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Das Schloss in Dowspuda: Der Eigentümer plant den Wiederaufbau der Residenz

In Dowspuda in der Region Suwałki stehen seit über 200 Jahren die Ruinen eines Herrenhauses, das als das wertvollste Beispiel der englischen Neugotik in Polen gilt. Derzeit plant ein privater Investor den Wiederaufbau des Schlosses von Ludwik Michał Pac und dessen Umwandlung in ein Luxushotel. Die Kosten für dieses ehrgeizige Vorhaben werden auf etwa 50 Millionen Euro geschätzt.

Englische Neugotik in der Woiwodschaft Podlachien

Die Geschichte des Schlosses begann in den 1820er Jahren. Initiator des Baus war Graf Ludwik Michał Pac, der bereits als Neunzehnjähriger ein weitläufiges Vermögen erbte. Fasziniert von englischen Residenzen beschloss er, einen eigenen Sitz zu errichten und ihm Merkmale zu verleihen, die auf polnischem Boden bisher unbekannt waren. Für die Umsetzung des gesamten Projekts beauftragte der junge Erbe den italienischen Architekten Pietro Bosio und anschließend Henryk Marconi. Nach einigen Jahren der Bauarbeiten entstand in Dowspuda ein Schloss, das eine reine Variante des englischen Neogotiks darstellte. Das Gebäude begeisterte durch seine Schwungkraft, seine reichhaltigen Verzierungen und seine beeindruckende Größe.

Das Schloss in Dowspuda und seine Innenräume

Die Residenz der Familie Pac zählte zu den prächtigsten Sitzen des polnischen Adels. Im Erdgeschoss befanden sich repräsentative Salons, eine Bibliothek, eine Kapelle sowie ein mit Stuck verzierter Speisesaal. Die Innenräume waren mit Kunstwerken, Polychromien, Fresken und Skulpturen geschmückt. In den Seitenflügeln befanden sich hingegen eine Militaria-Sammlung sowie eine Gemäldegalerie. Der Palast war ein Symbol für das Ansehen seines Besitzers, und seine Ausstattung gehörte zu den wertvollsten Privatsammlungen der Region.

So könnte der Palast nach dem Wiederaufbau aussehen. Visualisierung: Rekonstruktionen und Wiederaufbauten

Der Niedergang einer großen Residenz

Das Schicksal des blühenden Schlosses wurde durch die Ereignisse nach dem Novemberaufstand besiegelt. Für seine Beteiligung an dem Aufstand wurde Ludwik Pac 1831 von den zaristischen Behörden mit dem Verlust seines gesamten Vermögens bestraft. Anschließend ging Dowspuda in die Hände weiterer Eigentümer über, doch diese waren nicht in der Lage, einen so kostspieligen Sitz zu unterhalten. Die endgültige Tragödie für den Palast ereignete sich Mitte des 19. Jahrhunderts, als der letzte Pächter mit dem Abriss des Gebäudes begann. Die so gewonnenen Ziegelsteine verkaufte er für den Bau von Kasernen in Suwałki. Die Arbeiten wurden zwar eingestellt, doch die verlassenen und ungesicherten Mauern verfielen rasch. Auf diese Weise gingen der Großteil der Wände, der Dekorationen und der Ausstattung unwiederbringlich verloren. Bis in unsere Zeit haben nur die Fundamente, die Keller, der restaurierte Arkadenportikus sowie der eckige „Storchenturm“, der Teil des Hauptgebäudes ist, überdauert. Der Palast in Dowspuda ist nicht nur Historikern bekannt. Mit ihm wird meist das berühmte Sprichwort „Wart Pac pałaca, a pałac Paca“ in Verbindung gebracht, das fest in die polnische Sprache eingegangen ist.

Der Palast in Dowspuda und seine Überreste

Auf einem Teil der ehemaligen Fundamente entstand um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert ein bescheidenes Wohnhaus der Familie Karcow. Anschließend erfüllte das Gebäude verschiedene Funktionen, u. a. diente es während der deutschen Besatzung dem Militär und den Kindern der Umgebung als Schule; später wurde dort ein Erholungszentrum eröffnet und es wurden Mitarbeiterwohnungen eingerichtet. Das Gebäude bestand bis in die 1990er Jahre, wurde aber schließlich abgerissen. Inmitten der Ruinen ist jedoch ein weitläufiger Park mit wertvollen Nadel- und Laubbäumen erhalten geblieben. Auch die neugotische Wachstation an der Lindenallee, die zum Schloss führt, steht noch. Sie wurde 2015 renoviert und dient heute als Hotel sowie als Veranstaltungsort für kulturelle Events.

Das Schloss im 19. Jahrhundert und heute. Foto: Reproduktion einer Lithografie, Mariusz Brzeziński/fotopolska.eu und s_mile/fotopolska.eu

Das Schloss in Dowspuda: Wiederaufbau für 50 Millionen Euro

Im Jahr 2016 wurden die Ruinen zusammen mit einem 21 Hektar großen Grundstück vom Landkreis Suwałki an einen privaten Investor verkauft. Das Anwesen in Dowspuda erwarb Krzysztof Szadurski, ein Warschauer Hotelier und Vizepräsident der Polnischen Wirtschaftskammer für das Hotelgewerbe, mit der Absicht, die historische Residenz von Ludwik Pac wiederaufzubauen. Der Denkmalschutzbeauftragte der Woiwodschaft Podlachien erteilte dafür die Genehmigung und stimmte der Idee zu, das Anwesen als exklusives Hotel umzugestalten. In den renovierten Mauern sollen etwa 50 Zimmer, ein Restaurant, ein Bankett- und Konferenzsaal, eine Kapelle, Ausstellungsräume sowie Heil- und Erholungseinrichtungen entstehen. Die erhaltenen Relikte des Schlosses werden bei der Wiederherstellung selbstverständlich genutzt. Trotz der erteilten Genehmigungen haben die Hauptarbeiten jedoch noch nicht begonnen. Bislang nennt der Investor weder einen Termin für den Beginn noch für den Abschluss des Projekts, bekräftigt aber weiterhin seine Absicht, Dowspuda sein neugotisches Juwel zurückzugeben.

Quelle: onet.pl, suwalki.naszemiasto.pl

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