Das Konopnic-Haus am Marktplatz 12 in Lublin ist eines jener Gebäude, die als architektonisches Aushängeschild der Stadt gelten. Die einzigartige blaue Fassade mit manieristischen Reliefs und einer Krone in Form einer verzierten Attika zieht die Aufmerksamkeit jedes Passanten auf sich und unterstreicht das Renaissance-Erbe von Koziegrod. Trotz dieses großen Wertes steht das Gebäude derzeit leer.
Das Konopnic-Haus – die blaue Perle des Lubliner Marktplatzes
Unter den Gebäuden der Altstadt am Marktplatz von Lublin sticht gerade das Konopnic-Haus aus dem 15. Jahrhundert am meisten hervor. Bemerkenswert ist, dass die intensive Farbe der Fassade keine moderne Fantasie des Denkmalschutzbeauftragten ist. Bei den Renovierungsarbeiten im Jahr 2004 gelang es, die ursprüngliche Farbe freizulegen, die jahrzehntelang unter Schichten späterer Verputze verborgen war. Nach der Wiederherstellung der ursprünglichen Farbgebung erstrahlte das Gebäude in der Marktplatzlandschaft wie das schönste Juwel in einer Krone. Die Einzigartigkeit dieses Stadthauses liegt jedoch nicht in seiner Farbe, sondern in der Verzierung der Fassade. Ein großer Teil der Wandfläche ist mit eindrucksvollen, in Kalkstein gehauenen Reliefs bedeckt. Unter den Ornamenten dominieren sich windende Pflanzen, zwischen denen man fantastische Drachenköpfe erkennen kann. Über den Fenstern des ersten Stockwerks befinden sich hingegen Porträts der Stifter des großen Umbaus – Sebastian Konopnica und seiner Frau Katharina.

Lublin nach dem großen Brand von 1575
Das Konopnic-Haus gehört zu den wertvollsten Beispielen städtischer Architektur in ganz Lublin. Seine Wurzeln reichen bis in die Gotik zurück, während seine heutige Form an der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert entstand. Anstoß für die Veränderungen gab der verheerende Brand von 1575, der einen Großteil der Altstadtbebauung zerstörte. Beim Wiederaufbau des Hauses aus den Trümmern beschlossen die Konopnicows, ihm ein neues Gewand zu verleihen, das vom sogenannten Pińczów-Manierismus inspiriert war, der damals in Südpolen beliebt war. In den folgenden Jahrhunderten erfuhr das Haus weitere, wenn auch nicht mehr so bedeutende Umgestaltungen. Die größten Veränderungen seit dem Wiederaufbau nach dem Brand brachte die Mitte des 19. Jahrhunderts mit sich. Damals wurden das dritte Stockwerk und die Attika entfernt, und zwar aufgrund des sehr schlechten baulichen Zustands des Gebäudes. In den Jahren 1938–1939 wurden jedoch Arbeiten zur Wiederherstellung dieser fehlenden Elemente durchgeführt, ohne die das Mietshaus wie verstümmelt wirkte. Dank der Rekonstruktion nach dem Entwurf des Architekten Czesław Doria-Dernałowicz erhielt es wieder Proportionen, die denen seiner Blütezeit ähnelten.
Der Zweite Weltkrieg in Lublin
Die Bauarbeiten wurden am Vorabend des deutschen Überfalls auf Polen abgeschlossen, und es fehlte nicht viel, dass die ganze Mühe umsonst gewesen wäre. Am 9. September ging ein Bombenhagel auf Lublin nieder, der viele Gebäude beschädigte oder zerstörte, darunter auch das Nachbarhaus der Familie Konopnic unter der Hausnummer 13. Dieses entging glücklicherweise der Zerstörung. Nach dem Krieg begannen in der Altstadt intensive und weitreichende Arbeiten. Diese standen im Zusammenhang mit dem Wiederaufbau nach den Luftangriffen sowie der allgemeinen Aufwertung der Mietshäuser im Stil der Renaissance. Man kam damals zu dem Schluss, dass das Haus an der Adresse Rynek 12 einer Neugestaltung bedurfte, die der Interpretation des Lubliner Stils entsprach. Den Entwurf für den bereits zweiten Umbau im 20. Jahrhundert erstellte der Architekt Jan Gontarczyk. Er führte unter anderem eine neue Attika mit Sgraffito-Verzierung ein, änderte die Anzahl und Anordnung der Fenster im obersten Stockwerk und fügte ein Steinportal sowie eine Bossenwerkverkleidung im Erdgeschossbereich hinzu. Es handelte sich jedoch nicht um eine originalgetreue Rekonstruktion der historischen Form, sondern eher um eine kreative Interpretation alter Motive.

