wiz. GID Studio Marcin Gęzikiewicz

Das neue Gebäude der Technischen Universität an der Aleja Armii Ludowej. Es soll das Gebäude aus den 70er Jahren ersetzen.

An der Stelle des derzeitigen Gebäudes der Fakultät für Bauingenieurwesen der Technischen Universität Warschau könnte ein modernes Forschungs- und Lehrzentrum entstehen, das verschiedene Bereiche der Raumplanung und -gestaltung miteinander verbindet. Diese Vision wird im Konzept des Zentrums für integrierte Gestaltung der bebauten Umwelt der Technischen Universität Warschau (CIDEB) vorgestellt, das als Beitrag zur Diskussion über die Zukunft der Hochschule und die Entwicklung des BIS-Campus erarbeitet wurde. 

Das Konzept wurde von einem Team unter der Leitung der Architekten Piotr Bujak, Rafał Bujnowski und Anna Tofiluk auf Wunsch des Dekans der Fakultät für Bauingenieurwesen der Technischen Universität Warschau, Prof. Dr. habil. Ing. Andrzej Garbacz, erarbeitet. Das Dokument entstand dank der Zusammenarbeit eines interdisziplinären Teams aus Fachleuten und Mitarbeitern der Hochschule. Die Planungsarbeiten wurden zudem in Abstimmung mit dem Team von Prof. Krystyna Solarek von der Fakultät für Architektur der Technischen Universität Warschau durchgeführt, das für die Entwürfe zur Umgestaltung der Freiflächen des Campus verantwortlich ist. Die Autoren betonen, dass die vorgestellte Studie konzeptioneller Natur ist und bislang keine Entscheidung über ihre Umsetzung getroffen wurde. Das Projekt steht auch in keinem Zusammenhang mit dem derzeit in Vorbereitung befindlichen Vorhaben auf der Grundlage einer Vereinbarung mit der Stadt im Rahmen des Programms „Sicherer Campus der Technischen Universität Warschau“.

Das CIDEB-Gebäude an der Aleja Armii Ludowej

Das vorgestellte Konzept sieht den Bau eines neuen Gebäudes an der Stelle des derzeitigen Gebäudes der Fakultät für Bauingenieurwesen an der Aleja Armii Ludowej vor. Dieses wurde 1969 von den Architektinnen Adrianna Kłosińska und Wiesława Stopnicka vom Warschauer Planungsbüro für Allgemeines Bauwesen entworfen. Der Bau erfolgte in den Jahren 1970–1976. Der schlichte, modernistische Baukörper wurde durch die Kombination horizontaler Fensterbänder mit vertikalen Sonnenschutzblenden aus Stahlbeton gestaltet. Diese charakteristischen Elemente der Fassade, umgangssprachlich „Rasierklingen“ genannt, sind heute das Aushängeschild des Gebäudes. Die Fassadengestaltung wird durch blaue Wandflächen ergänzt. Ein künstlerischer Akzent des Gebäudes ist wiederum der Haupteingang, der mit einer Keramikverzierung von Kazimierz Gąsiorowski und Teresa Chromy-Gąsiorowska geschmückt ist. Es zeigt die Figuren von Don Quijote und Sancho Panza, die laut Überlieferungen der Hochschule auf mit der Fakultät verbundene Dozenten anspielen sollten.

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Mosaik mit Don Quijote. Foto: Panek, CC BY-SA 3.0 PL, via Wikimedia Commons

Der ursprüngliche Entwurf an der Aleja Armii Ludowej war wesentlich umfangreicher. Neben dem Hauptgebäude waren auch ein Laborpavillon und ein Hörsaalgebäude geplant, die um einen begrünten Innenhof angeordnet sein sollten. Letztendlich wurde das Projekt nicht umgesetzt, was bis heute Auswirkungen auf die Funktionsweise der Fakultät hat. Im Jahr 2010 wurde der repräsentative Bereich vor dem Eingang an der Aleja Armii Ludowej umgestaltet. Trotz neuer Bepflanzung, neuer Bodenbeläge und neuer Stadtmöblierung hat sich dieser Ort jedoch nicht zu einem beliebten Aufenthaltsort für die akademische Gemeinschaft entwickelt.

Warum keine Modernisierung?

Vor der Ausarbeitung des Konzepts für den Neubau wurden detaillierte Analysen des bestehenden Gebäudes durchgeführt. Auch die Möglichkeit eines Umbaus wurde geprüft. Die endgültigen Schlussfolgerungen wiesen jedoch auf eine Reihe von Einschränkungen hin, die eine Anpassung des Gebäudes an die heutigen Lehr- und Forschungsbedürfnisse erschweren. Eines der Hauptprobleme stellte sich als die Geschosshöhe von etwa 3,6 m brutto und etwa 3,3 m netto heraus. Solche Parameter erschweren die Installation moderner Anlagen und die Einrichtung großer Labore, wie sie einer Hochschule des 21. Jahrhunderts angemessen sind. Die Schaffung einer hohen Forschungshalle würde die Nutzung von bis zu drei der derzeitigen Stockwerke erfordern, was den Zweck verfehlen würde.

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Das Gebäude heute und derselbe Ort in einer Visualisierung. Foto: Adrian Grycuk, CC BY-SA 3.0 PL, via Wikimedia Commons und GID Studio Marcin Gęzikiewicz

Gutachten haben ergeben, dass Teile der Konstruktion (Stützen und Decken) die aktuellen Anforderungenan Feuerwiderstand und Tragfähigkeit nicht erfüllen. Besonders ungünstig wurde der Zustand der Außenstützen bewertet, die als „Rasierklingen“ bezeichnet werden und nicht nur ein dekoratives Element darstellen, sondern auch die Deckenkonstruktion versteifen. Ein zusätzliches Problem sind veraltete Installationen, die einen umfassenden Austausch erfordern.

