Das Johannes-Hevelius-Observatorium war eines der am besten erkennbaren Elemente der alten Gebäude in der Korzenna-Straße in Danzig. Sie wurde auf den Dächern von drei Häusern des Astronomen errichtet und zog viele Jahre lang die Aufmerksamkeit von Wissenschaftlern und Monarchen auf sich. Die Gebäude wurden während des Zweiten Weltkriegs schwer beschädigt und in den 1950er Jahren vollständig abgetragen. Über einen möglichen Wiederaufbau wird schon seit langem diskutiert, doch ist noch keine Entscheidung gefallen.
Leben und Werk von Johannes Hevelius
Johannes Hevelius wurde 1611 in Danzig in einer Familie von Bierbrauern geboren. Er wurde am städtischen Gymnasium und auf seinen Reisen durch Europa ausgebildet. Nach seiner Rückkehr leitete er eine Brauerei und war in der Stadtverwaltung tätig. Den größten Teil seines Lebens widmete er der Astronomie. Berühmt wurde er durch seine Karten des Mondes, seinen Sternenkatalog und die Einführung neuer Sternbilder. Er konstruierte seine eigenen Instrumente und langen Teleskope. Er unterhielt Kontakte zu Gelehrten aus vielen Ländern, so dass seine Arbeit eine bedeutende Rolle bei der Entwicklung der Astronomie des 17. Jahrhunderts spielte.

Hevelius‘ Sternwarte in Danzig
Jan Hevelius verschaffte sich durch Brauen die Mittel, um ein privates astronomisches Labor einzurichten. Auf den Dächern von drei Mietshäusern in der Korzenna-Straße errichtete er Terrassen mit Messinstrumenten und Teleskopen von beeindruckender Größe. Mit der Zeit erweiterte er es um zusätzliche Pavillons und einen hohen Turm, der das größte Fernrohr trug. Die Sternwarte war viele Jahre lang in Betrieb und erlangte unter den europäischen Wissenschaftlern ein hohes Ansehen. Nach einem Brand im Jahr 1679 wurden die Forschungsarbeiten eingestellt, doch nach dem Wiederaufbau nahm Hevelius die Beobachtungen wieder auf. Nach seinem Tod verschwanden die Geräte mit der Zeit. In der Folgezeit wurden mehrere Häuser umgebaut, und gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurden die letzten Elemente des ehemaligen Labors abgebaut.
Mietshäuser in der Korzenna-Straße
Die Wohnhäuser des Astronomen wurden während des Zweiten Weltkriegs schwer beschädigt. Nur das Erdgeschoss und eine Wand mit der Jahreszahl 1647 blieben erhalten. In den ersten Nachkriegsjahren wurden die Ruinen als Objekt von großem historischem Wert anerkannt und mit einer Denkmalschutzplakette geschützt. Ende der 1950er Jahre setzte sich jedoch das Konzept einer neuen, zeitgemäßen Entwicklung der Altstadt durch und die Reste der ehemaligen Häuser wurden nach und nach abgetragen. Im Jahr 1953 wurden die Ruinen vollständig abgerissen. Diese Entscheidung stieß bei einem Teil der wissenschaftlichen Gemeinschaft auf Widerstand. In der Presse gab es damals scharfe Kommentare über den Umgang mit dem Erbe. Es wurden Forderungen laut, die Verantwortlichen für die Beseitigung der letzten Fragmente der historischen Wohnhäuser zu ermitteln. Die Diskussion war jedoch nur von kurzer Dauer, denn schon bald wurde das Thema in den Medien wieder stärker beachtet und verschwand aus der öffentlichen Debatte.

Streit um die Rekonstruktion von Hevelius‘ Observatorium
Noch in den 1950er Jahren wurden Versuche unternommen, den Wiederaufbau der Hevelius-Häuser in die städtebaulichen Pläne für das wiederaufgebaute Danzig aufzunehmen. Es wurde vorgeschlagen, sie etwas näher an den Fluss Radunia zu verlegen und die Beobachtungsterrasse in ihrer ursprünglichen Ausrichtung zu rekonstruieren. Es wurde darauf hingewiesen, dass die leere Fläche in der Nähe des Alten Rathauses noch eine Chance für ein solches Projekt bot. Die Idee fand jedoch weder bei den Beamten noch bei den für den Wiederaufbau der Stadt verantwortlichen Entscheidungsträgern genügend Unterstützung. Der Bebauungsplan aus den 1990er Jahren sieht zwar die Möglichkeit vor, in dem Gebiet Dienstleistungsgebäude zu errichten, schreibt aber keine Form vor, die sich auf die historischen Häuser bezieht. Der Wiederaufbau der Häuser mit dem Hevelius-Observatorium bleibt eine offene Frage.
Das Andenken an Johan Hevelius
In Danzig wurden zahlreiche Veranstaltungen zum Gedenken an Hevelius organisiert. Anlässlich des 300. Jahrestages seines Todes gab es wissenschaftliche Konferenzen und gelegentlich auch Ausstellungen. An der Ecke der Korzenna- und der Heveliusstraße wurde eine Gedenktafel angebracht, die an die ehemaligen Häuser und die Sternwarte erinnert. Es mangelt jedoch an Initiativen zur Wiederherstellung ihrer materiellen Form. Es gibt verschiedene Theorien darüber, wo genau sich das Laboratorium des Astronomen befand. Manche verbinden es mit anderen Gebäuden in der Hauptstadt. Die Geschichte der Mietskasernen in der Korzenna-Straße ist auf jeden Fall ein schmerzlicher Teil des verlorenen Erbes von Danzig, wo sich die berühmte Hevelius-Sternwarte befand. Heute stehen an ihrer Stelle Wohnblocks.
Quelle: gdansk.pl
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