Das ehemalige Kino „Górnik“ in Wałbrzych, das früher „Capitol“ hieß, steht seit fast 30 Jahren leer. Das vor dem Krieg erbaute Gebäude gehörte einst zu den wichtigsten Orten des kulturellen Lebens in Waldenburg und wurde nach 1945 zu einem wichtigen Treffpunkt für die Einwohner von Wałbrzych. Heute ist von dem ehemaligen Kino vor allem noch die charakteristische, abgerundete Fassade erhalten. Die Stadt sucht seit Jahren vergeblich nach einem Investor, der das wertvolle modernistische Gebäude retten und den verfallenen Mauern neues Leben einhauchen könnte.
Das ehemalige Kino „Capitol“ im Geiste der deutschen Moderne
Das Kino entstand 1928 nach einem Entwurf des deutschen Architekten Ludwig Hermann Moshamer. In einigen Quellen wird das Jahr 1929 genannt, bezogen auf die Fertigstellung oder Eröffnung des Gebäudes. Für das damalige Waldenburg war dies ein sehr modernes Bauwerk. Anstelle historisierender Verzierungen setzte der Architekt auf einen schlichten, kompakten Baukörper und eine dynamisch abgerundete Fassade. Die helle Fassade mit großen Fenstern und einem stark hervorgehobenen Eingang hob das Kino deutlich von der traditionellen Bebauung vor Ort ab. Das Gebäude wurde größtenteils aus Stahlbeton errichtet. Ursprünglich trug das Gebäude den Namen „Capitol“ und wurde nach seiner Eröffnung zu einem wichtigen Ort der Unterhaltung für die Stadt und die Umgebung. Hier fanden Filmvorführungen, Konzerte, Theateraufführungen und kulturelle Veranstaltungen statt. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt das Kino den Namen „Bergarbeiter-Kulturhaus“. Es wurde zunächst mit dem Bergwerk Thorez und später mit der Wałbrzycher Bergbauindustrie in Verbindung gebracht.

Das Kino „Górnik“ in Wałbrzych – die Blütezeit
In der Zeit seiner größten Beliebtheit erfüllte das Kino zusätzliche Funktionen. Hier wurden Ballett-, Rhythmik- und Gesangsunterricht sowie Konzerte organisiert. Die Innenräume zeichneten sich vor allem durch die charakteristischen kleinen Balkone aus, die die Einwohner „Schwalben“ nannten. Für nachfolgende Generationen der Wałbrzycher wurde das Gebäude zu einem Teil des städtischen Alltags. Besonders in guter Erinnerung sind die Filmvorführungen aus den 70er- und 80er-Jahren. Im „Górnik“ wurden unter anderem „Enter the Dragon“, „Die Schlacht um Midway“, „Sexmission“, „Kingsajz“ und „Jäger des verlorenen Schatzes“. Die Beliebtheit des Kinos hielt ununterbrochen bis Anfang der 90er Jahre an. Die letzte Vorstellung fand 1992 statt, während das Gebäude 1999 endgültig stillgelegt wurde. Mit dem Niedergang des Bergbaus in Wałbrzych endete auch die Ära des „Górniczy Dom Kultury“…
Ein gescheiterter Versuch, das Denkmal zu retten
Mitte der 90er Jahre entstand die ehrgeizige Idee, das verlassene Gebäude in ein Theater umzuwandeln. Anstelle einer Modernisierung des Gebäudes kam es jedoch zu skandalösen Veränderungen in dessen Innenräumen. Der Zuschauerraum wurde abgerissen, da sein baulicher Zustand Einsturzgefahr barg. Für weitere Arbeiten fehlten die finanziellen Mittel. Infolgedessen ist vom ehemaligen Kino vor allem die wertvolle modernistische Fassade erhalten geblieben, während das Innere einen Großteil seiner Geschichte verloren hat. Das Gebäude ist im kommunalen Denkmalregister von Wałbrzych eingetragen – unter Denkmalschutz stehen unter anderem der Baukörper, die Anordnung der Fassaden, die Fenster- und Türöffnungen, die Raumaufteilung sowie architektonische Details.
Das Kino „Górnik“ in Wałbrzych als Konzertsaal
Einer der neueren und interessantesten Versuche, das verfallende „Górnik“ zu nutzen, war ein Architekturwettbewerb aus dem Jahr 2013. Die Stadt suchte damals nach einer Idee für einen neuen Sitz der Sudeten-Philharmonie. Der Entwurf sah einen großen Konzertsaal für 600 Personen, einen Kammersaal für 150 Personen sowie zusätzliche Räume für kulturelle Zwecke vor. Die Kosten des Vorhabens wurden auf etwa 90 Millionen Złoty geschätzt. Die Idee blieb jedoch nur auf dem Papier. Der Stadt gelang es nicht, die für die Umsetzung eines so großen Vorhabens erforderlichen Mittel aufzubringen.

Die Stadt sucht einen Investor für den „Górnik“
Da keine realistische Idee für die Nutzung des Denkmals vorlag, wurde die Immobilie im Jahr 2023 für 1,5 Millionen Złoty zum Verkauf angeboten, doch die Ausschreibung brachte keinen Käufer. Auch weitere Versuche konnten das Problem nicht lösen. Das Gebäude gehört weiterhin der Stadt, und seine Zukunft ist nach wie vor ungewiss. Im Jahr 2026 sicherte die Stadt die Fenster mit Platten ab, da es in dem verlassenen Gebäude zuvor zu Unfällen und Brandstiftungen gekommen war. Die Stadtverwaltung sucht nach einem privaten Investor, der die Immobilie wieder nutzbar machen und die historische Fassade retten könnte.
Das ehemalige Kino „Górnik“ in Wałbrzych – die Sanierung könnte 200 Millionen Złoty kosten
Im Dezember 2025 schätzte der Bürgermeister von Wałbrzych, Roman Szełemej, dass eine vollständige Sanierung etwa 200 Millionen Złoty verschlingen könnte. Für den städtischen Haushalt ist dies ein zu hoher Betrag. Der lokale Bebauungsplan lässt die Nutzung der Immobilie unter anderem als Kulturzentrum oder Hotel zu. Ein zukünftiger Investor muss an dieser Stelle also kein Kino wiederherstellen. Heute verbirgt sich hinter der modernistischen Fassade nicht mehr der ehemalige Kinosaal, an den sich die älteren Einwohner von Wałbrzych noch gut erinnern. Übrig geblieben sind ein Denkmal, ein leerstehendes Gebäude und ein Symbol der Industriegeschichte der Stadt, das noch immer auf seine zweite Chance wartet.
Quelle: walbrzych24.com, dziennik.walbrzych.pl
Fotos: Maciej Czarnecki – instagram.com/maciejdusiciel
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