Das neue CIDEB-Gebäude: ein Labor der Zukunft

Das Herzstück des geplanten CIDEB-Gebäudes soll ein interdisziplinäres Forschungslabor sein. Um dieses herum entstand die gesamte Idee für das Gebäude. Die Autoren schlagen vor, eine Einrichtung zu schaffen, die gleichzeitig als Lehr-, Forschungs- und Demonstrationszentrum dient. Das Gebäude soll zu einer Art „lebendem Lehrbuch“ werden, in dem Studierende reale Lösungen für Konstruktionen, Installationen und Materialien beobachten können, die im modernen Bauwesen zum Einsatz kommen. Konzeptionell sollen einige technische Elemente des Gebäudes bewusst freigelegt bleiben, um die Analyse ihrer Funktionsweise und ihrer Betriebsparameter zu ermöglichen.

Nachhaltigkeit als Grundlage des Projekts

Das Konzept wurde im Einklang mit den Prinzipien der Klimaverantwortung und der Kreislaufwirtschaft entwickelt. Die Autoren greifen das Prinzip „Reduce, Reuse, Recycle“ auf und betonen, dass die Wiederverwendung von Ressourcen sowie die Verringerung des CO2-Fußabdrucks eine der grundlegenden Entwicklungsrichtungen des modernen Bauwesens darstellen sollten. Die Projektvorgaben knüpfen zudem an den Warschauer Standard für grünes Bauen an. Sie umfassen hohe Energieeffizienz, rationelle Wasserwirtschaft, die Förderung der Biodiversität sowie die Entwicklung nachhaltiger Mobilität. Den Arbeiten gingen Konsultationen unter den Mitarbeitern und Nutzern der Fakultät voraus. Im Frühjahr 2024 wurden Umfragen unter Mitarbeitern und Studierenden durchgeführt, deren Ergebnisse nicht nur bei der Ausarbeitung des Funktionsprogramms berücksichtigt wurden, sondern auch eine wichtige Stimme in der Diskussion über die Zukunft des bestehenden Gebäudes darstellten.

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Garagen, Schutzraum und neue Gemeinschaftsflächen

Gemäß dem lokalen Bebauungsplan ist unter dem Gebäude eine mehrstöckige Tiefgarage vorgesehen. Auf einer Etage könnten 73 Parkplätze untergebracht werden. Bei einer Variante mit drei Ebenen würde die Anzahl der Parkplätze auf 215 steigen. Die Garagen sollen mit anderen unterirdischen Parkplätzen verbunden werden, die auf dem Gelände des BIS-Campus geplant sind. Die Planer empfehlen zudem den Bau eines Schutzraums, der den Nutzern des Gebäudes und den Mitarbeitern der Hochschule in Krisensituationen Schutz bieten kann. Das Konzept sieht zudem die Schaffung von großzügigen Bereichen für die Integration, Ausstellungsflächen sowie experimentelle Bereiche vor, in denen Forschungsergebnisse und neue Bautechnologien präsentiert werden können.

CIDEB an der Aleja Armii Ludowej und das neue Campus-Tor

Nach Ansicht der Autoren der Studie könnte das CIDEB zu einem der Hauptelemente des zukünftigen BIS-Campus werden. Zusammen mit dem Zentrum für Innovationsmanagement und Technologietransfer würde es das repräsentative südliche Tor der Technischen Universität Warschau von der Seite des Pola Mokotowskiego und der Aleja Armii Ludowej bilden. Visualisierungen und ein Modell zeigen ein mehrstöckiges Gebäude mit großen Glasflächen, einem zentralen Atrium, offenen Hallen und Fluren sowie zahlreichen Bereichen, die für die Zusammenarbeit von Studierenden, Wissenschaftlern und externen Partnern vorgesehen sind.

Visualisierung: GID Studio Marcin Gęzikiewicz

Zwar ist die Zukunft des Projekts vorerst noch offen, doch das Konzept selbst präsentiert ein Objekt, das die Entwicklungsrichtung polnischer Hochschulen vorgeben könnte. Die Autoren sehen im CIDEB nicht nur ein Lehrzentrum, sondern auch einen Vorzeigeprojekt für moderne Bautechnologien und nachhaltiges Design.

Interdisziplinäres Autorenteam:

Architektur: Dr. Ing. Arch. Piotr Bujak, Dr. Ing. Arch. Anna Tofiluk, M.Sc. Ing. Arch. Rafał Bujnowski

Konstruktion: Prof. Dr. habil. Ing. Piotr Woyciechowski, Prof. Dr. habil. Ing. Robert Kowalski, Dr. Ing. Grzegorz Adamczewski, Dr. Ing. Julia Wróblewska, Dr. Ing. Piotr Knyziak, M.Sc. Ing. Paweł Chudzik, M.Sc. Ing. Jarosław Medyński

Gebäudephysik, Haustechnik: Dr. habil. Ing. Arkadiusz Węglarz, Prof. an der Technischen Universität Warschau, Dr. habil. Ing. Szymon Firlag, Prof. an der Technischen Universität Warschau, Dr. Ing. Agnieszka Kaliszuk-Wietecka, M.Sc. Hanna Pilzak, M.Sc. Aleksandra Surmacka

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