Das Puppentheater in Olsztyn. Dieses Projekt hat den Wettbewerb gewonnen

Der neue Sitz des Puppentheaters von Olsztyn soll ein Ort werden, den man ganz beiläufig betreten kann – während eines alltäglichen Spaziergangs durch einen der grünsten Teile der Stadt. Der siegreiche Entwurf des Architekturbüros plus3‑architekci sieht ein zum Park hin offenes Gebäude vor, das an einen großen Gartenpavillon mit einer leichten, durchbrochenen Überdachung erinnert. 

Das neue Gebäude entsteht an der Tadeusza-Mazowieckiego-Straße – an einem Ort, an dem Freizeit, Sport und Kultur aufeinandertreffen. In der Nachbarschaft befinden sich die Urania-Halle, das Planetarium, die Einrichtungen des OSiR sowie der Centralpark, die zusammen eine natürliche Spazierroute bilden, auf der die Einwohner von Olsztyn ihren Weg zur Arbeit, zur Schule oder ins Stadtzentrum zurücklegen. Die Architekten haben das Theater bewusst in diesen alltäglichen Verkehr eingebunden.

Das Theater als Teil der städtischen Route

„Der größte Wert dieses Raums liegt in den Grünflächen, die die wichtigsten Punkte von Olsztyn miteinander verbinden. Wir wollten, dass das Theater zu einem natürlichen Bestandteil dieser Parkpromenade wird. Wir haben das Gebäude so ausgerichtet, dass es den Spaziergang nicht unterbricht, sondern Teil davon wird und zum Eintreten einlädt“, sagt Katarzyna Głażewska, Mitbegründerin des Architekturbüros plus3-architekci.

Diese Herangehensweise wurde von der Wettbewerbsjury gewürdigt, die besonders hervorhob, wie harmonisch sich der Entwurf in die charakteristische Form der Urania-Halle einfügt, ohne diese zu überragen oder zu dominieren.

Ein Vorhang aus Licht und Grün

Aus der Ferne erinnert das Gebäude an einen großen Gartenpavillon. Die leichte, stellenweise vollständig offene Konstruktion taucht in das Grün ein und besitzt keine repräsentative Fassade. Jede Fassade reagiert auf die Umgebung, wodurch sich das Gebäude von jeder Seite anders präsentiert. „Das Gebäude sieht aus jeder Perspektive anders aus und reagiert auf die Vielfalt des es umgebenden Raums“, betont Głażewska.

Die weiße, durchbrochene Verkleidung, die den Hauptsaal umgibt, ist eine zeitgenössische Interpretation eines Theatervorhangs. Sie filtert das Licht, erzeugt wechselnde Schatten an der Fassade und wird mit der Zeit zur Stütze für die Weinrebe, die den Pavillon umrankt. Hinter der Stahlkonstruktion kommt nach und nach das Holz zum Vorschein, das an den Fassaden und in den Innenräumen vorhanden ist und dem Gebäude einen ruhigen, natürlichen Charakter verleiht.

An Teilen der Fassaden sind vertikale Verkleidungen in Form großer Lamellen vorgesehen, die die Innenräume vor Überhitzung schützen, ohne den Blick auf den Park einzuschränken. „Die Idee ist, dass der Vorhang mit dem Licht spielt und sich gemeinsam mit der Vegetation verändert, wodurch das Gebäude mit seiner Umgebung lebt. Holz, Licht und Pflanzen ergänzen sich und schaffen eine Architektur, die keine aufwendigen Maßnahmen benötigt, um die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich zu ziehen“, fügt die Architektin hinzu.

Die Innenräume verändern die Stimmung

Das Foyer wurde als ganztägig offener Raum konzipiert – als Ort für Begegnungen, Workshops und Veranstaltungen, nicht nur als Eingangsbereich zu den Theatersälen. Hier soll das Leben pulsieren, unabhängig vom Repertoire. Weiter hinten ändert sich die Atmosphäre deutlich: Helle, offene Innenräume weichen den dunkleren Räumen der Säle, in denen Konzentration und theatralisches Geheimnis vorherrschen.

Im Hauptsaal kommen tiefe Farben zum Einsatz – Schwarz und Flaschengrün. Der Kammersaal ist flexibler: Bei Workshops öffnet er sich zum Park hin und nutzt das durch die Außenverkleidung gefilterte Tageslicht, während er bei Aufführungen zu einem klassischen Theaterraum wird.

Architektur, die Neugier weckt

Der neue Sitz wird in erster Linie für Kinder und Jugendliche konzipiert, doch die Architekten vermeiden eine zu wörtliche Gestaltung. Es gibt hier weder märchenhafte Dekorationen noch intensive Farben. Das Gebäude – ähnlich wie eine gute Theateraufführung – verrät nicht sofort alles, sondern regt dazu an, weitere Elemente zu entdecken.

Die weichen Linien des Bandes, das zwischen den Etagen des Zwischengeschosses verläuft, durchbrechen die geradlinige Geometrie der Innenräume und schaffen einen Raum, der die Fantasie anregt. „Es war uns wichtig, Neugier zu wecken und Raum für Interpretationen zu schaffen. Kinder suchen gerne und stellen gerne Fragen. Sie sind ebenso aufmerksame Betrachter von Räumen wie Erwachsene“, sagt Głażewska.

Die wichtigsten Bereiche für die Besucher wurden im Erdgeschoss untergebracht, was das Gebäude intuitiv und für alle zugänglich macht – auch für ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen.

Nachhaltige Konstruktion

Die Wettbewerbsjury hob das modulare Konstruktionsraster sowie die Verwendung von kreuzweise verleimtem Holz (CLT) hervor. Stahlbeton wurde nur dort eingesetzt, wo er unbedingt notwendig war, während der restliche Teil der Konstruktion aus Holzbauteilen besteht. Dadurch wurde der CO₂-Fußabdruck des Projekts reduziert und die Möglichkeit für zukünftige Anpassungen offen gelassen.

„Bei nachhaltiger Planung geht es um den bewussten Einsatz von Materialien dort, wo sie ihre Eigenschaften am besten zur Geltung bringen. Verantwortung beginnt bereits in der Planungsphase und erstreckt sich über den gesamten Lebenszyklus des Gebäudes.“ Die Architektin erinnert zudem daran, dass „nicht das Gebäude am wirtschaftlichsten ist, dessen Bau am wenigsten kostet, sondern dasjenige, das dank der Qualität der Architektur und seiner Anpassungsfähigkeit seinen Wert über Jahrzehnte hinweg behält“.

Entwurf: plus3-archtekci

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