Pałac w Tworkowie
wiz. Michał Szymankiewicz

Das Schloss in Tworków: seit fast 100 Jahren eine Ruine

Das Schloss in Tworków – oder besser gesagt seine Ruinen – ist heute ein attraktives und malerisches Denkmal der Woiwodschaft Schlesien. Die ehemalige Adelsresidenz, die von den nachfolgenden Familien mehrfach umgebaut und erweitert wurde, erlitt vor fast 100 Jahren bei einem verheerenden Brand erhebliche Schäden. Das Werk der Zerstörung wurde durch den Zweiten Weltkrieg und die Zeit der Volksrepublik Polen vollendet. Der Architekt Michał Szymankiewicz beschloss, digitale Visualisierungen des Schlosses zu erstellen, um zu zeigen, wie dieses Denkmal heute aussehen könnte.

Das Schloss in Tworków und seine Anfänge

Die Wurzeln der Residenz in Tworków reichen wahrscheinlich bis ins Mittelalter zurück. An der Stelle des heutigen Schlosses stand damals eine gotische Festung, deren Spuren unter anderem in den Kellerwänden gefunden wurden. Die ersten Erwähnungen der Güter in Tworków stammen hingegen aus dem Jahr 1525. Eine Schlüsselfigur für die Entwicklung dieses Ortes war Kasper Wiskota von Wodnik, ein Landrichter, der nach dem Kauf des Anwesens mit dessen Umbau begann. Als symbolisches Entstehungsdatum der Residenz gilt das Jahr 1567, das in ein Steinelement des Turms eingraviert ist. In den folgenden Jahren modernisierten die Besitzer Tworków und machten es noch prächtiger, indem sie weitere Flügel und andere Elemente des Schlosses anbauen ließen.

Pałac w Tworkowie
Der Palast auf einer Postkarte aus dem Jahr 1911. Quelle: Niederschlesische Digitale Bibliothek

Das Schloss in Tworków im Besitz schlesischer Adelsgeschlechter

Über Jahrhunderte hinweg wechselte Tworków mehrfach den Besitzer. Zu den Besitzern gehörten unter anderem Johann von Beeß von Cöln und Katowitz, die Familie Charwat, die Lassots, die Lichnowskis, die Boreccy, die Reiswitz, die von Trach und die Eichendorffs. Während des Dreißigjährigen Krieges diente das Schloss als Militärquartier. Ende des 18. Jahrhunderts legte die Familie Eichendorff rund um die Residenz einen Landschaftspark im englischen Stil an und vergrößerte die Teiche. In der nahegelegenen Kirche sind bis heute die reich verzierten Sarkophage der Familie von Reiswitz zu sehen, darunter eine einzigartige Sammlung von polychromierten Kindersärgen, die als die größte ihrer Art in Polen gilt.

Eine in ganz Schlesien bekannte Brauerei

Die letzten Bewohner des Schlosses waren die Familie von Saurma-Jeltsch, die sich 1841 in Tworków niederließ. In den Jahren 1872–1874 wurde auf ihre Initiative hin ein grundlegender Umbau nach einem Entwurf von Karl Heidenreich durchgeführt, einem Architekten, der auch mit den Schlössern in Kopice und Pławniowice in Verbindung stand. Die Residenz erhielt damals ein elegantes, neorenaissanceartiges Erscheinungsbild, unter anderem mit einem Uhrturm und Arkaden im Innenhof. In der Nähe befand sich zudem eine 1839 gegründete Familienbrauerei. Dort wurde Bier nach bayerischer Art gebraut, das erste seiner Art in Oberschlesien. Nach der Modernisierung der Brauerei im Jahr 1852 begann man auch mit der Herstellung von Pilsner Bier. Die Beliebtheit der Brauerei war so groß, dass in der Saison Sonderzüge von Racibórz verkehrten, die Gäste zur Schlossbrauerei und in den Biergarten brachten!

Pałac w Tworkowie
Das Schloss in Tworków heute und auf einer Zeichnung von Michał Szymankiewicz

Das Feuer war aus 60 km Entfernung zu sehen

Eine tragische Nacht vom 8. auf den 9. Januar 1931 veränderte alles. Damals brach über dem Schloss in Tworków ein Feuer aus, das sich rasend schnell auf fast das gesamte Dach einschließlich der Türme ausbreitete. Das Feuer war so gewaltig, dass der Feuerschein angeblich sogar aus einer Entfernung von 60 Kilometern zu sehen war. Von Anfang an gab es den Verdacht, dass die Residenz in Brand gesteckt worden sei, um eine Entschädigung zu erlangen. Der Versicherer verweigerte jedoch die vollständige Auszahlung der Versicherungssumme, und der langjährige Rechtsstreit endete damit, dass den Eigentümern von Tworków 100.000 Mark statt der geforderten halben Million zugesprochen wurden. Und was wurde aus dem Schloss? Nach dieser Tragödie wurde es nicht wieder aufgebaut. Es wurde lediglich mit einem provisorischen Dach gesichert, und sein früherer Glanz begann allmählich zu verblassen.

Das Schloss in Tworków als dauerhafte Ruine

Im März 1945 wurde das Schloss geplündert und erneut in Brand gesetzt, wahrscheinlich von den Russen. Damals brannte das Gebäude vollständig nieder. Im Jahr 1957 wurde sogar eine Genehmigung zum Abriss erteilt, da man die Ruinen für nicht wiederaufbaufähig hielt. Glücklicherweise wurde diese Entscheidung nicht umgesetzt. In den folgenden Jahrzehnten stand das Schloss daher als Schatten seiner früheren Pracht da, verfiel und zerfiel nach und nach. Im Jahr 2003 übernahm die Gemeinde Krzyżanowice die Ruine und begann mit Sicherungsarbeiten, die bis heute fortgesetzt werden. Dank Mitteln aus einem polnisch-tschechischen Sanierungsprojekt im Wert von 715.000 Euro gelang es, den Turm zu renovieren, die Mauern zu sichern und das Gelände für Besucher zugänglich zu machen. Seit Mitte 2020 kann man den Aussichtsturm, von dem aus sich ein Panoramablick auf die Umgebung bietet, kostenlos besteigen. Obwohl die Blütezeit des Schlosses in Tworków vor fast 100 Jahren vorbei ist, können wir uns seine Pracht dank verschiedener Initiativen vorstellen, wie zum Beispiel der von Michał Szymankiewicz. Seine Visualisierungen sind zwar keine perfekten Nachbildungen der ehemaligen Residenz, geben jedoch deren einstigen Glanz und Charme gut wieder.

Quelle: zabytek.pl

Visualisierungen: Arch. Michał Szymankiewicz

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