fot. FS&P ARCUS

Das ist das Ende von Intraco. Der Investor hat die Genehmigung zum Abriss erhalten.

Die polnische Immobilienholding hat die Genehmigung zum Abriss des Intraco-Hochhauses erhalten, das seit einem halben Jahrhundert den nördlichen Teil der Hauptstadt dominiert. Diese Entscheidung bedeutet das endgültige Ende der Geschichte dieses Gebäudes und ebnet den Weg für den Bau eines neuen Bürogebäudes, das nach den aktuellen technologischen und ökologischen Standards entworfen wurde. Die Ankündigung des Investitionsvorhabens stößt auf großes Interesse in der Branche und löst deutliche Reaktionen in der Bevölkerung aus, da Intraco für viele Warschauer ein wichtiger und untrennbarer Bestandteil des Stadtbildes bleibt.

Fünf Jahrzehnte Intraco

Der Intraco-Wolkenkratzer feierte im vergangenen Jahr sein 50-jähriges Bestehen. Nach Einschätzung des Investors ist dies ein Alter, das im Falle eines hohen Bürogebäudes zunehmende Probleme mit sich bringt. Die in der Vergangenheit durchgeführten Arbeiten zur Modernisierung des Gebäudes haben es nicht ermöglicht, die heute vom Markt geforderten Parameter zu erreichen, insbesondere in Bezug auf Installationen, Sicherheit und Energieeffizienz. Für PHN, das unter kommerziellen Bedingungen tätig ist, sind die Qualität der angebotenen Fläche und die Möglichkeit der weiteren Entwicklung des Immobilienportfolios von entscheidender Bedeutung. In diesem Zusammenhang wurde der Abriss als eine rationalere Lösung angesehen als eine weitere kostspielige Modernisierung.

Der Bau von Intraco im Nachkriegs-Warschau

Intraco I entstand in den Jahren 1973-1975 im fast vollständig zerstörten Stadtteil Muranów, an der Kreuzung der Straßen Stawki und Andersa. Mit der Umsetzung wurde das schwedische Unternehmen BPA Byggproduktion AB beauftragt, das im Auftrag des Außenhandelsunternehmens „Intraco” tätig war. Das Gebäude war für ausländische technische und Handelsvertretungen vorgesehen, was in den 1970er Jahren von großer Bedeutung war. Für kurze Zeit war es das höchste Bürogebäude in der Hauptstadt und einer der wenigen Orte, an denen Dutzende von Unternehmen aus dem Ausland tätig waren.

Intraco im Jahr 1975. Quelle: NAC – Nationales Digitalarchiv

Architektur des Spätmodernismus

Der Entwurf stammte von Peter Diebitsch, und die vorgeschlagene Form passte zum Stil der Spätmoderne. Der kompakte, prismatische Baukörper und die Fassade aus dunkelgrünem Glas hoben das Gebäude von den damaligen Gebäuden in Muranów ab. Die ursprüngliche Keramikverkleidung wurde 1998 durch eine neue ersetzt, nachdem das frühere Material stark abgenutzt war. Der 138 Meter hohe Turm mit 39 Stockwerken bot rund 31.500 m² Bürofläche. Im Inneren befanden sich Restaurants, eine Bar, Konferenzräume, Dienstleistungsbetriebe und eine Tiefgarage für 200 Autos.

PHN und die Entscheidung zum Abriss

Im Sommer letzten Jahres kündigte PHN öffentlich die Absicht an, Intraco abzureißen, und die nun erteilte Genehmigung besiegelt die Umsetzung des Plans. Der Investor betont, dass der Entscheidung verschiedene Analysen vorausgingen. Gleichzeitig löste die Ankündigung des Abrisses Widerstand bei einem Teil der Einwohner und bei Kreisen aus, die sich für den Schutz der Architektur der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts einsetzen. Für viele Menschen ist dieses Gebäude ein Symbol für eine bestimmte Entwicklungsphase der Stadt, was dem gesamten Projekt eine Dimension verleiht, die über rein marktwirtschaftliche Aspekte hinausgeht.

