pellerhaus w Norymberdze

Das Pellerhaus war ein Kleinod in Nürnberg. Wird es wiederaufgebaut werden?

Das Pellerhaus am Egidienplatz ist eines der meistdiskutierten Denkmäler Nürnbergs. Seine äußerst reiche Geschichte wurde leider durch die Bombardierung der Stadt durch die Alliierten während des Zweiten Weltkriegs stark beeinträchtigt. Das Gebäude erlebte keinen originalgetreuen Wiederaufbau, und auf den erhaltenen Teilen wurde ein völlig neues, modernistisches Pellerhaus errichtet. Vor einigen Jahren wurde beschlossen, eine Teilrekonstruktion des Denkmals in Angriff zu nehmen. Wird also auch die ehemalige Fassade in die Landschaft Nürnbergs zurückkehren?

Der Renaissance-Sitz der Familie Peller

Im Jahr 1600 erwarb der Kaufmann Martin Peller das mit einem einfachen Sandsteinhaus bebaute Grundstück auf dem Egidienberg. Zwei Jahre später begann der Abriss des bestehenden Gebäudes und die Errichtung eines neuen Wohnhauses, das 1605 fertiggestellt wurde. Der Autor des Projekts war Jakob Wolff der Ältere. Nach der Fertigstellung des Vorderhauses ließ Peller den Innenhof umgestalten. Die Arbeiten dauerten bis 1607 und umfassten den Abriss der älteren Elemente und die Errichtung von Arkadengalerien. Um den optisch langgestreckten Raum zu verkürzen, wurde an der Rückfassade eine Loggia angebaut. Im Jahr 1616 wurde ein kleiner Erker an der vorderen Fassade hinzugefügt, der die Hauptphase des Gebäudes abschloss. Der Grundriss mit Vorderhaus, Hof und Hinterhaus war typisch für Nürnberg, aber die Form der Hauptfassade hob sich durch ihre Erhabenheit von der lokalen Architektur ab und erinnerte an die Kaufmannshäuser Norddeutschlands.

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Pellerhaus im späten 19. Jahrhundert. Quelle: United States Library of Congress

Pellerhaus: Architektur und Dekoration

Das historische Pellerhaus ist als eines der herausragenden Beispiele der deutschen Renaissance in die Kunstgeschichte eingegangen. Die Fassade ruhte auf einem rustizierten Sockel, über dem sich zwei Stockwerke und drei Dachgeschosse erhoben. Pilaster, Obelisken und reicher Skulpturenschmuck ließen die Fassade des Gebäudes äußerst elegant erscheinen. Die zentrale Achse wurde durch den bereits erwähnten Erker über dem Portal und das Relief des Heiligen Martin von Tours hervorgehoben. Die Innenausstattung war ebenso beeindruckend wie die der Fassade. Die Eingangshalle war von einem Sterngewölbe überdacht, und der so genannte Schöne Saal und der Schöne Salon zeichneten sich durch geschnitzte Täfelungen und bemalte Decken aus. Die Gemälde stellten unter anderem den mythologischen Faeton in einem Sonnenwagen dar.

Das Schicksal des Gebäudes bis zum Zweiten Weltkrieg

Die Familie Peller zog erst 1625 in das Haus ein und bewohnte es 200 Jahre lang ununterbrochen. In diesen zwei Jahrhunderten wurde das Gebäude nicht wesentlich verändert, so dass es seine Renaissanceform und -ausstattung beibehielt. Im Jahr 1929 erwarb die Stadt Nürnberg das Gebäude und nutzte es als Stadtarchiv. Fünf Jahre später wurde das Denkmal gründlich renoviert und erstrahlte in neuem Glanz. Wie sich bald herausstellte, war die ganze Arbeit umsonst. Nürnberg war in den 1930er und frühen 1940er Jahren die „Versammlungsstadt der NSDAP“. Das machte sie im Zweiten Weltkrieg zu einem wichtigen Ziel für die Alliierten. Sie warfen tausende Tonnen von Bomben aller Art auf die Stadt ab, was zur fast vollständigen Zerstörung der historischen Gebäude (ca. 90 %) führte, die Stadt in einen Trümmerhaufen verwandelte und ein Symbol für den Untergang des Nationalsozialismus schuf. Auch das Pellerhaus teilte dieses tragische Schicksal. Die Renaissance-Rarität wurde durch mehrere Brände schwer beschädigt und brannte fast vollständig nieder. Nur ein Teil des Erdgeschosses, der Treppenturm, die Kellerräume und Teile des Arkadenhofs blieben erhalten. Lediglich die Holzvertäfelung des Schönen Zimmers, die zuvor demontiert worden war, blieb erhalten.

