Das Restaurant „Oni Ramen“ in Danzig. Eine zeitgenössische Interpretation japanischer Ästhetik

„Oni Ramen“ in Danzig ist ein Beispiel dafür, wie ein bestehender Raum durch bewusste Gestaltung eine völlig neue Identität erhalten kann. Aleksandra Liszewska und Elżbieta Maruszczak haben das Interieur für eine Gastronomiemarke gestaltet, die sich an ein junges Publikum richtet – an Menschen, die offen und neugierig auf die Welt sind und nach Orten suchen, die ihnen in Erinnerung bleiben. Das Projekt greift nicht wörtlich auf Japan zurück. Stattdessen bietet es eine zeitgenössische Interpretation der urbanen Kultur, voller Neonlichter, intensiver Farben und Kontraste, und beschwört die Atmosphäre von Tokio oder Osaka in einer modernen, grafischen Version herauf.

Ein zweites Leben für den bestehenden Raum

Das Restaurant entstand in Räumlichkeiten, die zuvor eine ähnliche Funktion hatten, weshalb viele Elemente erhalten und umgestaltet wurden. Dies ist ein bewusster gestalterischer Ansatz – statt Abriss und Austausch der Einrichtung konzentrierten sich die Designerinnen darauf, den bestehenden Elementen einen neuen Charakter zu verleihen. Die Tische wurden neu abgeschliffen, und ihre Kanten und Beine wurden in einem intensiven Himbeerrot lackiert. An den Ecken wurden eingebrannte Illustrationen von Gyoza-Teigtaschen angebracht, jede in einer anderen Anordnung, wodurch ein Detail entstand, das Leichtigkeit und Humor vermittelt. Die Stühle erhielten neue Oberflächen in zwei kräftigen Farben – Himbeerrot und tiefem Marineblau –, die zur farblichen Grundlage des gesamten Interieurs wurden.

Der industrielle Charakter des Ortes wird durch das vorhandene Metallgitter an der Treppe unterstrichen. Nach dem Neuanstrich diente sie als Ausgangspunkt für die Gestaltung weiterer durchbrochener Trennwände, die den Raum strukturieren und die Bereiche des Restaurants subtil voneinander abgrenzen. Dadurch behält der Innenraum sein ursprüngliches Gerüst bei und erhält gleichzeitig eine neue, dynamischere Struktur.

Farbe für den Gaumen

Farbe spielt in diesem Projekt eine zentrale Rolle. Weiße Wände sind kräftigen Farben gewichen – tiefes Marineblau ziert die Wände mit den Neonröhren, und der Boden wurde in einem kühlen Taubenblau gestrichen. Die oberen Wandbereiche wurden mit einer Farbe versehen, die Beton imitiert; diese gleicht die intensiven Akzente aus und unterstreicht den industriellen Charakter des Innenraums. Die vorhandenen Keramikfliesen wurden beibehalten, jedoch rot überstrichen, wodurch sie eine neue visuelle Funktion erhielten. Das Motiv der quadratischen Fliesen wurde auch in den Gästebereich übertragen, wo es ein grafisches Detail bildet, das an Pixel erinnert – eine zeitgemäße Anspielung auf die Popkultur.

Die Sofas erhielten neue Polster, und eines davon wurde gekürzt, um die Fensterbank freizulegen und zusätzliche Sitzgelegenheiten zu schaffen. Dadurch konnte das natürliche Licht besser genutzt und der Innenraum zur Straße hin geöffnet werden. Über der Bar wurde die schwere Metallkonstruktion durch leichte Stoffe mit einem eigens für Oni Ramen entworfenen Muster ersetzt, wodurch der Raum einen weicheren, ungezwungenen Charakter erhielt.

Ein Ort voller Details

Einer der stärksten Akzente des Entwurfs ist die Illustration von Amal Al-Shahari, die die frühere grüne Pflanzenwand ersetzt hat. Die Komposition wurde so gestaltet, dass sie auch von außen sichtbar ist und so bereits von der Straße aus die Wiedererkennbarkeit des Lokals stärkt. An einer der Wände wurde ein Spiegel in einer speziell entworfenen Form mit der Aufschrift „VERNEIGE DICH“ angebracht. Dies ist eine zeitgenössische Interpretation der japanischen Geste des Respekts, die die Gäste zur Interaktion mit dem Raum einlädt.

Das Projekt umfasste auch die Toilettenräume. Die vorhandenen Fliesen wurden entsprechend der Farbgebung des Restaurants neu gestrichen, und der große Spiegel wurde durch eine Komposition aus neun kleineren Verkehrsspiegeln ersetzt. So entstand ein Raum, der auf natürliche Weise zum Fotografieren und zum Teilen von Eindrücken in den sozialen Medien einlädt. Abgerundet wird das Ganze durch zahlreiche Neonleuchten. Die leuchtenden Dekorationen prägen die Atmosphäre, sind von asiatischen Straßen voller bunter Werbetafeln inspiriert und sorgen dafür, dass das Restaurant auch nach Einbruch der Dunkelheit gut sichtbar bleibt.

Eine neue Identität ohne Abrissarbeiten

„Oni Ramen“ zeigt, dass eine Neugestaltung des Innenraums nicht zwangsläufig radikale bauliche Veränderungen bedeuten muss. Dank der bewussten Nutzung des vorhandenen Raums und einer auf Details ausgerichteten Gestaltung haben Aleksandra Liszewska und Elżbieta Maruszczak einen Ort mit ausgeprägtem Charakter geschaffen – mutig, voller Energie und ganz auf das Erlebnis der Gäste ausgerichtet. Es ist eine zeitgenössische Interpretation der japanischen Ästhetik, die die Atmosphäre moderner Stadtstraßen widerspiegelt.

Entwurf: Aleksandra Liszewska, Elżbieta Maruszczak

Fotos: Anna Dudzińska

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