Muzeum Historii Naturalnej w Polsce
Londyn. Fot. Julian Herzog (Website), CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Das Naturkundemuseum in Polen. Die Polnische Akademie der Wissenschaften hat mit den Arbeiten begonnen

Obwohl Polen über umfangreiche wissenschaftliche Sammlungen und eine lange paläontologische Tradition verfügt, gibt es hier bislang kein modernes Naturkundemuseum. Nun hat die Polnische Akademie der Wissenschaften die Arbeiten aufgenommen, die zur Gründung einer solchen Einrichtung in Warschau führen sollen.

Das Fehlen eines Naturkundemuseums in Polen

In den meisten großen europäischen Ländern gehören Naturkundemuseen seit langem zu den wichtigsten Einrichtungen zur Popularisierung der Wissenschaft. Die Museen in London, Paris oder Wien werden jedes Jahr von Millionen von Menschen besucht. In Polen hingegen fehlte jahrelang ein ähnlicher Ort, obwohl die nationalen wissenschaftlichen Institute über Sammlungen von Weltklasse verfügen. Angesichts dieser Tatsache hat das Präsidium der Polnischen Akademie der Wissenschaften einen Beschluss zur Ausarbeitung eines Konzepts für ein neues Museum in Warschau gefasst. Die Funktion des Beauftragten wurde Prof. Jarosław Stolarski übertragen, dem Direktor des Instituts für Paläobiologie der Polnischen Akademie der Wissenschaften und einem angesehenen Paläontologen. Der Wissenschaftler wird für die Koordinierung der Arbeiten sowie für die Kontakte zu in- und ausländischen Partnern verantwortlich sein.

9 Millionen Exponate in den Depots

Der Umfang der Bestände der PAN ist beeindruckend. Es handelt sich um über 9 Millionen naturkundliche Artefakte, die heute in verschiedenen Einrichtungen aufbewahrt werden, meist außerhalb der Reichweite von Besuchern. Darunter befinden sich die weltweit größten Sammlungen von Bernstein und in Harz eingeschlossenen Insekten, wertvolle Bestände an paläozoischen Fischen sowie Überreste von pleistozänen Säugetieren. Einen herausragenden Stellenwert nimmt die Meteoritensammlung im Museum der Erde der PAN ein. Das Institut für Paläobiologie der Polnischen Akademie der Wissenschaften (PAN) verfügt seinerseits über mehr als eine Million Exemplare, die fast eine halbe Milliarde Jahre Lebensgeschichte dokumentieren. Genau diese Bestände sollen die Grundlage für eine künftige Ausstellung bilden, die es der Öffentlichkeit ermöglicht, Objekte zu sehen, die bisher vor allem Forschern bekannt waren.

Muzeum Historii Naturalnej w Polsce
London. Foto: Julian Herzog (Website), CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Dinosaurier aus der Wüste Gobi und polnische Wissenschaftler

Im Zusammenhang mit dem Projekt taucht auch immer häufiger das Thema der legendären polnisch-mongolischen paläontologischen Expeditionen aus den 1960er und 1970er Jahren auf. Die Expeditionen in die Wüste Gobi führten zur Entdeckung von Dinosaurierskeletten und urzeitlichen Säugetieren, die in der internationalen Wissenschaftswelt großes Aufsehen erregten. Die Fotos polnischer Forscher, die inmitten der mongolischen Dünen arbeiteten und riesige Fossilien durch die Wüste transportierten, sind in die Geschichte eingegangen. Für viele Paläontologen sind diese Expeditionen zu einem Symbol für die Blütezeit der polnischen Wissenschaft geworden. Nun sollen ihre Errungenschaften den Besuchern des Warschauer Museums nähergebracht werden.

Das Naturkundemuseum in Polen – ein neues Zentrum für Wissenschaft und Bildung

Die Arbeiten an der Einrichtung werden parallel zu ihrer Werbung durchgeführt. Die Website des Projekts ist bereits online, und die Polnische Akademie der Wissenschaften (PAN) organisiert ein Ehrenkomitee, in dem Vertreter aus Wissenschaft, Kultur und dem öffentlichen Leben zusammenkommen. Die Ankündigung des Museums wird auch von der Ausstellung „Auf den Spuren der Dinosaurier. Von der Wüste Gobi zum Naturkundemuseum“, die im Innenhof des Warschauer Staszic-Palasts präsentiert wird. Die neue Einrichtung soll auf eine für ein breites Publikum ansprechende Weise über die Evolution des Lebens, den Klimawandel und die Geschichte unseres Planeten informieren. Wissenschaftler weisen darauf hin, dass das Interesse an naturwissenschaftlichen Themen stetig wächst und polnische Museen jedes Jahr millionenfach besucht werden. Warschau könnte somit um eine Einrichtung bereichert werden, die Liebhaber der Wissenschaft und Naturgeschichte aus ganz Europa anzieht.

Wo könnte das Naturkundemuseum entstehen?

Die Polnische Akademie der Wissenschaften hat noch keinen konkreten Standort für das künftige Naturkundemuseum benannt. Es ist jedoch bekannt, dass die Einrichtung in Warschau angesiedelt sein soll. Unter den möglichen Standorten taucht am häufigsten die Umgebung des derzeitigen Evolutionsmuseums der Polnischen Akademie der Wissenschaften im Palast der Kultur und Wissenschaft auf, wo seit Jahren Dinosaurierskelette und Exponate ausgestellt werden, die von polnisch-mongolischen Expeditionen in die Wüste Gobi stammen. Eine weitere Option für den Palast der Kultur und Wissenschaft ist der Stadtteil Mokotów, der mit den Aktivitäten wissenschaftlicher Institute und des Geologischen Museums des Staatlichen Geologischen Instituts verbunden ist. In den Diskussionen taucht auch die Warschauer Zitadelle auf, die sich in den letzten Jahren zu einem großen Museumszentrum der Hauptstadt entwickelt hat. Bislang gibt die Polnische Akademie der Wissenschaften jedoch keine Details zum Grundstück oder zur Form des zukünftigen Gebäudes bekannt.

Quelle: muzea.waw.pl, mhn.pan.pl

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