In einem Jugendstil-Stadthaus in Paris befindet sich hinter einer Fassade, die an eine andere Epoche erinnert, eine Wohnung, die bis vor kurzem nichts von Pariser Eleganz hatte. Bei der letzten Renovierung in den 1960er Jahren wurde das Innere bis auf die kahlen Wände gesäubert, so dass nur noch die Fenster von der einstigen Identität zeugen. Diese Tabula rasa erwies sich jedoch nicht als Einschränkung, sondern als Chance. Die Architekten von Labopop nahmen sie zum Anlass, einen Raum zu schaffen, der die Vergangenheit nicht reproduziert, sondern in einen zeitgenössischen Dialog mit ihr tritt.
Sie ließen sich von Charlotte Perriands Idee inspirieren, im Einklang mit der eigenen Epoche zu leben. Dieser Gedanke zieht sich durch die 110 Quadratmeter große Wohnung, in der Materialien, Licht und Proportionen eine neue Erzählung des Ortes bilden. Der Entwurf basiert auf vier Materialien: französischer Nussbaum aus dem Périgord, Zierbeton, Terrazzo und Travertin. Jedes hat seine eigene Schwere, aber zusammen wirken sie harmonisch.
Schon der Eingang der Wohnung ist eine Zone des Übergangs, die den Charakter des gesamten Projekts vorwegnimmt. Im weiteren Verlauf öffnet sich der Raum zum monumentalen Grundriss der Bibliothek und der Küche, die als autonomes architektonisches Element konzipiert sind. Im Wohn- und Esszimmer sind die Wände und Decken mit dekorativem Putz in einem Farbton verkleidet, der auf den Stein der Fassade abgestimmt ist, so dass das natürliche Licht gedämpft und gestreut wird. Das Sofa, das in den Umriss des Raumes eingeschrieben ist, unterstreicht die Linie der alten Fenster – der einzige Teil des Innenraums, der die letzten Jahrzehnte überlebt hat.
In der Küche kommt der Quarzit „Jadore“ zum Einsatz, ein Material von fast kristalliner Transparenz und tiefen Smaragdtönen. Er erhellt diesen Teil der Einrichtung und verleiht ihr eine mineralische Intensität, die mit der Wärme des Nussbaums kontrastiert.
Der Nachtbereich wird durch einen langen, mit einem Terrazzo-Teppich ausgelegten Korridor getrennt, an dessen Ende ein großer Kaktus steht. Ein runder Kleiderschrank folgt der Form des Eingangs und des Sofas und verbindet das Design mit einer weichen Geometrie. Das Schlafzimmer, das zum Ankleidezimmer und zum Bad aus Travertin offen ist, bildet eine weitläufige, mehrstufige Komposition, in der das von zwei Seiten einfallende Licht ein Gefühl von Flüssigkeit und Weite erzeugt.

Im Kinderzimmer sorgt die Weiterführung der Nussbaummöbel für die Kohärenz mit dem Rest der Suite, während das zweite Badezimmer einen kühleren, grafischen Ton einführt.
Ergänzt wird das Ganze durch authentische Möbel aus den 1960er- und 1970er-Jahren, die dekorativ an das Design vergangener Zeiten erinnern. Ein Tisch von Willy Rizzo aus dem Jahr 1970, Stühle von Eugen Schmidt aus den 1960er Jahren und Kronleuchter von Hans-Agne Jakobsson und Klaus Hempel schaffen eine historische Ebene und verankern das Design auf subtile Weise in der Tradition der Moderne. Insgesamt ist die Wohnung in dem Pariser Stadthaus 110 m² groß.
entwurf: LABOPOP / Laboratoire des Projets Optimistes(https://www.labopop.com)
fotos: Juan Jerez
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