Das Heiligtum eines großen Künstlers: Tchorks Atelier in Warschau

Im Jahr 2021 wurde das komplette Atelier des berühmten Künstlers Karol Tchorek in den Bestand der Stadt Warschau aufgenommen. Die reichhaltige Sammlung umfasste Skulpturen, Archivmaterialien und die Einrichtung seines Nachkriegs-Ateliers. Dank der großzügigen Entscheidung der Schwiegertochter des Bildhauers konnte dieses unschätzbare Erbe in nahezu unveränderter Form erhalten werden.

Tchorks Atelier in Warschau

Am 5. Juli 2021 übergab Katharine Bentall, Schwiegertochter von Karol Tchorek und Verwalterin seines Nachlasses, die Sammlung an die Stadt Warschau. Die Schenkung umfasste Skulpturen, Zeichnungen, Entwürfe, Fotografien und umfangreiche Unterlagen sowie Einrichtungsgegenstände aus dem Atelier, das nach dem Krieg in einem Nebengebäude der Smolna-Straße eingerichtet worden war. Vor dem Abschluss des Vertrags führte das Büro des Denkmalschutzbeauftragten der Hauptstadt eine detaillierte Bestandsaufnahme der Objekte durch, die über Jahre hinweg unter der sorgfältigen Obhut der Spenderin standen. Von besonderem Wert war die in das Denkmalregister eingetragene Sammlung von Skulpturen und Zeichnungen, ergänzt durch eine vom Künstler zusammengestellte Sammlung volkstümlicher Kunst.

Karol Tchorek. Werk und Biografie

Karol Tchorek wurde 1904 in Serock geboren. Er gehörte zu einer Gruppe von Bildhauern, die nach dem Zweiten Weltkrieg die neue künstlerische Landschaft Warschaus mitgestalteten. Die größte Bekanntheit erlangte er durch seine Gedenktafeln, die an Orte von Straßenhinrichtungen während der Besatzungszeit erinnern, seit 1949 entworfen wurden und in den folgenden Jahren in der Stadtlandschaft aufgestellt wurden. Mehr über die Gedenktafeln haben wir HIER geschrieben. Parallel dazu schuf der Künstler Denkmäler, kleine Skulpturen und Grabsteine. In seinem Atelier in der Smolna-Straße entstanden unter anderem „Macierzyństwo” (Mutterschaft), der Grabstein für Władysław Strzemiński und die Komposition „Warszawska Jesień” (Warschauer Herbst). Das kleine Atelier war ein Ort intensiver Arbeit und ein Umfeld des Gedankenaustauschs für Künstler mehrerer Generationen. Nach Tchorks Tod im Jahr 1985 übernahm seine Familie die Pflege seines Nachlasses. Der Bildhauer wurde auf dem Powązki-Friedhof beigesetzt.

pracownia Tchorka

Tchoreks Atelier in der Smolna-Straße – Kontinuität des Ortes

Tchorek schuf sein Atelier im Stadtzentrum Anfang der 1950er Jahre, indem er es aus Elementen eines abgerissenen Nebengebäudes in der Smolna-Straße 36 errichtete. Seine beiden vorherigen Arbeitsstätten wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört. Die Innenräume des neuen Ateliers wurden vom Künstler selbst entworfen und gestaltet und wurden im Laufe der Jahre zum Aushängeschild seiner Bildhauerwerkstatt. Über Jahrzehnte hinweg entwickelte sich dort seine künstlerische Tätigkeit, bereichert durch die Anwesenheit weiterer Künstler, die mit Karol Tchorek verbunden waren. Im Atelier wurde auch das Erbe seines Sohnes Mariusz, Kunstkritiker, Übersetzer und Psychotherapeut, bewahrt. Dank seiner Bemühungen und der Unterstützung von Zofia Tchorek wurde das Interieur 1985 unter Denkmalschutz gestellt.

Warschauer Historisches Künstleratelier

Nach dem Tod von Mariusz Tchorek übernahm Katharine Bentall die Leitung des Ateliers. Sie gründete die Tchorek-Bentall-Stiftung und initiierte ein Programm mit künstlerischen und wissenschaftlichen Aktivitäten, die sich mit der Geschichte Warschaus und den Orten der Erinnerung befassen. Im Jahr 2014 gehörte das Atelier zu den ersten Räumen, die in das Programm der Warschauer Historischen Künstlerateliers aufgenommen wurden, das ins Leben gerufen wurde, um solche Orte vor der Schließung und der Zerstreuung der Sammlungen zu schützen. Seit 2022 wird es vom Museum Warschau betreut, das den restaurierten Ort der Öffentlichkeit zugänglich macht.

Quelle:Mazowiecki Wojewódzki Konserwator Zabytków(Denkmalschutzbehörde der Woiwodschaft Masowien)

Fotos: WUOZ in Warschau

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