Start54, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Das Hotel Sudety in Wałbrzych – unerwünschter Modernismus

Das Hotel Sudety in Wałbrzych war einst ein Symbol für die großen Entwicklungsambitionen dieser Bergbau- und Industriestadt und galt bei seiner Eröffnung im Jahr 1971 als die größte Beherbergungseinrichtung in Niederschlesien. Heute steht der modernistische Koloss zwar verlassen da, zieht aber nach wie vor die Aufmerksamkeit von Architektur- und Stadtgeschichtsliebhabern auf sich. Seine Silhouette ist bereits fest in das Stadtbild von Wałbrzych eingeprägt.

Das größte Hotel der Region und Aushängeschild von Wałbrzych

Um die Wende der 1960er- und 1970er-Jahre erlebte Wałbrzych eine Phase außerordentlich intensiver Entwicklung, die durch den Steinkohlebergbau vorangetrieben wurde. Die wachsende Zahl an Einwohnern und Besuchern führte dazu, dass der Bau eines neuen Hotels mit hohem Standard beschlossen wurde. Als Standort wurde ein Grundstück an der Parkowa-Straße 15 auf dem Gelände des ehemaligen Kurorts Stary Zdrój, unweit des Bahnhofs Wałbrzych Miasto, ausgewählt. Die Investition belief sich auf fast 41 Millionen Złoty, was Anfang der 70er Jahre eine sehr beeindruckende Summe war. Die feierliche Eröffnung des Hotels „Sudety“ fand am 16. März 1971 in Anwesenheit von Kazimierz Górka, dem Sekretär des Stadtkomitees der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei (PZPR), und Józef Florczak, dem Vorsitzenden des Präsidiums des Stadtnationalrats, statt. Anfangs firmierte das Haus als „Sudety“-Stadthotel, und gegen Ende seines Bestehens, also Anfang der 2000er Jahre, trug es den Namen Glassmont-Sudety.

Das Hotel Sudety in Wałbrzych – Komfort auf hohem Niveau

Zum Zeitpunkt der Eröffnung war es das größte Hotel in Niederschlesien. Das elfstöckige Gebäude bot erstklassige Unterkünfte für etwa 340 Personen. Darunter befanden sich 218 Einzelzimmer, 60 Doppelzimmer sowie vier Suiten. Der Ausstattungsstandard war für damalige Verhältnisse hoch. Jedes Zimmer verfügte über ein Telefon, ein Radio, einen Schreibtisch und ein Badezimmer, während die Suiten zusätzlich mit Fernsehern ausgestattet waren. Den Gästen standen ein Restaurant, ein Café, ein Pewex-Laden, eine Wäscherei, ein Kiosk, eine Wechselstube, eine PKO-Filiale sowie Friseursalons zur Verfügung. Im Hotel übernachteten ausländische Touristen, Teilnehmer des Friedensrennens sowie bekannte Persönlichkeiten aus Kultur und Sport, darunter Zbigniew Wodecki, Urszula Sipińska, Piotr Fronczewski, Roman Wilhelmi, Bogusz Bilewski, Krystyna Loska sowie die Musiker der Band Lady Pank.

Hotel Sudety w Wałbrzychu
Das Hotel Sudety früher und heute. Quelle: ragnar°/polska-org.pl und Google Maps

Das Schicksal des Hotels nach dem politischen Umbruch

Der Betrieb des Hotels Sudety blühte bis 1989. Damals änderte sich die Lage in Wałbrzych schlagartig. Die Schließung von Bergwerken und zahlreichen Industriebetrieben führte zu einem Rückgang der Einwohnerzahl und einem geringeren Interesse an den umfangreichen Beherbergungskapazitäten. Das Hotel erhielt drei Sterne, doch im Laufe der Jahre wurde es immer schwieriger, den Betrieb unter den neuen marktwirtschaftlichen Bedingungen aufrechtzuerhalten. Schließlich stellte das Hotel im Jahr 2004 seinen 33-jährigen Betrieb ein. Grund dafür war die Nichteinhaltung der geltenden Brandschutzvorschriften; zudem ging die Betreibergesellschaft des Hotels in Konkurs. Seitdem steht das Gebäude größtenteils ungenutzt und befindet sich im Privatbesitz eines Unternehmers aus Sosnowiec. Aufgrund seiner beeindruckenden Größe dient es heute hauptsächlich als Träger für verschiedene Arten von Antennen.

Das Hotel Sudety in Wałbrzych: unerwünschte spätmodernistische Architektur

Das Hotel Sudety wurde von einem heute namentlich unbekannten Architekten entworfen. Die Fassaden des spätmodernistischen Quaderbaus mit Stahlbetonkonstruktion werden deutlich durch die horizontalen Streifen breiter Fenster und die darunter liegenden Keramikverzierungen sowie durch den hellen Putz akzentuiert. Das wichtigste und charakteristischste Motiv des Gebäudes sind die umgekehrten Arkaden, die entlang der Fassade zur Parkowa-Straße verlaufen. Diese interessanten Elemente schützten den Eingang und das vor dem Hauptbaukörper hervorstehende Restaurant vor Regen und Schnee. Das Hotel Sudety wurde früher von beeindruckend großen Leuchtreklamen beleuchtet. Diese waren auf dem Dach, an den Betonarkaden sowie an den Wänden des Cafés angebracht. Die Innenräume des Gebäudes zierten Polychromien, Steinverkleidungen und für die Ästhetik der 70er Jahre typische Dekorationen. Hinter dem Gebäude sprudelte ein Springbrunnen, in dessen Umgebung die Skulpturen „Sputnik“ von Andrzej Szeles und „Doppelkomposition“ von Kazimierz Żywuszka aufgestellt waren. Heute thront das verlassene Hotel Sudety weiterhin über der Stadt. Es ist jedoch kein Symbol mehr für Blüte und Luxus der Extraklasse. Es ragt träge aus dem Panorama von Wałbrzych empor und wartet auf ein neues Kapitel seiner Geschichte.

Quelle: wroclaw.tvp.pl, kspieniny.pl

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