Dwór Łowczego w Gałkowie
Budynek obecnie

Das Jagdschloss in Gałków. Es wurde in letzter Minute gerettet

Es fehlte nicht viel, und das Jagdschloss von Sztynort hätte das Schicksal anderer masurischer Schlösser und ehemaliger Gutshöfe geteilt, die nach dem Zweiten Weltkrieg verfielen und aus der Landschaft des „Landes der tausend Seen“ verschwanden. Das Gebäude wurde in letzter Minute gerettet. Zu diesem Zeitpunkt war ein großer Teil der Holzkonstruktion bereits eingestürzt. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurden die Überreste abgebaut und in das etwa 80 km entfernte Gałków transportiert, um dort das historische Anwesen der Familie Lehndorff wieder aufzubauen. Ohne das enorme Engagement von Alexander Potocki wäre dies nicht möglich gewesen.

Das Jagdschloss in Gałków – Geschichte

Die Geschichte des Jägerhofs hat ihren Ursprung in Sztynort, dem ehemaligen Sitz der Familie Lehndorff. Seit dem 15. Jahrhundert war seine Geschichte eng mit der Geschichte Ostpreußens verflochten. In der Nachbarschaft des Anwesens befand sich der „Jägerhof“ – ein repräsentatives Jagdhaus für Gäste, die zu Jagden anreisten. Dort verkehrten Vertreter des preußischen Adels, Diplomaten sowie Teilnehmer elitärer Treffen, die in Masuren organisiert wurden. Mit dem Gebäude ist auch die Figur von Joachim von Ribbentrop verbunden, der einigen Überlieferungen zufolge während des Zweiten Weltkriegs dort zu Gast war. Heinrich von Lehndorff, das Oberhaupt der Familie, war hingegen an den Vorbereitungen zum Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 beteiligt. Nach dem gescheiterten Versuch wurde er verhaftet und von den Nazis hingerichtet. Eine wichtige Persönlichkeit war auch Marion Dönhoff, die spätere Redakteurin der Wochenzeitung „Die Zeit“ und Förderin des deutsch-polnischen Dialogs. Heute befindet sich im Herrenhaus in Gałków ein Gedenksalon, der ihrem Leben und Wirken gewidmet ist.

Das historische Gebäude wäre beinahe verloren gegangen

Nach 1945 wurde das Anwesen in Sztynort verlassen und verfiel zunehmend. Das Fehlen eines Verwalters, jahrelange Vernachlässigung und Unterfinanzierung führten dazu, dass das Jagdschloss in einen katastrophalen Zustand geriet. Das Dach war undicht, das Holz wurde durch Feuchtigkeit und Pilzbefall zerstört, und Teile der Konstruktion begannen zu zerfallen. Im Laufe der Zeit verschwand etwa ein Drittel des gesamten Gebäudes. Nach Aussagen der Anwohner wurden Teile der Holzelemente sogar als Brennholz verwendet. Als alles darauf hindeutete, dass ein weiteres Stück masurischer Geschichte spurlos verschwinden würde, tauchte Alexander Potocki auf. Der Unternehmer war seit Jahren mit der Umgebung von Gałków verbunden und hatte zuvor unter anderem mit Dr. Andrzej Krzywiński beim Wildpark in Kadzidłowo zusammengearbeitet. Der Mann beschloss, das verfallende Herrenhaus zu retten, doch ihm ging es nicht um eine gewöhnliche Renovierung. Er hatte vor, das gesamte Denkmal an einen neuen Standort zu verlegen.

Dwór Łowczego w Gałkowie
Das Herrenhaus in Ruinen und nach dem Wiederaufbau

Jeder Balken erhielt eine eigene Nummer

Die Verlegung des Jagdschlosses begann im Jahr 2004. An dem Projekt waren unter anderem der Denkmalpfleger Adam Żywiczyński und die Architektin Janina Bucholc beteiligt. Zunächst wurde eine detaillierte Dokumentation des Objekts erstellt. Jeder Balken, jede Diele und jede Dachziegel erhielt eine Kennzeichnung, die es später ermöglichte, das Gebäude Stück für Stück wie ein großes Puzzle wieder aufzubauen. Das Jagdschloss wurde von Hand abgebaut, anschließend wurden die erhaltenen Teile nach Gałków transportiert. Dort begann der langjährige Wiederaufbau, der unter Berücksichtigung des historischen Erscheinungsbildes des Gebäudes durchgeführt wurde. Fehlende Teile wurden unter Verwendung traditioneller Zimmermannstechniken rekonstruiert. Dazu wurden Holz, das dem Original entsprach, sowie Keramikdachziegel verwendet. Das enorme Engagement hat sich gelohnt, denn es gelang, die frühere masurisch-preußische Form des Gebäudes mit hohen Dächern, Arkaden und Ziegeldetails an Fundamenten und Schornsteinen wiederherzustellen.

Das Jagdschloss in Gałkowo und sein zweites Leben

Die Arbeiten wurden 2007 mit großem Erfolg abgeschlossen. Das wiederaufgebaute Jagdverwalterhaus nahm unter dem Namen „Potocki Gałkowo“ seinen Betrieb als Restaurant und Kulturstätte auf. In dem Gebäude befinden sich zudem Gästezimmer sowie der bereits erwähnte Salon Marion Dönhoff. Die Innenräume sind im rustikalen Stil eingerichtet, mit Antiquitäten, historischen Fotografien, Familienerinnerungsstücken und Materialien zur Geschichte des ehemaligen Ostpreußens. Heute ist das „Dwór Łowczego“ mehr als nur ein typisches Hotel oder Restaurant. Für viele Regionalforscher ist es zu einem Symbol für die Rettung des hölzernen Erbes der Masuren geworden. Wäre da nicht Alexander Potocki und seine Entscheidung gewesen, das Gebäude von Sztynort nach Gałkowo zu verlegen, wäre es wahrscheinlich in den Tiefen der Geschichte verschwunden.

Quelle: galkowo.pl, przystanekgalkowo.pl, krutynia.com.pl

Fotos: galkowo.pl

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