Ein gut gestaltetes Interieur braucht weder spektakuläre Akzente noch überflüssigen Schnickschnack, um Aufmerksamkeit zu erregen. Sein Wert offenbart sich nach und nach – in der Art und Weise, wie es die Bewohner durch den Raum führt, den Alltag strukturiert und eine bestimmte Atmosphäre schafft. Diese Philosophie findet sich in einer 93 Quadratmeter großen, zweistöckigen Wohnung im Wohnkomplex „Chronos“ im Warschauer Stadtteil Wola wieder, die vom Architekturbüro Moderna Design entworfen wurde.
Das Projekt basierte von Anfang an auf einer einzigen Prämisse: Die beiden Ebenen sollen eine Einheit bilden. Es ging nicht darum, den Wohnbereich deutlich vom privaten Bereich zu trennen, sondern eine fließende Verbindung zwischen beiden herzustellen. Deshalb ist das wichtigste Element der Wohnung weder das Wohnzimmer noch die Küche, sondern der Weg, der zwischen den Etagen verläuft.
Ein Raum, der seinen Charakter fließend verändert
Die vom Atelier Spark Craft gefertigte Treppe ist zum Mittelpunkt der gesamten Komposition geworden. Durch ihre leichte Konstruktion, die Kombination aus Holz und Metall sowie die durchbrochene Form dominieren sie den Raum nicht, sondern gliedern ihn auf subtile Weise. Sie lenken den Blick und bestimmen den natürlichen Rhythmus der Bewegung durch die Wohnung.
Eine ähnliche Funktion erfüllt der charakteristische, bogenförmige Übergang zwischen den Ebenen. Anstelle klassischer Trennwände haben die Architekten eine subtilere Lösung gewählt. Der Durchgang markiert die Grenze zwischen den Bereichen, schneidet diese jedoch nicht voneinander ab. Das Licht dringt weiterhin ungehindert zwischen den Etagen hindurch, und der Nutzer spürt intuitiv den Wechsel im Charakter des Raums – von offen und gesellig hin zu einer intimeren Atmosphäre.

Der Alltag neu gestaltet
Im Obergeschoss herrscht Ruhe. Das Schlafzimmer wurde als Ort der Entspannung konzipiert, in dem funktionale Einbauten die Innenarchitektur mitgestalten. Integrierte Beleuchtung, Holz und eine begrenzte Anzahl an Einrichtungselementen sorgen dafür, dass der Raum nicht ablenkt, sondern der Erholung förderlich ist. Dieselbe Denkweise zeigt sich auch im Badezimmer. Großformatige Fliesen der italienischen Marke Refin Ceramiche, schwarze Armaturen und vertikale Rillen schaffen ein minimalistisches Interieur mit klarem Charakter. Beleuchtete Nischen verleihen ihm Tiefe, und die Zurückhaltung bei der Gestaltung lässt die Qualität der Materialien zur Geltung kommen.
Das Erdgeschoss wurde als gemeinschaftlicher Lebensraum konzipiert. Küche, Esszimmer und Wohnzimmer gehen fließend ineinander über und schaffen so einen Ort, der sowohl den alltäglichen Aufgaben als auch dem Beisammensein förderlich ist. Im Mittelpunkt steht die Kücheninsel, die die Arbeitsfunktion mit der Rolle eines natürlichen Treffpunkts für die Hausbewohner verbindet.
Einbauten, die den Unterschied ausmachen
Obwohl der Innenraum einen äußerst aufgeräumten Eindruck macht, verbirgt er zahlreiche funktionale Lösungen. Die Einbauten verbergen geschickt die Haushaltsgeräte und bieten gleichzeitig Platz für eine Barzone mit Stauraum für Spirituosen sowie einem Weinkühlschrank. Im gesamten Apartment wurde konsequent darauf geachtet, sichtbare Gegenstände zu reduzieren, um den Raum in den Vordergrund zu rücken.
Die Designer legten großen Wert auf die Stauraumgestaltung. Dabei wurde das Potenzial von Bereichen genutzt, die oft ungenutzt bleiben – der Raum unter der Treppe, Durchgangsbereiche oder Einbauten im privaten Bereich. Dadurch bewahrt die Wohnung ihre Leichtigkeit, obwohl sie viel Stauraum bietet. Alle Einbauten sowie der Großteil der Möbel wurden von Moderna Design entworfen und von den Tischlern der Moderna Home-Manufaktur gefertigt.

Materialien, die den Charakter prägen
Der Charakter der Wohnung wird maßgeblich durch die Materialien bestimmt. Ein dominierendes Element ist natürlicher Granit mit einer beige-grau-schwarzen Maserung, der sowohl in der Küche als Arbeitsplatte und Wandverkleidung als auch im Badezimmer zum Einsatz kommt. Jedes Stück Stein weist eine einzigartige Maserung auf, wodurch der Innenraum einen individuellen Charakter erhält. Für die Umsetzung der Steinelemente war das pommersche Unternehmen Kubiak Kamieniarstwo verantwortlich. Die Strenge des Steins wird durch dunkles Holz ausgeglichen, das für Einbauten, Treppen und die Verkleidung ausgewählter Wände verwendet wurde. Ergänzt wird die Komposition durch Metallakzente und weiche Stoffe, die dem Interieur Wärme verleihen und den Wohnkomfort erhöhen.
Ein wesentliches Gestaltungselement des Projekts ist zudem das Licht. Das natürliche Licht, das durch große Fensterfronten mit Blick auf das Panorama von Warschau hereinströmt, harmoniert mit einem vielschichtigen System künstlicher Beleuchtung. Die einzelnen Lichtquellen ermöglichen es, unterschiedliche Stimmungen zu schaffen und die Texturen der Materialien hervorzuheben, wodurch sich der Raum im Laufe des Tages verändert.
Chronos zeigt, dass zeitgenössischer Luxus nicht auf spektakulären Lösungen beruhen muss. Viel wichtiger sind Konsequenz, Qualität und die Fähigkeit, zeitgemäß zu gestalten. Dieses Interieur wurde nicht geschaffen, um eine Saison lang zu beeindrucken, sondern um über viele Jahre hinweg seine Aktualität und Funktionalität zu bewahren.
Fotos: Magdalena Łojewska
Quelle: Pressematerialien
Lesen Sie auch: Warschau | Innenarchitektur | Minimalismus | Modernismus | whiteMAD auf Instagram