Foto: Radek Kołakowski aus Warschau, Polen, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Das neue Bürogebäude von Intraco

Das neue Gebäude soll den aktuellen Herausforderungen in Bezug auf Energieeffizienz und Nutzungskomfort gerecht werden. PHN kündigt den Einsatz umweltfreundlicher Lösungen an, darunter in die Fassade integrierte Photovoltaikmodule, Energierückgewinnungssysteme, eine umfangreiche Fahrradinfrastruktur und uneingeschränkte Barrierefreiheit für Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Das Projekt wird gemäß der EU-Umwelttaxonomie durchgeführt und soll die höchsten Zertifizierungsstufen wie BREEAM, WELL, WiredScore, SmartScore und Access4You erreichen. Bei der Auswahl des Abbruchunternehmens sollen die Erfahrung und die Minimierung der Belästigung für die Umgebung berücksichtigt werden.

Fortsetzung der Idee in neuem Maßstab


Der architektonische Entwurf für das neue Intraco stammt vom Architekturbüro FS&P ARCUS unter der Leitung von Mariusz Ścisły. Der geplante Turm wird eine Höhe von 107 Metern erreichen und 23 Stockwerke umfassen. Die geringere Anzahl von Stockwerken wird die Belichtung der Innenräume und die Arbeitsbedingungen verbessern. Die Form des Gebäudes soll an die ursprüngliche Idee von Intraco anknüpfen und die Nachbarschaft ergänzen, darunter das kürzlich fertiggestellte Bürogebäude Intraco Prime. Der Beginn der Abrissarbeiten ist für Ende des ersten bzw. Anfang des zweiten Quartals 2026 geplant. Wenn alles nach Plan verläuft, werden die Mieter 2030 in das neue Intraco einziehen.

Foto: FS\&P ARCUS

AKTUALISIERUNG

Am 7. Januar 2026 ging beim Wojewódzki Urząd Ochrony Zabytków (Woiwodschaftsamt für Denkmalschutz) in Warschau ein Antrag auf Eintragung des Intraco in das Denkmalregister ein. Das Dokument, das im Namen der Einwohner von Muranów vom Verein „Obrońcy Zabytków Warszawy” (Verteidiger der Denkmäler Warschaus) eingereicht wurde, verweist auf die architektonischen und städtebaulichen Vorzüge des Gebäudes und auf die schwerwiegenden negativen Auswirkungen auf das Image dieses Stadtteils, die sein Abriss mit sich bringen würde. Die Verfasser des Antrags stellen die wirtschaftlichen und technischen Argumente des Eigentümers, darunter auch diejenigen zur Klimatisierung, in Frage und verweisen auf Beispiele ähnlicher Hochhäuser in den Vereinigten Staaten, die ihre ursprüngliche Form bewahrt haben, wie beispielsweise der John Hancock Tower in Boston. Nach Ansicht der Antragsteller könnte Intraco erhalten und einer gründlichen Modernisierung unterzogen werden, anstatt aus dem Stadtbild zu verschwinden. Auch die Zeitung „Rzeczpospolita” hat sich für diese Angelegenheit interessiert. Wichtig ist, dass gemäß Artikel 10a des Denkmalschutzgesetzes vom Zeitpunkt der Einleitung des Verfahrens bis zur endgültigen Entscheidung des Denkmalschutzbeauftragten ein Verbot von Bauarbeiten und Maßnahmen gilt, die das Aussehen des Objekts verändern könnten. Das bedeutet, dass der Abriss nicht durchgeführt werden darf, bis der Antrag geprüft wurde.

Wird es gelingen, Intraco zu retten? Wir werden das Thema weiterverfolgen und über den Fortgang der Angelegenheit berichten.

Quelle: Materialien des Investors, propertydesign.pl

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Intraco heute und neues Projekt. Foto: Google Maps und FS\&P ARCUS