Der ehemalige Sitz des General-Kommandos des V. preußischen Armeekorps (dt. General-Kommando des V. Armee-Korps) war ein sehr imposantes und repräsentatives Gebäude, das sich von allen Militärbauten im Posen des 19. und 20. Jahrhunderts abhob. Es wurde am ehemaligen Plac Działowy (heute nicht mehr existent) an der Kreuzung der heutigen Straßen Działowa und Solna errichtet. Seit seiner Fertigstellung im Jahr 1889 zeugte das Gebäude bis 1945 von der militärischen Macht der Stadt. Damals wurde es zerstört und anschließend fast vollständig abgerissen.
Posen als Festung
Nach dem Wiener Kongress von 1815 kam Posen in die Grenzen des Königreichs Preußen und begann sich rasch zu einer stark befestigten Festung zu entwickeln. Die Nähe zur russischen Grenze führte dazu, dass in der Stadt Forts, die Zitadelle (wir haben HIER darüber berichtet), Kasernen und Militärlager entstanden. In dieser Umgebung wurde der neue Sitz des V. preußischen Armeekorps errichtet. Das Gebäude wurde am nördlichen Ende der ehemaligen Wilhelmstraße, der heutigen Aleje Karola Marcinkowskiego, errichtet. In der Nachbarschaft befanden sich das Fortifikationsamt Posen, Proviantlager sowie ausgedehnte Artilleriekasernen.

Das Gebäude des General-Kommandos
Das Gebäude erhielt eine Form, die vom deutschen Neorenaissance-Stil des späten 19. Jahrhunderts inspiriert war. Die Fassaden aus Keramik- und Sichtziegeln wurden durch Details aus Naturstein ergänzt. Darüber hinaus wurde das Gebäude durch dekorative Giebel, markante Gesimse und einen zentralen Risalit bereichert, der dem Baukörper ein wahrhaft palastartiges Aussehen verlieh. Das Ganze wurde von einem Flachdach bedeckt, das nur an einigen Stellen aufgesetzt war. Auf dem First wurde ein schwarz-weißer Mast angebracht, der schon von weitem sichtbar war. Im Gebäude fanden sich Stahl-Ziegel-Decken sowie hölzerne Außenrollläden, die damals als moderne Ausstattung galten.
Marmor, Vergoldungen und militärischer Zeremoniell
Vor dem Eingang des Gebäudes wurde eine halbkreisförmige Auffahrt angelegt, die von einem schmiedeeisernen Zaun auf einem Ziegelunterbau umgeben war. Über dem Portal befand sich ein auf vier Säulen ruhender Balkon, und auf der Ostseite wurde ein Garten mit Platanen angelegt. Den größten Eindruck machten jedoch die Innenräume, z. B. der Ballsaal, der zu den prächtigsten im damaligen Posen gehörte. Seine Wände waren mit weißem Marmor verkleidet, die Dekorationen mit Vergoldungen versehen und die Fußböden aus exotischen Holzarten gefertigt. Im Gebäude befanden sich der Stab, die Kanzleien und die Archive, die den mehrere hundert Personen umfassenden Militärapparat versorgten.

Das General-Kommando-Gebäude in polnischer Hand
Am 22. September 1889 wurde vor dem Gebäude ein Denkmal für Kaiser Wilhelm I. enthüllt, das den im Deutsch-Französischen Krieg gefallenen Soldaten gewidmet war. Im Jahr 1902 wurden dort außerdem zwei Feldgeschütze vom Typ C73 mit einem Kaliber von 8,8 cm aufgestellt, die in Richtung Wilhelmstraße gerichtet waren. Nach der Wiedererlangung der Unabhängigkeit unseres Landes im Jahr 1918 wurde das Gebäude von den polnischen Militärbehörden übernommen. Ab Januar 1919 war dort das Hauptkommando der polnischen Streitkräfte des ehemaligen preußischen Teilungsgebiets untergebracht, wo unter anderem General Józef Dowbor-Muśnicki und Oberst Władysław Anders ihren Dienst versahen. Nach der Eroberung der Stadt durch die Deutschen im Jahr 1939 wurde das Gebäude von der Wehrmacht und der Verwaltung des Dritten Reiches übernommen.
Abriss und letzte Spuren des General-Kommandos
Die Kämpfe um Posen im Februar 1945 zerstörten die Stadt zu etwa 55 %. Auch das Gebäude des General-Kommandos blieb von den Zerstörungen nicht verschont. Am stärksten betroffen waren das Dach und die Innenräume, doch die Mauern blieben in einem Zustand erhalten, der einen Wiederaufbau ermöglichte. Trotzdem wurde nach dem Krieg beschlossen, die Überreste des Gebäudes abzureißen, was im wieder polnischen Posen keine Seltenheit war. Gebäude dieser Art wurden nämlich mit dem preußischen Militarismus in Verbindung gebracht, weshalb die neuen Stadtbehörden häufig Architektur entfernten oder umbauten, die symbolisch mit der Zeit der Teilungen verbunden war. Bis heute ist nur das Nebengebäude hinter dem ehemaligen Stabsgebäude erhalten geblieben. Derzeit wird es von der Kunstuniversität in Posen genutzt. Es ist die letzte materielle Spur des historischen General-Kommandos.

Quelle: kultura.poznan.pl, monitorwielkopolski.pl
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Das Gebäude zu Beginn des 20. Jahrhunderts und die leere Fläche heute. Quelle: MKZ in Posen und Stary Poznań Then and Now
Das Gebäude im Jahr 1912 und derselbe Ort heute. Quelle: MKZ in Posen/Alt-Posen damals und heute und Google Maps
Blick auf die ehemalige Wilhelmstraße und die heutige Al. Karola Marcinkowskiego – ca. 1912 und 2024. Quelle: MKZ in Posen und Google Maps
Das Gebäude vor dem Zweiten Weltkrieg und im Jahr 1945. Quelle: MKZ in Posen











