Przemo Sroka, CC0, via Wikimedia Commons

Das Kunstzentrum Mościce in Tarnów: verlorene Moderne

Das heutige Kunstzentrum Mościce in Tarnów entstand in den 1970er Jahren als modernistisches Gebäude, das ursprünglich als Kulturhaus der Stickstoffwerke diente. Vor einigen Jahren wurde jedoch beschlossen, es umfassend zu modernisieren. Infolgedessen verwandelte sich das schlichte Gebäude aus der Zeit der Volksrepublik Polen in eine moderne Einrichtung, ausgestattet mit fortschrittlicher Bühnentechnik, einem neuen Foyer und zeitgemäßen Akustiksystemen. Im Zuge dieser Veränderungen wurde auch das Äußere des Gebäudes fast vollständig umgestaltet und erhielt postmoderne Züge. Wie ist das Ergebnis?

Kulturhaus der Stickstoffwerke für Mościce

Die Geschichte des Gebäudes ist eng mit der Entwicklung von Mościce verbunden, einem Stadtteil von Tarnów, der rund um die dortigen Stickstoffwerke entstanden ist. Im Jahr 1971 wurde in der Umgebung das Kulturhaus der Stickstoffwerke eröffnet, das sich rasch zum Zentrum des gesellschaftlichen und künstlerischen Lebens der Arbeiter und Anwohner entwickelte. Das imposante Gebäude mit seiner auffälligen Form und dem gegliederten Baukörper repräsentierte den Spätmodernismus mit deutlichen Einflüssen des Brutalismus. Es handelte sich um eine für öffentliche Projekte der Zeit der Volksrepublik Polen typische Ästhetik. Dort wurden Konzerte, Filmvorführungen, Bildungsveranstaltungen und Bewohnertreffen organisiert. Das Gebäude blieb in seiner ursprünglichen Form fast 40 Jahre lang ohne größere Veränderungen erhalten.

Umbau im Kunstzentrum Mościce

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts entsprach das Gebäude jedoch nicht mehr den zeitgenössischen Anforderungen. Im Jahr 2006 wurde das Mościce-Kulturzentrum gegründet und die Vorbereitungen für einen umfassenden Umbau begannen. Die umfangreichsten Arbeiten wurden in den Jahren 2008–2011 mit Unterstützung europäischer Fördermittel durchgeführt. Die Grundstruktur des Gebäudes blieb erhalten, seine Ästhetik wurde jedoch vollständig verändert. Fassaden, Dächer, Fenster, Treppen und Innenräume wurden umgestaltet. Holz, Stein und weißer Putz wichen Grau- und Rottönen, Aluminium sowie futuristischen Formen. Das einst elegante Foyer wurde durch minimalistische Räume mit zurückhaltender Ausstrahlung ersetzt. Im Zuge des Umbaus verschwanden einige der für die 70er Jahre charakteristischen modernistischen Details, was bei vielen bis heute das Gefühl eines unersetzlichen Verlusts hervorruft.

Das Gebäude früher und heute. Foto: Postkarte, Hrsg. KAW – Sammlung von Marek W./fotopolska.eu und Przemo Sroka/Wikimedia Commons

Ein Veranstaltungssaal mit Technologie des 21. Jahrhunderts

Die nächste Phase der Modernisierung des ehemaligen Kulturhauses der Azot-Werke wurde in den Jahren 2017–2018 durchgeführt. Das Projekt wurde von der Firma Sound&Space aus Posen entworfen, als Bauunternehmer fungierte Moris Polska. Damals wurde der Hauptsaal umgebaut, die Akustik verbessert und neue Systeme auf der Bühne installiert. Der Innenraum erhielt eine neue Deckengeometrie, Verkleidungen, eine moderne Beleuchtung sowie ein Dolby-Atmos-System. Darüber hinaus wurde das Kino mit einem NEC-4K-Laserprojektor ausgestattet. Der Hauptsaal bietet nun Platz für etwa 600 Zuschauer. Die Einrichtung fungiert als wichtiges Konzert-, Theater- und Konferenzzentrum.

Das Kunstzentrum Mościce und der verlorene Modernismus

Die Modernisierung war zweifellos notwendig, da das veraltete Gebäude den heutigen Anforderungen nicht mehr entsprach. Aus Sicht der Funktionalität und Sicherheit erwies sich das Projekt als Erfolg. Das Kunstzentrum Mościce gehört heute zu den technologisch fortschrittlichsten Kulturinstitutionen der Region. Umstritten bleibt jedoch der Verlust der Authentizität und des Charakters des ursprünglichen Gebäudeentwurfs. Die strenge Ästhetik des Spätmodernismus wich dem zu Beginn des 21. Jahrhunderts modischen Postmodernismus, der in den meisten Fällen wenig erfolgreich war und negativ bewertet wurde. Das ehemalige Kulturhaus aus der Zeit nach dem Kommunismus war stark mit der Industriegeschichte von Mościce und dem Stadtbild des Stadtteils verbunden. Nach einer Reihe von Umbauten verwandelte es sich in ein Gebäude, das eher an ein modernes Konferenzzentrum erinnert.

Quelle: csm.tarnow.pl, tarnow.pl

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