2017. Fot. Panek, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

„Czarny Kot“ in Warschau. Das berühmte illegale Gebäude verschwand vor fünf Jahren

An der Kreuzung der Straßen Okopowa und Powązkowska in Warschau stand jahrelang eine Ikone der illegalen Bautätigkeit in Polen. Der sogenannte „Czarny Kot“, auch bekannt als Hotel „My Warsaw Residence“, verschwand 2021 endgültig aus dem Stadtbild der Hauptstadt. Seinem Abriss gingen fast 30 Jahre andauernde Streitigkeiten zwischen den Eigentümerinnen und der Verwaltung voraus.

„Czarny Kot“ in Warschau – der Anfang

Die Geschichte des „Czarny Kot“ begann Ende der 1980er Jahre. Auf einem Grundstück neben dem Warschauer Friedhof Powązki entstand damals ein kleiner, einstöckiger Verkaufsstand. Er diente hauptsächlich den Besuchern der Gräber. Das Schicksal der Immobilie änderte sich mit Beginn der 90er Jahre. Genau zu dieser Zeit begann ihre umfangreiche und unkontrollierte Erweiterung. An den bescheidenen Pavillon wurden schrittweise weitere Anbauten errichtet, oft ohne die erforderlichen Genehmigungen. Die Eigentümerinnen passten die Planungsunterlagen erst nach Abschluss der Arbeiten an und betrieben in dem vergrößerten Gebäude ein Hotel, trotz zunehmender Konflikte mit den Behörden.

Ein architektonisches Mosaik aus eigenmächtigen Baumaßnahmen

Mit der Zeit erreichte das Gebäude etwa 6–7 Stockwerke und eine Höhe von fast 20 m, und seine Fläche überschritt 2200 m². In dieser beachtlichen Größe war es schon von weitem sichtbar. Auch die Form selbst blieb den Passanten nicht verborgen. Ins Auge fiel vor allem die Vielfalt der Stile, sofern man sie überhaupt so bezeichnen kann. In einem Teil des Baukörpers tauchten Elemente auf, die an Burgtürme, halbrunde Erker, Mansarddächer und recht willkürliche Fassadeneinteilungen erinnerten, während in anderen Teilen kantige, massive Baukörper ohne diese „Finesse“ dominierten. Die Fassaden des „Czarny Kot“ wurden mit einer Mischung aus Materialien gestaltet, darunter glänzende Ziegel und Verzierungen von unbestimmter Funktion und Herkunft. Auch die Umgebung des Gebäudes war voller eigenwilliger Akzente. An den Eingängen standen Löwenskulpturen, es gab kitschige Säulen und sogar einen symbolischen „Graben“ mit einer Brücke darüber, was das Bild der Absurdität nur noch vervollständigte. Das Ganze sah aus wie ein Albtraum eines Architekten.

„Czarny Kot“ früher und das leere Grundstück heute. Foto: Adrian Grycuk, CC BY-SA 3.0 PL, via Wikimedia Commons und Google Maps

„Czarny Kot“ und sein Inneres

Das Innere des Gebäudes stand dem Äußeren in nichts nach. In den Räumen dominierten goldene Details, schwere Kronleuchter und Spiegel in verzierten Rahmen. Jeder von ihnen schien um die Aufmerksamkeit der Gäste zu wetteifern, indem er die Dekorationen und Imitationen luxuriöser Materialien vervielfachte. Die Eigentümerinnen stellten im Hotel Figuren von Wildtieren auf, die den Effekt der Theatralik und Übertreibung noch verstärkten. Interessanterweise hatte dieses visuelle Durcheinander seine Fans. Sie sahen darin eine Attraktion und den Ausdruck der Fantasie der Investorinnen. Die meisten Meinungen waren jedoch negativ und bezeichneten es als extremes Beispiel für ästhetisches Chaos.

Der Abriss des berühmtesten Bauverstoßes in Polen

Seit den 90er Jahren stand das „Czarny Kot“ im Konflikt mit der Bauaufsicht. Entscheidungen über den Abriss der illegalen Bauten wechselten sich ab mit Versuchen, weitere Teile zu legalisieren. Der endgültige Durchbruch erfolgte nach fast 30 Jahren Kampf im Jahr 2018. Das Oberste Verwaltungsgericht in Warschau erließ ein rechtskräftiges Urteil, das die Beseitigung der illegal angebauten Teile anordnete. Die Abrissarbeiten begannen im Dezember 2019. Bis April 2020 waren die obersten Stockwerke verschwunden, die jahrelang die berühmte Silhouette des Gebäudes geprägt hatten. Im Jahr 2021 erging ein weiteres Urteil, diesmal über die Übergabe des bereits geräumten Grundstücks an die Stadt. Es wurde daraufhin von einem Gerichtsvollzieher übernommen, womit die Geschichte des berühmtesten Bauverstoßes in Polen zu Ende ging. Heute existiert der „Czarny Kot“ nur noch in der Erinnerung der Einwohner und auf Archivfotos.

Quelle: Stadtverwaltung Warschau Wola

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