Dom pod Skarabeuszami

Das Haus unter den Skarabäen – ein verfallenes Warschauer Denkmal

An der Kreuzung der Straßen Puławska und Okolska in Warschau steht das „Haus unter den Skarabäen“ – eines der markantesten Gebäude des Vorkriegs-Mokotów. Seit fast 100 Jahren weckt das Anwesen mit seinen exotischen Details und seiner geheimnisvollen Symbolik das Interesse der Menschen. Die ehemalige Familienvilla von Władysław und Jadwiga Malinowski überstand den Zweiten Weltkrieg und die Umgestaltungen der Umgebung nach dem Krieg, doch heute verfällt das Denkmal vor unseren Augen.

Das Haus unter den Skarabäen – ikonischer Modernismus

Die Villa entstand in den Jahren 1932–1934 nach einem Entwurf des Architekten Adolf Ihnatowicz-Łubiański. Auftraggeber war der Ingenieur Władysław Malinowski, der zum vor dem Krieg bestehenden Kreis der Warschauer Ingenieure gehörte. Der Architekt und der Bauherr studierten an der Technischen Universität in Riga und waren in der akademischen Studentenverbindung Arkonia aktiv. Spuren dieser Symbolik sind bis heute in den Verzierungen des Gebäudes zu sehen. Am interessantesten ist natürlich das Relief, das einen riesigen Skarabäus darstellt, der von zwei Vögeln umgeben ist. Jahrelang hielt man diese für Eulen, die Wissen symbolisieren, doch heute verweisen einige Forscher auf eine Inspiration durch ägyptische Falken. Der Skarabäus selbst stand für Wiedergeburt und Fleiß. Genau dieses Detail war der Grund dafür, dass die Warschauer schon vor dem Krieg begannen, vom „Haus unter den Skarabäen“ zu sprechen.

Foto: Qkiel, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Die europäische Faszination für Ägypten

Die Form der Villa verkörpert den Geist des Modernismus und des Art déco, doch die Dekorationen verraten die Faszination des Besitzers für das alte Ägypten. In den 1920er und 1930er Jahren tauchten ähnliche Inspirationen in vielen europäischen Städten auf. Die Fantasie wurde durch die bedeutende und bahnbrechende Entdeckung des Grabes von Tutanchamun an den Nil gelenkt. In Warschau waren solche Projekte jedoch eine Seltenheit, während in Krakau das „Ägyptische Haus“ berühmt wurde, über das wir HIER berichtet haben. Das Haus der Familie Malinowski in der Puławska-Straße 101 hatte eine geometrische Form und eine recht schlichte Fassadengestaltung, die nur durch fast theatralische Details aufgelockert wurde. Auch die Innenräume verrieten die Vorliebe des Ehepaars für den dekorativen Modernismus. Bemerkenswert waren die effektvolle Treppengeländer und der Boden des Erkers mit einem siebenzackigen Stern, dem Symbol der Arkonia, das für Wissen und Wahrheit steht. Die Residenz der Malinowskis war von einem großen Garten im Parkcharakter umgeben, der heute praktisch nicht mehr existiert.

Das Haus unter den Skarabäen und sein Schicksal

Die Malinowskis verließen ihr Haus im September 1939, nur fünf Jahre nach Fertigstellung. Während der deutschen Besatzung und des Warschauer Aufstands diente die Villa als Feldlazarett. Das Gebäude selbst überstand die Wirren des Zweiten Weltkriegs in relativ gutem Zustand, was in Warschau ein großes Glück war. Der Beschuss beschädigte jedoch die ägyptischen Verzierungen der Fassade, die Geländer der Terrassen und Teile der Umzäunung. Nach 1945 wurde die ehemalige Residenz des Ingenieurs verstaatlicht, oberflächlich renoviert und anschließend in kleinere Wohnungen aufgeteilt. Mit der Zeit kamen auch Gewerbeflächen hinzu, weshalb das Erdgeschoss des Hauses umgebaut und ein Teil der Fenster und Türen neu gemauert wurde. Weitere unkontrollierte Renovierungen verwischten das ursprüngliche Dekor und den Charakter des Anwesens zunehmend. Auch der Garten hatte kein Glück. Er wurde zwischen privaten Eigentümern und der Stadt aufgeteilt, was im Laufe der Jahre die Versuche, das historische Erscheinungsbild des Anwesens wiederherzustellen, erschwerte.

Das beschädigte Haus während der Besatzungszeit. Quelle: Staatsarchiv in Warschau

Warschauer Denkmal in zunehmend schlechterem Zustand

Die mangelnde Pflege des Hauses unter den Skarabäen führte zu einer fortschreitenden Verfall der einst interessanten Architektur. Die hellen Fassaden verdunkelten sich durch Schmutz, Verzierungen lösten sich von den Wänden und fielen auf den Bürgersteig, und die eleganten Innenräume verloren nach und nach weitere originale Ausstattungselemente. Mit der Zeit wurde das verfallende Gebäude von den Bewohnern und Mietern verlassen. Im Jahr 2016 geriet es erneut in die Schlagzeilen, als ein Teil des Gesimses auf den Bürgersteig und den Radweg an der Puławska-Straße fiel. Heute erinnert das Malinowski-Haus eher an eine vergessene Residenz aus einer anderen Epoche als an ein ikonisches Denkmal des Warschauer Modernismus. Zerstörter Putz, verblindete Fenster, beschmierte Fassaden und verfallene Balustraden bilden einen traurigen Kontrast zur belebten und verkehrsreichen Puławska-Straße. Trotz dieser erschreckenden Zustände ist es gelungen, die eleganten Proportionen der Villa sowie das berühmte Skarabäus-Relief größtenteils zu erhalten.

Das Haus unter den Skarabäen – wie geht es weiter?

Im Jahr 2011 wurde das Gebäude in das Denkmalregister der Woiwodschaft Masowien aufgenommen. Unter Denkmalschutz gestellt wurden die Fassaden, die Verzierungen sowie ein Teil der historischen Innenräume. Diese Entscheidung bewahrte die Villa vor dem Abriss, schränkte jedoch gleichzeitig die Möglichkeit tiefgreifender Umbauten ohne Absprache mit der Denkmalschutzbehörde erheblich ein. In den Warschauer Medien tauchen seit vielen Jahren Ankündigungen einer Renovierung und der Wiederherstellung der verlorenen Verzierungen auf. Das Problem sind hier jedoch vor allem die hohen Kosten der Arbeiten, Eigentumsfragen sowie der schlechte bauliche Zustand des Objekts. Alejandro Carsona schrieb, dass Bäume im Stehen sterben. Warschauer Denkmäler auch.

Dom pod Skarabeuszami
Foto: Qkiel, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Quelle: warszawa1939.pl, polska-org.pl

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Die Villa im Jahr 1936 und 2026. Quelle: Staatsarchiv in Warschau und Google Maps

Die Villa im Jahr 1936 und 2026. Quelle: Staatsarchiv in Warschau und Google Maps

Die Rückseite der Villa im Jahr 1938 und heute. Quelle: Festung°/polska-org.pl