Das ist das italienische MSN. Die Galerie GAM in Turin wird nach einem Entwurf von MVRDV umgebaut.

MVRDV hat gemeinsam mit Balance Architettura den Entwurf für die Sanierung der Galerie für zeitgenössische Kunst GAM in Turin vorgestellt – eines der bedeutendsten Museen für moderne Kunst in Italien. Das Konzept, das im Dezember 2025 im Rahmen eines öffentlichen Wettbewerbs ausgewählt wurde, verleiht dem Gebäude aus dem Jahr 1959 wieder Klarheit und führt gleichzeitig Lösungen ein, die für zeitgenössische Institutionen charakteristisch sind: offene Lagerräume, ein flexibles Ausstellungssystem sowie Räume, die auf die aktive Beteiligung des Publikums ausgelegt sind.

Das GAM Turin, entworfen von Carlo Bassi und Goffredo Boschetti und 1959 erbaut, war von Anfang an ein Beispiel für modernes Denken in der Museumsarchitektur. Der Hauptbau wurde diagonal zum Stadtviertel ausgerichtet, was den ganzen Tag über eine gleichmäßige Belichtung gewährleistete. Die Innenräume basierten auf einem offenen Grundriss, der eine flexible Gestaltung der Ausstellungen ermöglichte. Im Laufe der Jahre wurde die ursprüngliche Transparenz jedoch beeinträchtigt – aufeinanderfolgende Eingriffe, die sich aus Sicherheitsanforderungen und musealen Standards ergaben, führten zur Schließung der Gärten, zur Verdeckung der Oberlichter, zum Einbau von externen Fluchttreppen sowie zur Aufteilung des Raums in kleinere, weniger übersichtliche Bereiche.

Rückkehr zur ursprünglichen Idee des Gebäudes

Der Entwurf von MVRDV und Balance Architettura macht viele dieser Veränderungen rückgängig und stellt die ursprüngliche Konzeption von Bassi und Boschetti wieder her. Die Oberlichter werden wieder geöffnet, und die meisten inneren Trennwände verschwinden, wodurch die Galerien ihre Helligkeit und Weite zurückgewinnen. Die äußeren Fluchttreppenhäuser werden durch ein neues inneres Treppenhaus ersetzt, das als Spiegelbild der ursprünglichen Treppen im Etagenlayout konzipiert ist.

In den neu gestalteten, offenen Räumen wird ein Raster aus Stahlträgern entstehen, die zwischen den Stützpfeilern gespannt sind. Es ermöglicht die Aufhängung von Ausstellungswänden, Vorhängen und Ausstellungsmodulen, wodurch das Museumsteam die Anordnung der Galerien schnell und flexibel gestalten kann. Diese Lösung gibt dem Gebäude seine frühere Flexibilität zurück und wird gleichzeitig den heutigen kuratorischen Anforderungen gerecht.

Neuer öffentlicher Rundgang

Die größte Veränderung betrifft das Erdgeschoss und das Untergeschoss. Das Untergeschoss wird in einen Bereich mit offenen Lagerräumen umgewandelt, sodass die Besucher die gesamte Sammlung sowie die hinter den Kulissen liegenden Bereiche der Institution einsehen können. Mit diesem Ansatz reiht sich das GAM Torino in den internationalen Trend ein, dass Museen ihre Sammlungen in vollem Umfang zugänglich machen – ähnlich wie das Depot Boijmans Van Beuningen in Rotterdam oder das V&A East Storehouse in London.

So sieht das Galeriegebäude vor dem Umbau aus:

Foto: CAIUS, wikimedia.org, Lizenz: CC BY-SA 4.0

Über den Lagerräumen entsteht ein breiter, diagonaler Weg, der das Museumsgelände durchquert und unter dem Hauptgebäude der Galerie verläuft. Große Verglasungen lassen Tageslicht herein und ermöglichen einen Blick in den unterirdischen Raum, während die beleuchteten Lagerräume nachts eine charakteristische Lichtlinie bilden. Der neue Weg wird gleichzeitig als öffentlicher Platz dienen – ein Ort für Veranstaltungen, Begegnungen und Aktivitäten. Wichtig ist, dass der diagonale Durchgang zur kürzesten Verbindung zwischen dem Zentrum von Turin und der Polytechnischen Universität Turin sowie den Ausstellungsräumen von OGR Torino wird und so die Rolle des Museums im Stadtleben stärkt.

Dialog zwischen Vergangenheit und Zukunft

„In vielerlei Hinsicht knüpft unser Projekt an die Ideen und den Optimismus an, die vor 70 Jahren bei der Entstehung des Gebäudes eine Rolle spielten“, sagt Winy Maas, Mitbegründer von MVRDV. „Wir wollen diese heute geschlossene Struktur auflösen und öffnen. Das ist ein Dialog zwischen Vergangenheit und Zukunft. Ich hoffe, wenn Carlo Bassi und Goffredo Boschetti unseren Entwurf sehen könnten, wären sie beeindruckt davon, wie moderne Technologien und Materialien es ermöglichen, ihre Konzepte weiterzuentwickeln, als dies in den 1950er Jahren möglich war.“

Die Innenräume werden mit Originalmöbeln ausgestattet – sowohl mit restaurierten Stücken, die bisher in der Galerie verwendet wurden, als auch mit solchen, die jahrelang in Lagerräumen lagen. Diese Maßnahme stellt nicht nur den historischen Charakter wieder her, sondern stärkt auch die ökologische Dimension des Projekts. Zu den weiteren umweltfreundlichen Maßnahmen gehören die Verbesserung der Lichtverhältnisse durch Oberlichter sowie die Wiederverwendung von Materialien aus Abbrucharbeiten.

Für das Sanierungsprojekt des Gebäudes sind MVRDV und Balance Architettura verantwortlich, in Zusammenarbeit mit der EP&S Group als Ingenieurteam und Stratospherica als Experten für den öffentlichen Raum. Die Umsetzung wird durch die Unterstützung der Fondazione Torino Musei und die Finanzierung durch die Fondazione Compagnia di San Paolo ermöglicht. Der Beginn der Bauarbeiten ist für die zweite Hälfte des Jahres 2027 geplant.

Entwurf: MVRDV

Lesen Sie auch: Kultur | Kunst | Museum | Italien | Empfehlungen | MVRDV | whiteMAD auf Instagram