Der Bahnhof in Mikołów soll abgerissen werden. Die PKP hat beschlossen, das bisherige Gebäude abzureißen und ein neues zu errichten. Für die Anwohner bedeutet dieses Projekt lang erwartete Veränderungen nach Jahren, in denen der Warteraum geschlossen war, doch die ganze Angelegenheit hat einen Haken. Der Bahnhof von Mikołów gehört heute zu einer sehr kleinen Gruppe erhaltener Beispiele der Eisenbahnarchitektur der 90er Jahre in Polen. Seien wir ehrlich: Das Gebäude galt nie als herausragend, aber es ist ein interessantes Zeugnis des politischen Wandels und der Ästhetik, die in der Anfangsphase der Marktwirtschaft im Land vorherrschte.
Der Bahnhof in Mikołów – die Anfänge
Die Eisenbahn erreichte Mikołów 1856 mit der Verbindung nach Orzesze und zwei Jahre später auch nach Ligota. Damals wurde in der Stadt ein repräsentativer Bahnhof mit Restaurant und Einrichtungen für Reisende errichtet. Leider brannte das Gebäude knapp 100 Jahre später während des Zweiten Weltkriegs nieder. Nach Januar 1945 wurden die Fahrgäste in einer provisorischen Holzbaracke abgefertigt, die überraschend lange, nämlich bis Anfang der 90er Jahre, in Betrieb war. Damals wurde sie durch einen völlig neuen gemauerten Bahnhof ersetzt, der 1993 in Betrieb genommen wurde. Das Gebäude stand fast genau an der Stelle des historischen Bahnhofs. Es war ein Symbol für den Wiederaufbau der polnischen Eisenbahn in den Realitäten des wirtschaftlichen Wandels, als unsere heimische Architektur nach dem Zusammenbruch der Volksrepublik Polen nach einer neuen Sprache suchte.
Architektur zu Beginn des Wandels
Der Bahnhof in Mikołów aus dem Jahr 1993 spiegelt die Ästhetik jener Zeit sehr gut wider. Seine komplexe Form mit versetzten Dächern, recht markanten Details, geometrischen Fassaden und einer Vielzahl von Verkleidungsmaterialien war typisch für öffentliche Bauvorhaben der frühen 90er Jahre. Im Gebäude lassen sich Ähnlichkeiten mit den Projekten von Stanisław Niemczyk erkennen, insbesondere mit der berühmten Siedlung „Osiedle nad Jamną” in Mikołów – wir haben HIER darüber berichtet. Der Bahnhof war zwar weder luxuriös noch besonders schön, hob sich aber deutlich von vielen typischen PKP-Projekten jener Zeit ab. Heute verschwinden ähnliche Gebäude schnell aus dem Stadtbild polnischer Städte, weshalb das Objekt zunehmend als interessantes Beispiel für die Architektur des späten 20. Jahrhunderts angesehen wird.

Der Bahnhof in Mikołów ohne Fahrgäste
Jahrelang gab es dort Fahrkartenschalter, Toiletten und einen Warteraum. Das änderte sich 2017, als der Bahnhof für Fahrgäste geschlossen wurde. Den Reisenden blieben nur noch die Bahnsteige und kleine Wartehäuschen. Das Gebäude selbst wurde jedoch weiter genutzt, allerdings zu kommerziellen Zwecken. Im Inneren konnte man zum Friseur, in einen Bekleidungsgroßhandel und in ein Fotostudio gehen, das im ehemaligen Warteraum eingerichtet worden war. Die Umnutzung des Gebäudes sorgte bei den Einwohnern und der Stadtverwaltung für nicht geringe Frustration. Bürgermeister Stanisław Piechula appellierte wiederholt an die PKP, die grundlegenden Einrichtungen für Reisende wiederherzustellen.
Die PKP wählt ein neues Gebäude
Die Situation änderte sich erst im Jahr 2025, nachdem das Programm „Passagierfreundliche Bahnhöfe“ angekündigt wurde, das vom PKP-Vorstandsvorsitzenden Alan Beroud während des Europäischen Wirtschaftskongresses in Katowice vorgestellt wurde. Mikołów wurde in die Liste der vorrangigen Investitionen aufgenommen. Die PKP kam zu dem Schluss, dass das derzeitige Gebäude nicht den modernen Standards entspricht und aufgrund der Lage des Bahnhofs an einem Hang nur schwer umgebaut werden kann. Daher entstand die Idee, es abzureißen und einen neuen Bahnhof zu errichten. Dieser soll unter anderem mit einem Aufzug und einer behindertengerechten Infrastruktur ausgestattet werden. Das Projekt wird vom Architekturbüro An Archi Group vorbereitet, der Baubeginn ist für die zweite Hälfte des Jahres 2027 geplant.
Immer weniger Architektur der 90er Jahre
Der geplante Abriss des Bahnhofs in Mikołów ist jedoch weit mehr als nur ein weiteres Eisenbahnprojekt. Die Absichten der PKP haben viele dazu veranlasst, darüber nachzudenken, welche Gebäude aus den 90er Jahren es verdienen, geschützt zu werden und einen Platz in der Architekturgeschichte einzunehmen. Nach der Bekanntgabe der Arbeiten am Umbauprojekt für den Bahnhof in Mikołów entstanden Initiativen zur Rettung des Bahnhofs. Der Verein zum Schutz der Nachkriegsarchitektur kündigte an, einen Antrag auf Eintragung des Bahnhofs in das Denkmalregister der Woiwodschaft Schlesien zu stellen. Auch Architekten, Architekturhistoriker und Publizisten meldeten sich zur Verteidigung des Gebäudes zu Wort und wiesen darauf hin, dass sich das Objekt von den typischen PKP-Bahnhöfen der 90er Jahre abhebt und sehr gut mit der lokalen Umgebung harmoniert. Zusätzliches Interesse weckte die Information, dass der Entwerfer des Gebäudes Jerzy Bierwiaczonek war, ein mit Schlesien und der dortigen Architekturszene verbundener Architekt.

Neben sentimentalen Gründen gibt es auch ökologische Argumente. Nach Ansicht der Befürworter ist der Bahnhof in Mikołów modernisierungsfähig und muss nicht sofort abgerissen werden. Sollte es jedoch dazu kommen, womit wird die PKP Mikołów dann „beglücken“? Es ist sehr wahrscheinlich, dass es nichts Interessantes sein wird, sondern wohl ein anonymer Pavillon, wie er für die neuesten Investitionen der Bahn typisch ist. Bauten aus der Zeit des Umbruchs galten lange Zeit als zu jung und zu gewöhnlich, um als Kulturerbe betrachtet zu werden. Es ist eine Tatsache, dass der Bahnhof in Mikołów keine Architektur von höchstem Niveau aufweist, aber er ist ein materielles Zeugnis einer äußerst wichtigen Epoche: des Übergangs zwischen der schweren Zeit der Volksrepublik Polen und der neuen Realität sowie der wirtschaftlichen Freiheit. Schon allein aus diesem Grund sollte er geschützt werden.
Quelle: mikolow.eu, naszagazeta.info
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