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Das Lemberger Kino ist wieder in den Händen von Wrocław. Dies ist eine große Chance für das Denkmal

In der Haller Avenue in Wrocław steht ein modernistisches Gebäude, in dem früher das Lemberger Kino untergebracht war. Das Gebäude ist seit vielen Jahren dem Verfall preisgegeben, und die verlassenen Innenräume, die zerbrochenen Fenster und die baufällige Fassade sind zu einem Symbol für die schwierige Lage des Denkmals geworden. Das soll sich nun ändern, nachdem das Gebäude in das städtische Inventar aufgenommen wurde. Die örtlichen Behörden versichern, dass auf dem Gelände weder ein Hotelkomplex noch Einkaufszentren oder Wohngebäude entstehen werden. Die angekündigte Richtung ist die Wiederherstellung der öffentlichen Funktionen und die Erhaltung des architektonischen Wertes des ikonischen Denkmals.

„Dies ist der Ort, an dem nicht nur ich, sondern viele Bürger und Einwohner unserer Stadt das Kino erlernt haben. Ich möchte daran erinnern, dass Wrocław bereits eine andere Kultureinrichtung, den Pałacyk (Palast) in der Kościuszki-Straße, kommunalisiert hat, wo wir ständig an einer neuen Funktion arbeiten. Das Gleiche wollen wir mit dem ehemaligen Lemberger Kino machen. Wir werden dieses Gebäude wieder in den Dienst von Wrocław stellen“, sagt Jacek Sutryk, der Bürgermeister von Wrocław.

Lemberger Kino – Geschichte des Gebäudes

Das Gebäude wurde 1924-1925 für die Odd Fellows-Organisation errichtet. Es zeichnete sich durch sein originelles modernistisches Design und seinen Detailreichtum aus. Nach der Auflösung des Vereins während der Nazizeit wurde es in ein Kino umgewandelt. Nach dem Zweiten Weltkrieg begannen die Vorführungen unter dem Namen Przodownik, und in den 1980er Jahren wurde das Lemberger Kino in das Repertoire der Stadt aufgenommen. Der Kinosaal bot Platz für etwa 500 Personen, und auf den Balkonen gab es zusätzliche Sitzplätze. Das Kino war viele Jahrzehnte lang eine wichtige kulturelle Einrichtung für die südlichen Gebiete von Wrocław.

Kino Lwów Wrocław
1920er Jahre Quelle: www.architecture.com

Modernismus von Adolf Rading

Der Autor des Konzepts war Adolf Rading, einer der führenden Architekten der Breslauer Moderne. Der Designer war maßgeblich an der Gestaltung des Stadtbildes in der Zwischenkriegszeit beteiligt. Zu seinen Werken gehört u. a. die Villa von Doktor Kriebel in der Karol-Lipiński-Straße. Das Gebäude in der Hallera-Straße hat seine ursprünglichen Elemente aus den 1920er Jahren bewahrt, darunter der Balkon über dem Zuschauerraum und die charakteristischen Details der Fassade. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz, so dass der Eigentümer verpflichtet ist, die Architektur des Gebäudes zu erhalten.

Das Lemberger Kino und sein schweres Schicksal

Nach der letzten Vorführung im Jahr 2011 gehörte das Kino nacheinander zwei privaten Investoren. Der erste plante, das Gebäude in ein Fitnesscenter umzuwandeln, was einen erheblichen Umbau der Innenräume erfordert hätte. Der Denkmalschützer hatte damals Einwände gegen die Projekte, die den Balkon und andere historische Elemente beeinträchtigten, so dass die Verhandlungen abgebrochen wurden. Der spätere Käufer, Verdano Investment, machte seine Vorstellungen für die Umgestaltung des Gebäudes nicht publik und vermied es, sich zu äußern. am 24. Dezember 2024 gab Bürgermeister Jacek Sutryk bekannt, dass eine notarielle Urkunde unterzeichnet wurde, mit der das Kino in den Besitz der Stadt überging. Die Transaktion belief sich auf 4,7 Mio. PLN.

Kino jetzt. Google Maps Foto

Mögliche Richtungen für die Entwicklung des historischen Gebäudes

Die Stadt erwägt verschiedene Szenarien, um das Gebäude wieder zum Leben zu erwecken, wobei die öffentliche Funktion weiterhin im Vordergrund stehen soll. Es werden Lösungen für die Nutzung des Gebäudes als Veranstaltungsort für kulturelle Events, Ausstellungen oder Konferenzen sowie als Zentrum zur Belebung der Aktivitäten lokaler kreativer Gemeinschaften in Betracht gezogen. Geprüft wird auch die Möglichkeit, Gastronomie- und Unterhaltungsdienstleistungen sowie begrenzte kommerzielle Aktivitäten einzuführen, die 400 Quadratmeter Verkaufsfläche nicht überschreiten werden. Die gesamte Entwicklung soll auf einer Fläche von fast 3.000 Quadratmetern stattfinden, was Raum für die Anpassung des künftigen Konzepts ohne aggressive Eingriffe in die historische Substanz eröffnet.

Das ehemalige Lviv-Kino neu erfunden

Die Übernahme des Lemberger Kinos durch die Stadt ebnet den Weg für einen echten Schutz eines der bekanntesten modernistischen Gebäude in der niederschlesischen Hauptstadt. Die Behörden und die Denkmalschützer haben die Aussicht, das Gebäude entsprechend seinem architektonischen und sozialen Status zu nutzen. Wenn die richtigen Entscheidungen getroffen werden, ist es möglich, einen Raum zu schaffen, der wieder zu einem Zentrum der lokalen Kultur wird.

Quelle: wroclaw.pl

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