Das legendäre „Seemannshaus“ in Gdynia stand kürzlich im Mittelpunkt des Interesses. Grund dafür ist eine am 9. Juli dieses Jahres unterzeichnete Absichtserklärung, die den Weg für die Wiederherstellung des früheren Glanzes und der ursprünglichen Funktion dieses etwas in Vergessenheit geratenen Denkmals ebnet. An diesem wichtigen Punkt lohnt es sich, die Frage nach der Zukunft des Gebäudes selbst zu stellen. Das ursprünglich im Geiste des Gdynia-Modernismus erbaute Gebäude wurde nämlich im Laufe seiner fast hundertjährigen Geschichte ziemlich stark umgebaut und erinnert heute überhaupt nicht mehr an den eleganten Vorkriegsentwurf von Adam Knauff. Wird es gelingen, es wiederherzustellen?
Gemeinsame Initiative für das historische Hotel
Am 9. Juli 2026 unterzeichneten die Stadt Gdynia, die Polnische Hotelholding, die Agentur für Industrieentwicklung sowie die Gesellschaft „Dom Marynarza“ eine Absichtserklärung, mit der die Zusammenarbeit bezüglich der Zukunft des an der Al. Marszałka Józefa Piłsudskiego 1. Das Dokument leitet die Phase der wirtschaftlichen, rechtlichen und technischen Analysen ein, die dem gesamten Investitionsvorhaben vorausgehen. An der Feier nahmen Tomasz Augustyniak, Vizebürgermeister von Gdynia, Marek Zaleśny, Vizepräsident der Agentur für Industrieentwicklung, Piotr Pawłowski, Geschäftsführer der Gesellschaft „Dom Marynarza“, sowie Rafał Szmytke, Geschäftsführer der Polnischen Hotelholding. Die Partner bekräftigen ihre Absicht, ein Projekt auszuarbeiten, dank dessen das Hotel seine führende Marktposition zurückgewinnen und erneut zu einem wichtigen Ort für die Einwohner von Gdynia und die Besucher der Stadt werden soll.
„Dom Marynarza“ in Gdynia – die Anfänge
Die Anfänge der Geschichte des Gebäudes reichen bis in die Zeit des großen Baubooms zurück, der in Gdynia in der Zwischenkriegszeit einsetzte. Im Jahr 1928 wurde auf einem Grundstück an der damaligen Aleja Kasyna mit dem Bau des eleganten „Dom Zdrojowy“ nach einem Entwurf des Warschauer Architekten Adam Knauff begonnen. Die Lage wurde nicht zufällig gewählt. Der sich entwickelnde Sommerkurort Gdynia verlagerte sich in Richtung Orłowo, und das in einem von Hügeln geschützten Tal gelegene Grundstück, das sich im Osten zum Meer hin öffnete, eignete sich hervorragend für einen repräsentativen Erholungskomplex. Die feierliche Eröffnung fand zu Beginn der Sommersaison 1929 unter Beteiligung des Vorsitzenden der Warschauer Gesellschaft für Seebäder statt. Das prächtige, modernistische Gebäude gehörte damals zu den exklusivsten Küstenhotels an der polnischen Küste. Es zeichnete sich durch einfache geometrische Formen und eine funktionalistische Ästhetik aus, die die maritimen Ambitionen der sich entwickelnden Stadt perfekt widerspiegelten. Den Gästen standen komfortable Zimmer, ein Restaurant, ein Tanzsaal, ein Billardraum sowie ein moderner Komplex mit 26 Becken für kalte und warme Meerwasserbäder zur Verfügung. Zehn Jahre später brach der Zweite Weltkrieg aus, der Gdynia jedoch weitaus schonender behandelte als Danzig, weshalb das Gebäude erhalten blieb.

Der Krieg und die Umnutzung des Gebäudes
Während der deutschen Besatzung wurde das Gebäude unter dem Namen „Marine Gemeinschaftsheim Strandhotel“ betrieben. Nach Kriegsende wurde es von der Marine beschlagnahmt und 1947 an die Polnische Handelsmarine übergeben, um dort als „Seemannsheim“ zu dienen. Vier Jahre später übernahm die Polnische Ozeanlinie die Nutzung. Vor dem Gebäude wurde damals ein 12 Tonnen schwerer Anker aufgestellt, der von dem alten Kreuzer „Bałtyk“ stammte, der 1942 von den Deutschen verschrottet worden war. In den folgenden Jahrzehnten diente das Hotel vor allem Menschen, die mit der maritimen Wirtschaft verbunden waren. Hier übernachteten Seeleute und ihre Familien, die auf die Rückkehr ihrer Angehörigen von monatelangen Seereisen warteten.
Der Umbau, der alles veränderte
Die größten Veränderungen, die aus heutiger Sicht äußerst nachteilig waren, fanden Anfang der 1950er Jahre statt. Damals wurde das Hotel um weitere Stockwerke erweitert, wodurch der elegante Charakter seines Baukörpers vollständig zunichte gemacht wurde. Auf diese Weise wurden die Proportionen der ursprünglichen Komposition zerstört und das Gebäude in einen langweiligen, sozialrealistischen Quader verwandelt. Heute wird der Umbau des „Seemannshauses“ in Fachkreisen der Architekturhistoriker oft als einer der größten Verluste im Erbe des Gdyniaer Modernismus angesehen. Trotz dieser Veränderungen dient das Gebäude weiterhin als Hotel und befindet sich auf dem Gelände eines städtebaulichen Ensembles, das in das Denkmalregister eingetragen ist.
Wird das „Seemannshaus“ in Gdynia seine ursprüngliche Form wiedererlangen?
Die unterzeichnete Absichtserklärung bietet die Chance, eine neue Etappe in der Geschichte des Gebäudes einzuleiten, doch eine vollständige Wiederherstellung seiner Vorkriegsgestaltung scheint eher unerreichbar. Denn im Zuge der verhängnisvollen Umgestaltung wurde die Raumaufteilung des Gebäudes verändert, weitere Stockwerke angebaut und die gesamte Konstruktion dauerhaft umgestaltet. Eine Rekonstruktion in der vor fast 100 Jahren vom Architekten Adam Knauff vorgeschlagenen Form würde den Abriss der späteren Anbauten, detaillierte Archivrecherchen sowie kostspielige Bauarbeiten erfordern. Zwar liegen noch keine konkreten Angaben zum Projekt vor, doch scheint eine umfassende Sanierung und die Hervorhebung des aktuellen Zustands ein weitaus realistischerer Ansatz zu sein. Sollte das gesamte Projekt verwirklicht und unter Wahrung des architektonischen Erbes durchgeführt werden, hat das „Seemannshaus“ die Chance, auf der Landkarte von Gdynia wieder zu glänzen. Vielleicht nicht in seiner perfektesten Form, aber mit dem gesamten Erbe und der großartigen Geschichte des ersten großen Seehafens, der von der Zweiten Polnischen Republik erbaut wurde.
Quelle:gdynia.pl
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