Das „Prego“ im Danziger Stadtteil Łostowice ist ein Restaurant, das von Paulina Kisiel vom Studio Turbo entworfen wurde. Das Lokal entstand in einem Stadtteil ohne Dienstleistungszentrum und sollte von Anfang an als Ort für tägliche Begegnungen dienen – nicht nur als gastronomische Anlaufstelle. Im Kontext der Dreistadt, wo sich die Gastronomie hauptsächlich auf die historischen Zentren konzentriert, wirkt dieses Projekt wie ein Gegengewicht: Es zeigt, dass ein hochwertiges kulinarisches Erlebnis auch dort entstehen kann, wo bisher die soziale Infrastruktur fehlte.
In der Dreistadt konzentriert sich die Gastronomie hauptsächlich auf die historischen Teile von Danzig, Sopot und Gdynia. Łostowice bleibt trotz intensiver Entwicklung vor allem ein Wohngebiet, in dem es an sozialen Räumen mangelt. Prego füllt diese Lücke. Das Restaurant ist zu einem Ort geworden, an dem die Bewohner nach der Arbeit vorbeischauen, um mit der Familie zu Abend zu essen oder sich kurz mit den Nachbarn zu treffen. Das Projekt zeigt, dass ein gut geplantes Interieur die Lebensqualität in neuen Stadtvierteln konkret beeinflussen kann.
Ein übersichtlicher und freundlicher Raum
Das Interieur von Prego ist übersichtlich, ohne dabei an Gemütlichkeit einzubüßen. Auf der rechten Seite befinden sich Bänke mit Tischen, auf der linken Seite eher gemütliche Nischen und in der Mitte freistehende Tische. Die entlang der Achse des Lokals verlaufenden Einbauten strukturieren den Raum und sorgen für Privatsphäre, ohne harte Trennungen zu schaffen.

Die Farbgebung basiert auf dunklem Holz und Terrakotta-Tönen, die eine südländische Atmosphäre schaffen, ohne wörtliche Bezüge. Das Licht betont die Texturen und Rundungen, während Spiegel den Raum optisch vergrößern und auf die sich verändernde Bewegung der Gäste reagieren. Alle Elemente, von den Bänken bis zu den Logen, wurden maßgefertigt, mit weichen Kanten und einheitlichen Unterteilungen, was dem Raum einen harmonischen Charakter verleiht.

Eine Gelegenheit für Begegnungen
Prego ist kein Schnellimbiss. Es ist ein Restaurant, in dem man gerne länger verweilt – um zu essen, sich zu unterhalten, sich zu entspannen. In einem Stadtteil ohne natürliches Dienstleistungszentrum erfüllt das Lokal eine Funktion, die die Stadtplanung nicht vorgesehen hatte: Es ist zu einem Ort des Gemeinschaftslebens geworden. Das Projekt von Paulina Kisiel zeigt, dass Innenräume Impulse für den Aufbau von Beziehungen und alltäglichen Gewohnheiten der Bewohner geben können.
_
Über die Architektin:
Paulina Kisiel – Architektin, Creative Director und Design Managerin mit über 15 Jahren Erfahrung. Absolventin der Fakultät für Architektur und Stadtplanung der Technischen Universität Danzig sowie des Studiengangs Design Management an der SWPS. Sie verbrachte ein Jahr in einem Londoner Architekturbüro und arbeitete in den folgenden Jahren u. a. bei Studio Kwadrat und FORT Architekci, wo sie an Projekten wie MTG Amber Expo, dem Museum des Zweiten Weltkriegs oder der Marina Gdynia mitwirkte. Von 2012 bis 2021 war sie an der Programmgestaltung und Entwicklung der Gdynia Design Days beteiligt, zunächst als Koordinatorin und später als Kreativdirektorin. Sie vertrat Polen im Vorstand von BEDA, einer Organisation, die die strategische Rolle des Designs in Europa fördert. Sie wurde vom Magazin Design Alive zur „Strategin des Jahres 2017“ gekürt und erhielt den Preis „Czas Gdyni“ für die Renovierung des Amphitheaters „Muszla“. In ihrer Projektarbeit setzt sie auf Vertrauen, Wissensaustausch und Achtsamkeit gegenüber den sich wandelnden gesellschaftlichen Bedürfnissen. Sie betrachtet Design als einen transformativen Prozess, der auf Dialog und gemeinsamer Entwicklung mit den Kunden basiert.
Projekt: Studio Turbo (https://www.studioturbo.pl)
Fotos: Emi Karpowicz
Lesen Sie auch: Danzig | Restaurant | Innenräume | Empfehlungen | whiteMAD auf Instagram



