In Chęciny, in der Woiwodschaft Heiligkreuz, entstand ein Haus, das sich nicht nur in die Landschaft einfügt, sondern einen subtilen Dialog mit ihr führt. Der Architekt Tomasz Piątek entwarf für sich selbst ein Gebäude mit einer Fläche von 118 m². Das in Skelettbauweise errichtete Gebäude ist frei von Verzierungen. Die minimalistische Form ist hier nicht nur eine ästhetische Entscheidung, sondern eine konsequent umgesetzte Idee, bei der jedes Element seine Berechtigung hat.
Das wichtigste Ziel des Projekts war die Reinheit der Form, die durch absolutes Weiß zum Ausdruck kommt. Diese beschränkt sich nicht nur auf die Fassade – auch das Dach ist weiß, was im polnischen Einfamilienhausbau eine Seltenheit ist. Um diesen Effekt zu erzielen, mussten Lösungen gefunden werden, die über das Standardangebot auf dem Markt hinausgehen. Die Dachelemente, wie z. B. die Lüftungskamine, wurden individuell lackiert, da sie in dieser Farbe nicht im Handel erhältlich sind.
Dadurch verschwindet die Grenze zwischen Wand und Dach fast vollständig. Es entsteht eine einheitliche, leuchtende Struktur, die auf das Licht reagiert: Am Morgen nimmt sie einen kühlen Farbton an, mittags wird sie fast kreidefarben und bei Sonnenuntergang färbt sie sich sanft rosa. Das Haus ist also kein statisches Objekt, sondern eine variable Oberfläche, die auf ihre Umgebung reagiert.
Entwerfen „nach außen“
Der Architekt hat sein Haus so entworfen, dass es das traditionelle Denken über die Funktionen des Innenraums auf den Kopf stellt. Jeder Raum wurde einem bestimmten Ausschnitt hinter dem Fenster zugeordnet, als wäre die Landschaft das erste und wichtigste Gestaltungsmaterial.
Ein Abstand von 12 Metern zur Waldgrenze wurde eingehalten, wodurch eine Beziehung geschaffen wurde, die auf Respekt und nicht auf Dominanz basiert. Die privaten Räume – Büro, Schlafzimmer und Badezimmer mit freistehender Badewanne – öffnen sich zur Baumseite hin. Der Blick auf die Stämme und Kronen wirkt wie ein natürlicher Filter, der beruhigend wirkt und die Regeneration und kreative Arbeit fördert.

Der Wohnbereich hingegen ist auf das Panorama des Schlosses in Chęciny ausgerichtet. Große Fensterfronten rahmen die historische Festung ein und kontrastieren ihre raue, steinerne Masse mit der modernen, weißen Form des Hauses. Dieses Zusammentreffen zweier Ordnungen – der Gegenwart und des lokalen Erbes – verleiht dem Projekt einen einzigartigen Kontext.
Roter Akzent
In diesem konsequenten Weiß gibt es ein einziges, starkes Signal: die rote Eingangstür. Sie ist keine Dekoration, sondern eine bewusste Anspielung auf die Geologie der Region. Chęciny und Umgebung sind bekannt für ihren charakteristischen roten Boden und die nahe gelegenen Hügel, darunter der Czerwona Góra (Roter Berg). Die Farbe der Tür wird so zu einem Code des Ortes, eine Erinnerung daran, dass selbst die minimalistischste Architektur Teil der lokalen Landschaft bleibt.
Dieses Farbmotiv kehrt im Innenraum zurück, wo die weißen Wände einen neutralen Hintergrund für ausdrucksstarke Möbel und Details bilden. Satte Sessel, geometrische Lampen und Akzente in Rottönen verleihen dem Raum Energie, dank der das Haus nicht zu einem sterilen Labor wird. Dieser Innenraum lebt, pulsiert mit Farbe und Licht und behält dabei seine Klarheit.
Das Projekt von Tomasz Piątek ist nicht nur ein Ort zum Leben. Es ist ein durchdachter Beobachtungspunkt. Die minimalistische Form ist hier keine Einschränkung, sondern ein Werkzeug, um das Wesentliche hervorzuheben: die Beziehung zur Umgebung. Das Haus wurde in Zusammenarbeit mit der Firma Bergmann domy szkieletowe realisiert.
Entwurf: Tomasz Piątek (PETARDA architektura)
Fotos: Tomasz Piątek
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