Centrum Hořec

Das hundertjährige Hotel neu erfunden. Darin entstand das Hořec-Zentrum.

Malá Úpa gehört zu den malerischsten Orten im tschechischen Riesengebirge. Inmitten dieser bezaubernden Naturlandschaft und umgeben von traditioneller Riesengebirgsarchitektur hat das ehemalige Hotel Hořec eine Metamorphose durchlaufen. Das vom Architekturbüro ADR projekt realisierte Investitionsvorhaben hat diesem hundertjährigen historischen Gebäude eine neue Funktion verliehen und es in das Centrum Hořec verwandelt – ein ganzjährig geöffnetes Zentrum für soziale, kulturelle und Freizeitaktivitäten.

Der Bergort Malá Úpa

Der Ort Malá Úpa erstreckt sich entlang der Kämme des Riesengebirges und unweit der Schneekoppe, dem höchsten Gipfel Tschechiens (die Grenze zwischen Polen und Tschechien verläuft über den Gipfel der Schneekoppe, weshalb der Berg in beiden Ländern liegt). Der attraktiv gelegene Ort zieht seit Jahren zu jeder Jahreszeit Touristen an und bewahrt dabei seine intime, fast alpine Atmosphäre. Einer der wichtigsten Teile des Dorfes ist sein oberer Bereich – genau dort entstand das Centrum Hořec. Das Studio ADR realisiert hier in Zusammenarbeit mit dem Team des Skizentrums SKIMU seit Jahrzehnten Projekte, deren größtes Ziel es ist, die lokale Landschaft und Bautradition zu respektieren.

Das Hotel vor der Modernisierung. Foto: Horský hotel Hořec/facebook

Das hundertjährige Hotel Hořec

Das Hotel Hořec wurde 1928 erbaut. Fast hundert Jahre lang diente es als Beherbergungsbetrieb, doch mit der Zeit wurde es notwendig, ihm eine neue Bestimmung zu geben. Im Laufe der Jahrzehnte verlor das Gebäude seinen früheren Charme, seine architektonischen Vorzüge verblassten und die Innenräume waren nicht mehr funktional und entsprachen nicht mehr den aktuellen Standards. Daher wurde beschlossen, die notwendigen Änderungen vorzunehmen. Während der Vorbereitungen für die Modernisierung wurde über einen Abriss oder einen vollständigen Umbau nachgedacht. Letztendlich entschied man sich jedoch für eine Lösung, bei der die ursprüngliche Form des Hotels erhalten blieb und durch neue Betonanbauten ergänzt wurde. Dadurch erhielt das Gebäude eine neue Form, die die wertvollsten Merkmale der Architektur, die sich an der lokalen Blockbauweise orientiert, hervorhebt und gleichzeitig den Bedürfnissen der lokalen Gemeinschaft von Malá Úpa entspricht.

Das Hořec-Zentrum und seine Funktionen

Die Anpassung des fast hundertjährigen Gebäudes an die heutigen Standards war mit zahlreichen, vor allem technischen Herausforderungen verbunden. Die Arbeiten umfassten den Austausch des Daches, der Fassade, der Fenster und Türen sowie eine vollständige Neugestaltung der Innenräume. Die ehemalige Anordnung, die auf kleinen, geschlossenen Räumen basierte, wurde durch offene und flexiblere Räume ersetzt. Derzeit beherbergt das Gebäude einen Sportgeräteverleih, ein Café, ein Geschäft, einen Kinosaal, Ausstellungsräume und Mietwohnungen im Dachgeschoss.

Überraschung während der Renovierung

Während der Arbeiten gab es einige Überraschungen. Dabei gelang eine sehr unerwartete Entdeckung, die den endgültigen Entwurf maßgeblich beeinflusste. Nach dem Entfernen der sekundären Verkleidungsschichten im zweiten und dritten Stock wurde sichtbar, dass die Wände des Hotels in traditioneller Blockbauweise errichtet worden waren. Solch aufwendige Holzkonstruktionen sind in diesem Teil des Riesengebirges eine Seltenheit, weshalb die Architekten beschlossen, sie zur Geltung zu bringen. Genau auf diesen Etagen wurden Ausstellungsräume entworfen, die die Kunstfertigkeit des alten Handwerks unterstreichen. Auf den obersten Etagen, die für Wohnungen vorgesehen sind, wurde ein sehr stimmungsvoller Dachstuhl freigelegt, während in den unteren, gemauerten Teilen Originalziegel und -steine mit neuen Betonelementen kombiniert wurden.

Bergarchitektur für Menschen

Die Lage des Gebäudes auf abschüssigem Gelände und die rauen Wetterbedingungen erforderten besondere Aufmerksamkeit bei der Gestaltung der einzelnen Details des Hořec-Zentrums. Besondere Aufmerksamkeit wurde den Eingängen zum Gebäude gewidmet. Sie wurden durch entsprechend geformte Betonvorbauten vor herabfallendem Schnee geschützt. Diese Lösung erhöhte die Funktionalität des Gebäudes und gewährleistet einen sicheren Zugang auch bei starken Schneefällen.

Centrum Hořec

Hořec-Zentrum – Materialien und öffentlicher Raum

Die Fassaden des modernisierten Gebäudes wurden mit unbehandeltem Lärchenholz verkleidet, das hauptsächlich von regionalen Lieferanten bezogen wurde. Dieses Material knüpft an die lokale Bautradition an und dunkelt mit der Zeit auf natürliche Weise nach, wodurch es sich harmonisch in die bergige Umgebung und die benachbarten Gebäude einfügt. Vor dem Gebäude wurde ein neuer Platz mit befestigter Oberfläche und Sitzgelegenheiten entworfen, der Begegnungen und alltägliche Aktivitäten der Bewohner fördert.

Das Hořec-Zentrum als neuer Bezugspunkt für das Dorf


In einem so stark auf den Tourismus ausgerichteten Ort dient das neue Hořec-Zentrum in erster Linie als Raum für die lokale Gemeinschaft. Das renovierte Gebäude ist zu einem wichtigen Ort der Integration geworden, der die Identität des Bergdorfes Malá Úpa stärkt und ihm eine dauerhafte, zeitgemäße architektonische Form verleiht, die in der schönen Landschaft der Region verwurzelt ist.

Entwurf: ADR – Aleš Lapka, Petr Kolář
Fotos: BoysPlayNice

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Das Gebäude im Jahr 2011 und 2025. Foto: Google Maps

Das Hotel Hořec im Jahr 2016 und das Gebäude nach dem Umbau. Foto: Horský hotel Hořec/Facebook und BoysPlayNice