Das Schloss in Runowo Krajeńskie ist bereits seit über 80 Jahren eine Ruine. Dank der vom Architekten Michał Szymankiewicz erstellten Visualisierungen lässt sich jedoch erkennen, wie diese elegante Residenz vor dem von den Deutschen im Jahr 1945 ausgelösten Brand aussah. Die Rekonstruktionen basieren auf Archivfotos, Dokumenten sowie Tools, die künstliche Intelligenz nutzen.
Das Schloss in Runowo Krajeńskie – die Anfänge
Die Geschichte von Runowo Krajeńskie reicht mindestens bis ins Jahr 1325 zurück. Damals gehörte der Ort den Zisterziensern aus Byszewo bei Koronowo. Später ging das Anwesen in den Besitz mehrerer Adelsgeschlechter über, darunter der Familie Dźwierszeński und ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts der Familie Orzelski mit dem Wappen „Dryja“. Es war Jan Orzelski, Landrat von Kościan und Kastellan von Rogozin, der um 1595 den Bau einer neuen gemauerten Residenz an der Stelle des niedergebrannten Holzschlosses in Auftrag gab. An der Nordfassade des Gebäudes hängt noch heute eine lateinische Grundsteintafel mit der Jahreszahl 1595. Ihr Text erinnert daran, dass das neue Gebäude aus Ziegeln errichtet wurde, um die Gefahr eines erneuten Brandes zu verringern. Von der Renaissance-Residenz sind bis heute die mit Tonnengewölben versehenen Kellerräume sowie Teile der Mauern erhalten geblieben. In jener Zeit entstand auch der regelmäßige Garten, der das Herrenhaus umgab.

Großer Umbau im Stil der Neorenaissance
Nach fast 200 Jahren im Besitz der Familie Działyński wurde das Anwesen von Vertretern des deutschen Adelsgeschlechts von Bethmann-Hollweg erworben. Um 1860 wurde das Gebäude einer umfassenden Modernisierung unterzogen. Der Umfang der Veränderungen war so groß, dass sich die ehemalige Residenz in einen prächtigen Palast im eleganten Neorenaissance-Stil verwandelte. Die Fassaden wurden in Sandfarben verputzt, die einen Kontrast zu den zahlreichen Details bildeten. Über der Umgebung ragte ein hoher vierseitiger Uhrturm empor, und die Fassaden wurden durch Gesimse, dekorative Giebel und Fensterbänder verziert. Das mehrfach geneigte Dach wurde mit Dachziegeln gedeckt. Die Residenz war von einem etwa 18 Hektar großen Landschaftspark mit altem Baumbestand, Alleen, Teichen und denkmalgeschützten Bäumen umgeben. Die Innenräume begeisterten mit repräsentativen Sälen, Holzvertäfelungen, Stuckarbeiten, Kaminen, Zierstreppen und Holzparkettböden und waren mit eleganten Möbeln, Antiquitäten und Kunstwerken ausgestattet.
Das Schloss in Runowo Krajeńskie und der Krieg
Während des Zweiten Weltkriegs blieb das Schloss unverändert im Besitz der Familie von Bethmann-Hollweg. Es ist bekannt, dass Hermann Göring hier weilte, und Überlieferungen zufolge soll auch Adolf Hitler das damalige Runau besucht haben. Die tragischsten Ereignisse in der Geschichte der Residenz seit 1595 ereigneten sich im Jahr 1945. Damals steckten die sich zurückziehenden deutschen Truppen das Gebäude in Brand. Das Feuer zerstörte die Dächer, Decken und fast die gesamte Einrichtung. Es war der zweite verheerende Brand in der über 600-jährigen Geschichte des Anwesens. Nach dem Krieg wurde das Anwesen verstaatlicht und ohne angemessene Pflege belassen. Dies führte dazu, dass die Reste der erhalten gebliebenen Einrichtungsgegenstände, Ausstattungselemente und Baumaterialien, aus denen das Schloss errichtet worden war, gestohlen wurden. Genau zu dieser Zeit ging die zweite Grundsteintafel verloren, die aus der Wand gerissen und als Treppenstufe in einem der Ämter in Runów verwendet wurde. Anschließend verschwand sie für immer.

Schloss Runowo – ein neues Leben
Seit 1997 befindet sich der Schloss- und Parkkomplex in privater Hand. Der Eigentümer restaurierte zunächst die Wirtschaftsgebäude, die ehemaligen Nebengebäude und Stallungen, die heute als Hotel, Restaurant, Konferenzzentrum und Reitstall unter dem Namen „Schloss Runowo“ genutzt werden. Leider ist die Residenz nach wie vor eine Ruine. Erhalten geblieben sind die Außenmauern, die gewölbten Kellerräume und der Uhrturm. Die Eigentümer bekunden seit Jahren ihren Willen, das Denkmal wieder aufzubauen, doch die Umsetzung eines so großen Vorhabens erfordert eine detaillierte Dokumentation, Absprachen mit der Denkmalschutzbehörde sowie sehr hohe finanzielle Aufwendungen.
Visualisierungen lassen das Schloss in Runowo Krajeńskie wiederauferstehen
Die Visualisierungen von Michał Szymankiewicz lassen das Schloss so erscheinen, wie es vor der Katastrophe von 1945 aussah. Der Architekt hat den Baukörper, die Fassaden, die Dächer und die unmittelbare Umgebung nachgebildet. Seine Arbeiten erinnern an die Größe der ehemaligen Residenz und ihre architektonischen Vorzüge. Wäre das Schloss am Ende des Krieges nicht in Brand gesteckt worden, könnte es heute zu den prächtigsten Neorenaissance-Residenzen des ehemaligen Krajna gehören. Wer weiß, vielleicht wird die Uhr im Schlossturm eines Tages wieder die Zeit anzeigen?

Quelle: palacrunowo.pl, polskaniezwykla.pl, krajna.pl
Visualisierungen: Architekt Michał Szymankiewicz
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Das Schloss in Runowo Krajeńskie heute und in einer Visualisierung. Quelle: Arch. Michał Szymankiewicz
Das Schloss in Runowo Krajeńskie im Jahr 1916 und die Ruinen heute. Foto: Digitale Bibliothek Polona und Joanna Syrenka/fotopolska.eu
Die Residenz vor dem Zweiten Weltkrieg und heute. Quelle: Digitale Bibliothek der Woiwodschaft Kujawien-Pommern und Gww, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Das Schloss heute und in einer Visualisierung. Quelle: Joanna Syrenka/fotopolska.eu und Arch. Michał Szymankiewicz