Eigentümer und Geschichte des Gebäudes
Das Konopnic-Haus wird manchmal den Sobieskis zugeschrieben, gehörte aber in Wirklichkeit nie diesem Geschlecht. Es handelt sich um eine seit dem 19. Jahrhundert verbreitete Legende, die nichts mit den Tatsachen zu tun hat. Bevor es jedoch in die Hände der Schöpfer seiner berühmten, manieristischen Dekoration gelangte, wechselte es mehrfach den Besitzer. Zu den früheren Eigentümern gehörten der Stadtrat Andrzej Sadurka und später der Kaufmann und Bürgermeister von Lublin, Jan Domarat. Anschließend gehörte das Haus der Familie Kretków. Der Weg zu dem Namen, der dem Haus endgültig anhaftete, führte über eine Heirat. Katarzyna Kretkówna brachte das Gebäude als Mitgift in die Ehe mit Sebastian Konopnica ein. Genau dieses Paar finanzierte den Wiederaufbau nach dem großen Brand und verlieh dem Haus die Form, die heute von Fotografien und Postkarten bekannt ist. Bemerkenswert ist, dass das Haus bis zur großen Renovierung im Jahr 2004 und der Entdeckung der mittlerweile berühmten blauen Farbe in gedämpften Sand- und Brauntönen gehalten war. Seine heutige, auffällige Gestalt ist somit das Werk der letzten 70 Jahre.
Kindergarten Nr. 26 in Lublin
Die Nachkriegsgeschichte des Konopnic-Hauses ist mit dem Kindergarten Nr. 26 verbunden, der 1956 in das renovierte Denkmal umzog. Die Innenräume des Gebäudes aus dem 16. Jahrhundert wurden an die Bedürfnisse der Kleinsten angepasst, indem dort Unterrichtsräume und andere notwendige Räumlichkeiten eingerichtet wurden. Trotz dieser ungewöhnlichen Nutzung des Renaissance-Juwels behielt der Grundriss das typische Schema alter Bürgerhäuser bei. Der Kindergarten war über 60 Jahre lang an diesem Ort tätig. Sein Ende kam erst im Jahr 2021, als eine Kontrolle der Feuerwehr ergab, dass das Gebäude die heutigen Sicherheitsanforderungen nicht erfüllt.

Das Konopniców-Haus und seine Zukunft
Bald nach dem Umzug des Kindergartens an einen anderen Standort entstand die Idee, das Denkmal in ein Hotel mit 32 Zimmern und gastronomischen Einrichtungen umzuwandeln. Im Jahr 2024 reichte der Investor, die Lubliner Gesellschaft Immobilia Polska II, einen Antrag auf Erteilung einer Baugenehmigung ein. Seitdem gab es in den Medien keine aktuellen Meldungen über den Fortschritt in dieser Angelegenheit. Und was ist mit dem Wohnhaus? Derzeit steht das schönste Haus der Stadt leer. Bislang ist nicht bekannt, ob die Pläne für den Umbau zu einem Premium-Hotel umgesetzt werden. Hoffentlich wird dies jedoch geschehen, denn es ist eine große Chance, dieses Denkmal in einer Stadt zu retten, die unter dem mangelnden Interesse von Investoren an solchen Objekten leidet.
Quelle: zabytek.pl, kurierlubelski.pl
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