Etwa 40 Jahre lang befand sich an der Stelle des historischen Abschnitts des Catharijnesingel-Grabens in Utrecht eine breite Fahrbahn für Autos. Das Wasser verschwand 1969, als mit der Verfüllung des Kanals und dem Bau der Catharijnebaan begonnen wurde – einer Verkehrsader, die den Stadtverkehr entlasten sollte. Im Jahr 2020 hat Utrecht diesen Fehler korrigiert, und heute gehört dieser Abschnitt wieder den Ruderern, Fußgängern, Radfahrern und der Natur. Das Umgestaltungsprojekt wurde von den Architekten des Büros OKRA landschapsarchitecten entworfen.
Der Catharijnesingel ist älter als die heutige Stadt
Die Geschichte des Catharijnesingel ist mit dem Stadtgraben und den Stadtmauern von Utrecht verbunden, deren Bau im 12. Jahrhundert begann. Im Laufe der Zeit verlor das Befestigungssystem seine militärische Bedeutung, weshalb um 1830 an der Stelle eines Teils der ehemaligen Befestigungsanlagen ein von Jan David Zocher entworfener Park entstand. Der Kanal selbst diente über Jahrhunderte hinweg auch als Wasserstraße. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war er Teil der Keulse Vaart – einer Wasserstraße, die Amsterdam mit Köln verband. Seine Bedeutung nahm jedoch nach der Eröffnung des Merwede-Kanals im Jahr 1892 ab.

Asphalt statt Wasser
Im 20. Jahrhundert begann Utrecht, sein Stadtzentrum auf den Autoverkehr auszurichten. Im Jahr 1958 stellte der deutsche Ingenieur Max Erich Feuchtinger ein kühnes Konzept für eine Umgehungsstraße vor, die um die Altstadt herumführen sollte. Deren Umsetzung hätte dazu geführt, dass fast der gesamte historische Stadtgraben zugeschüttet worden wäre. Letztendlich wurde das Projekt in dieser Form nicht umgesetzt, doch 1969 begann man mit dem Abriss eines Abschnitts namens Catharijnesingel (Katharinengraben), um an seiner Stelle die Catharijnebaan (Katharinenbahn) zu errichten. Es sollte eine breite, für den Autoverkehr bestimmte Verkehrsader werden. Das Wasser wich damals Asphalt und Beton, und das historische Zentrum wurde teilweise von dem Element abgeschnitten, das sein Stadtbild und das städtische Leben seit Jahrhunderten geprägt hatte. Die Straße selbst war etwa einen Kilometer lang, gehörte jedoch in ihrer Blütezeit zu einem riesigen Verkehrsnetz mit bis zu 12 Fahrspuren.
Die Einwohner wollten den Catharijnesingel zurück
Die Stilllegung des Kanals verbesserte zwar den Verkehrsfluss, stieß jedoch von Anfang an auf Widerstand bei den Einwohnern. Die Niederländer lebten seit jeher in der Nähe des Wassers und mochten diese drastische Veränderung nicht, durch die sie einen beträchtlichen Teil ihrer historischen Identität verloren hatten. Ende der 1980er Jahre entstanden Konzepte zur Neugestaltung des gesamten Bahnhofsviertels Utrecht Centraal und zur Korrektur der Fehler von vor 20 Jahren. Im Jahr 2001 begannen die ersten Arbeiten, in deren Rahmen der nördliche Abschnitt des historischen Stadtgrabens wiederhergestellt wurde. Ein Jahr später sprachen sich die Einwohner von Utrecht in einem Referendum für die Wiedereröffnung des Catharijnesingel aus. Seitdem beseitigt die Stadt Schritt für Schritt die Folgen des früheren Umbaus. Im Jahr 2020 erlangte der Kanal wieder seine Durchgängigkeit und Schiffbarkeit zurück.

1,1 km neue Wasserstraße in Utrecht
Der wichtigste Teil des großangelegten Umbaus war die Wiederherstellung eines etwa 1,1 Kilometer langen Kanalabschnitts an der Stelle der ehemaligen Autostraße. Während der Arbeiten wurden etwa 35.000 Tonnen Erde und fast 17.000 Tonnen Bauschutt abgetragen, und nach der Reinigung des Gewässergrundes flossen etwa 40.000 m³ Wasser zurück in den Catharijnesingel. Zusammen mit dem Kanal wurde ein großer Teil des öffentlichen Raums zurückgewonnen, der angrenzende Zocherpark wurde vergrößert und es entstanden neue Fußwege, Grünflächen sowie Erholungsbereiche. An den Ufern wurden unter anderem Pappeln, Platanen, Zierkirschen und Ulmen gepflanzt. Die Pflanzenauswahl fördert die Artenvielfalt, und die blühenden Bäume bieten Insekten Nahrung. Die Kosten für das gesamte Projekt beliefen sich auf über 100 Millionen Euro, aber es hat sich gelohnt! Nach fast 40 Jahren können die Einwohner nun wieder mit dem Boot durch die Altstadt fahren.
Catharijnesingel von OKRA landschapsarchitecten
Das beeindruckende Ausmaß dieser Verwandlung wurde schnell gewürdigt. Im Jahr 2022 erhielt der Catharijnesingel den European Prize for Urban Public Space, der aus 326 Projekten aus 35 Ländern ausgewählt wurde. Im selben Jahr wurde das Konzept zudem mit dem Rietveldprijs ausgezeichnet, dem wichtigsten Architekturpreis von Utrecht. Die Wiederherstellung des Kanals verbesserte den Zugang zu Grünflächen, schuf neue Erholungsorte und erhöhte den Anteil der grün-blauen Infrastruktur im Stadtzentrum. Der neue Catharijnesingel, entworfen vom Architekturbüro OKRA landschapsarchitecten, ist ein hervorragendes Beispiel dafür, dass sich selbst die größten städtebaulichen Fehler beheben lassen. Es ist nie zu spät!

Quelle: erfgoed.utrecht.nl, ontdek-utrecht.nl, okra.nl
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Der Kanal im Jahr 2014 und 2024. Foto: Google Maps und Antoine Thevenet
Blick auf die Umgebung vor und nach dem Umbau. Foto: straatbeeld.nl und Google Earth
Die Catharijnebaan im Jahr 2014 und der Catharijnesingel heute. Foto: Google Maps









