck Kinogruppe über und behielt seine starke Position im Festivalprogramm, unter anderem während der Berlinale. Der langjährige, intensive Betrieb ohne Generalrenovierung führte jedoch zu einer allmählichen Abnutzung der Anlagen und der Ausstattung. Die technischen Systeme entsprachen nicht mehr den heutigen Anforderungen, und die Zugänglichkeit des Gebäudes brachte zahlreiche Einschränkungen mit sich. Eine zusätzliche Herausforderung war die Notwendigkeit, die ursprünglichen Elemente des Gebäudes zu erhalten, das seit 1990 unter Denkmalschutz steht. Infolgedessen wurde beschlossen, eine Modernisierung durchzuführen – die erste derart umfassende seit über 60 Jahren.

Entwurf von Dickmann Richter Architekten

Die lang erwartete Renovierung dauerte von Juli 2024 bis Februar 2026, Bauherr war die Yorck Kino GmbH. Der umfassende Umfang der Arbeiten erforderte die vollständige Schließung des Kinos – zum ersten Mal in seiner langjährigen Geschichte. Das Projekt von Dickmann Richter Architekten entstand in Zusammenarbeit mit den Berliner Denkmalschutzbehörden. Die Architekten standen vor einer schwierigen Aufgabe: Sie sollten sich auf die vollständige Erhaltung der ursprünglichen Ästhetik konzentrieren und gleichzeitig die gesamte technische Infrastruktur modernisieren. Die Nutzfläche des Kinos beträgt nun rund 6381 m², und der Kinosaal bietet Platz für 506 Zuschauer.

Seitenfassade vor und nach der Renovierung. Foto: Lotse, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons und Google Maps

Neue Infrastruktur und Technologie

Die umfangreichen Arbeiten umfassten einen kompletten Austausch der Installationen, vom Keller bis zum Dach. Im Rahmen der Renovierung wurden im Gebäude moderne Lüftungs-, Heizungs- und Elektrosysteme sowie neue Sanitär- und Entwässerungsanlagen installiert. Das Dach erhielt eine komplett neue Dämmung, eine Verkleidung aus Zinkblech sowie neue Oberlichter. Im Kinosaal wurden hingegen ein Dolby-7.1-System sowie ein Christie-Laserprojektor mit 4K-Auflösung installiert. Durch die Reduzierung der Sitzplatzanzahl konnten die Abstände zwischen den Reihen vergrößert werden, was den Komfort beim Filmgenuss deutlich verbessert.

Kino International – historische Details

Ein sehr wichtiger, wenn nicht sogar der wichtigste Teil der Arbeiten war die äußerst sorgfältige Restaurierung der ursprünglichen Details sowie der Ausstattungs- und Verkleidungselemente des Gebäudes. In den Innenräumen wurden insgesamt über sieben Kilometer Holzlamellen aus Kirsche, Ulme und Esche demontiert. Anschließend wurden sie restauriert und wieder an den Wänden der einzelnen Räume angebracht. Darüber hinaus wurden der Betonterrazzo, die Steinoberflächen sowie die goldene Decke im Foyer wiederhergestellt. Einen besonderen Platz im Kino International nimmt der silberne Vorhang ein, der die Leinwand verdeckt. Dieses sorgfältig restaurierte Detail ist mit über 40 Millionen Pailletten besetzt!

Kino International berlin
Das Kino International vor und nach der Renovierung. Foto: Jörg Zägel, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
und Google Maps

Akustik, Komfort und Barrierefreiheit

Große Aufmerksamkeit wurde auch der neuen Klangqualität gewidmet. Die Innenräume wurden mit über 1000 m² neuen akustischen Materialien ausgestattet, die hinter den historischen Wandverkleidungen der Säle verborgen sind. Die Modernisierung führte zudem zu einer Reduzierung des Energiebedarfs um bis zu 70 Prozent. Das Gebäude wurde selbstverständlich an die aktuellen Sicherheits- und Barrierefreiheitsanforderungen angepasst. Es wurden ein Aufzug zum Kinosaal sowie behindertengerechte Sanitäranlagen eingerichtet.

Das Kino International als sozialer Raum

Seit seiner Eröffnung im Jahr 1963 fungierte das Kino International als wichtiger Ort für Begegnungen und kulturelle Veranstaltungen. Hier fanden Filmpremieren, Festivals und öffentliche Veranstaltungen statt. Nach der Sanierung erfüllt das Gebäude diese Rolle wieder. Das Foyer, die Treppenhäuser und die Panoramabar schaffen eine Atmosphäre, die die Besucher in die Zeit der Erbauung des Gebäudes versetzt. Die Wiedereröffnung fand am 26. Februar 2026 statt, die offizielle Feierlichkeiten am 3. März unter Beteiligung von Vertretern der Bundesregierung und der Stadt Berlin.

Modernisierungsprojekt: Dickmann Richter Architekten
Team: Daniel Dickmann, Helen Hart, Elena Herwarth von Bittenfeld, Chiara Alten, Julia Gerhards
Fotos: Daniel Horn

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