Das Nürnberger Zentrum im Jahr 1945. Foto von Ray D’Addario, gemeinfrei, über Wikimedia Commons

Das Neue Pellerhaus der Nachkriegszeit

1952 lobte die Stadt Nürnberg, die sich von der Zerstörung erholt hatte, einen Wettbewerb für den Wiederaufbau des Egidienplatzes aus. Der Siegerentwurf von Fritz Mayer und seinem Sohn Walter sah vor, dort einen völlig neuen, funktionalen Komplex für Archiv, Bibliothek und Universität zu errichten, der die erhaltenen Relikte der Geschichte respektiert. Das neue Pellerhaus wurde zwischen 1955 und 1957 erbaut, wobei der Entwurf die erhaltenen Fragmente des alten Hauses, einschließlich der teilweise rekonstruierten rustizierten Erdgeschosswand zum Platz hin, bewahrte. Die modernistische Form des Gebäudes folgte dem historischen Rhythmus der Fassade, verwendete jedoch zeitgenössische Materialien und Details. In dieser Form wurde das Gebäude 1998 in die Denkmalliste eingetragen, was eine Welle der Kritik und Empörung auslöste. Denn mit der Eintragung war der Weg für die vollständige Rekonstruktion des Pellerhauses versperrt. Einige Jahre später stellte sich jedoch heraus, dass dies nicht ganz der Fall war.

Rekonstruktion des Innenhofs des Denkmals

Die Initiative zur Rekonstruktion des historischen Innenhofs entstand 2005 und wurde vom Verein der Altstadtfreunde aufgegriffen. Der Nürnberger Stadtrat stimmte dem Projekt unter der Bedingung zu, dass es keine öffentlichen Mittel gibt. Dank privater Spenden konnten die Arbeiten bereits 2008 beginnen und wurden ein Jahrzehnt später abgeschlossen. Das gesamte Projekt löste bei vielen Architekten und Kunsthistorikern Kritik aus. Vor allem das Nebeneinander von hochwertigem Mauerwerk und der modernen Stahlbetonkonstruktion, auf der der gesamte Wiederaufbau basierte, wurde kritisiert. Trotz dieser ablehnenden Stellungnahmen hat das Pellerhaus einen Teil seines früheren Glanzes wiedererlangt und wurde wieder in Betrieb genommen. Im Jahr 2018 kamen auch Ideen für die Rekonstruktion des restlichen historischen Ensembles auf, was eine Debatte über die Grenzen der Rekonstruktion von Denkmälern und deren Authentizität auslöste. Doch während im Falle des Hofes nicht in die Konstruktion aus den 1950er Jahren eingegriffen werden musste, würde die Rekonstruktion unter anderem der ehemaligen Fassade die Schöpfung von Fritz und Walter Mayer völlig zerstören. Diese steht unter Denkmalschutz und ist gesetzlich geschützt, so dass eine vollständige Rekonstruktion des ehemaligen Hauses der Familie Peller unwahrscheinlich ist.

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Der rekonstruierte Innenhof. Foto von Menosgada, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Quelle: museen.nuernberg.de, altstadtfreunde-nuernberg.de

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Das Pellerhaus im Jahr 1886 und heute. Quelle: Fotoarchiv des Zentralinstituts für Kunstgeschichte und Chris06, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Das Gebäude nach der Zerstörung und heute. Quelle: Stadtarchiv Nürnberg und Google Maps

Der Innenhof Ende des 19. Jahrhunderts und vor dem 2018 abgeschlossenen Wiederaufbau. Quelle: Fotoarchiv des Zentralinstituts für Kunstgeschichte und Sol Octobris, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons