Das Nationale Fryderyk-Chopin-Institut wird eine weitere Partie digitaler Kopien von Manuskripten und Briefen des Komponisten an das Arctic World Archive auf dem norwegischen Archipel Svalbard übergeben. Die Materialien stammen aus den Sammlungen des Fryderyk-Chopin-Museums in Warschau sowie aus ausgewählten Bibliotheken, Museen und Archiven in Polen. Die feierliche Übergabe findet Ende Februar 2026 im Rahmen eines Konzerts mit Werken des bedeutendsten polnischen Pianisten statt.
Arctic World Archive in Norwegen
Das Arctic World Archive befindet sich in Longyearbyen auf der zu Norwegen gehörenden Insel Spitzbergen. Die Einrichtung ist seit 2017 in einem ehemaligen Kohlebergwerk untergebracht und sammelt digitale Aufzeichnungen, die als wichtig für das Erbe der Menschheit angesehen werden. Die Sammlung umfasst unter anderem Reproduktionen von Kunstwerken, Dokumente internationaler Institutionen, wissenschaftliche Materialien und Literatur. Dort werden auch Kopien berühmter Gemälde aufbewahrt, darunter „Der Schrei” von Edvard Munch oder „Die Nachtwache” von Rembrandt, sowie literarische Texte aus der Sammlung der Vatikanischen Bibliothek und Werke von Olga Tokarczuk. Das Archiv nimmt Depots von öffentlichen und privaten Institutionen aus vielen Ländern entgegen.
Polnisches Kulturerbe im arktischen Tresor
Seit einigen Jahren übergeben polnische Kulturinstitutionen digitale Kopien von Kunstwerken und Dokumenten an das arktische Archiv. Darunter befinden sich Reproduktionen von Gemälden von Jan Matejko und Stanisław Wyspiański. Das Nationale Fryderyk-Chopin-Institut übergab erstmals 2024 Materialien. Auf einem speziellen Datenträger wurden damals Kopien ausgewählter Autogramme des Komponisten gespeichert, die im Warschauer Museum aufbewahrt werden. Die neueste Hinterlegung erweitert diese Sammlung um weitere Manuskripte und Korrespondenz des Künstlers sowie um Materialien aus anderen polnischen Kulturinstitutionen. Die Digitalisierung wurde im Rahmen eines von der Europäischen Union finanzierten Projekts zur Zugänglichmachung des polnischen Musikerbes vorbereitet.

Technologie zur Aufbewahrung für Jahrhunderte
Die Daten werden auf einem speziellen lichtempfindlichen Band mit einer Breite von 35 Millimetern archiviert. Die Technologie wurde von der norwegischen Firma Piql entwickelt. Die Informationen werden in analoger Form gespeichert, sodass sie über einen sehr langen Zeitraum hinweg lesbar bleiben. Eine Rolle fasst etwa 120 Gigabyte an Daten. Jedes Medium wird in mehreren Sicherheitsschichten aufbewahrt, darunter in einem Metallbehälter und einer Aluminiumkassette. Das Ganze wird in einem Stahlbunker tief unter der Erde aufbewahrt. Die Entwickler der Technologie ließen sich vom Rosetta-Stein inspirieren, weshalb auf dem Band auch eine Anleitung gespeichert ist, mit der die Aufzeichnungen und das Dateiformat in Zukunft entschlüsselt werden können. Die geschätzte Lebensdauer der Datenträger beträgt 500 bis 1000 Jahre.
Chopin im Arctic World Archive
Die Hinterlegung des neuen Depots im Arctic World Archive wird von einem musikalischen Ereignis begleitet. Am Tag vor der Zeremonie wird der Pianist Krzysztof Wierciński, Teilnehmer des 19. Internationalen Frédéric-Chopin-Klavierwettbewerbs, ein Konzert in Longyearbyen geben. Das Konzertprogramm umfasst Werke des Komponisten, darunter Mazurken, die Ballade As-Dur op. 47 und die Große Polonaise Es-Dur op. 22. Die Aufführung findet an einem Ort statt, der als die nördlichste Konzertbühne der Welt gilt. Auf diese Weise wird die feierliche Übergabe der Archivmaterialien durch die Musik des Komponisten ergänzt, dessen Manuskripte in den arktischen Tresor gelangen werden.
Quelle: Arctic World Archive, chopin.nifc.pl
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