Szklany Pałac w Heerlen
Rijksdienst voor het Cultureel Erfgoed, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Der Glaspalast in Heerlen ist fast 100 Jahre alt. Das ist kaum zu glauben

Noch vor dem Zweiten Weltkrieg entstand in der kleinen niederländischen Stadt Heerlen ein Gebäude, das an die Architektur einer fernen Zukunft erinnerte. Das Glaspaleis, also der „Glaspalast“, gilt bis heute als Ikone der europäischen Moderne und Symbol der Strömung „Nieuwe Bouwen“. Der fast vollständig verglaste Baukörper aus dem Jahr 1935 löste damals Bewunderung, aber auch Empörung bei einem Teil der Einwohner aus. Nach Jahren der Vergessenheit und einer hervorragenden Renovierung zur Jahrtausendwende zieht das Gebäude heute die Aufmerksamkeit von Architekten aus aller Welt auf sich.

Der Glaspalast in Heerlen – einer Bergbaustadt

Das Glaspaleis entstand in den Jahren 1934–1935 an der Stelle eines heruntergekommenen Häuserblocks am Marktplatz in Heerlen. Das Gebäude sollte von Anfang an ein äußerst modernes Kaufhaus werden und erhielt schließlich den Namen Modehuis Schunck. Hinter dem Projekt stand Peter Schunck, Inhaber eines seit 1874 bestehenden familieneigenen Textilunternehmens. Zu jener Zeit blühte Heerlen dank der Kohlebergwerke auf, und der Unternehmer wollte einen Ort schaffen, der den neuen Standards des Handels entsprach. Den Entwurf für sein Lebenswerk beauftragte er beim niederländischen Architekten Frits Peutz, der sich von europäischen Kaufhäusern und avantgardistischen modernistischen Gebäuden inspirieren ließ. Einen besonders überwältigenden Eindruck hinterließen bei ihm Les Grands Magasins Decré in Nantes, entworfen von Henri Sauvage, sowie die berühmte Van-Nelle-Fabrik in Rotterdam.

Mehr Glas als im Bauhaus

Das Ergebnis erwies sich für die Mitte der 1930er Jahre als überraschend gewagt und innovativ. Die Fassaden des Gebäudes waren fast vollständig mit Glas verkleidet, weshalb die Einwohner von Heerlen das Gebäude bald als „Glaspalast“ bezeichneten. Einigen Architekturhistorikern zufolge wies das Gebäude sogar eine größere Glasfläche auf als das berühmte Bauhaus in Dessau. Der neunstöckige Bau ruhte auf einem Stahlbetonskelett aus Stahl und Glas, während das Erdgeschoss mit Marmor, Holz und Kupfer verkleidet war. Im Inneren verzichtete man auf traditionelle tragende Wände. Jede Etage wurde von etwa 30 charakteristischen Säulen mit „pilzförmigen“ Köpfen gestützt, während die balkenlosen Decken den Räumen eine einzigartige Leichtigkeit verliehen. Peutz bezeichnete seinen Entwurf als „stacked market“, also einen mehrstöckigen Markt unter einem Dach.

Szklany Pałac w Heerlen
Rijksdienst voor het Cultureel Erfgoed, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Der Glaspalast – Kontroversen und technologische Neuerungen

Für viele Einwohner des damals recht konservativen Heerlen erwies sich der ultramoderne Baukörper in der Nachbarschaft der mittelalterlichen Pancratiuskerk als zu radikal. Das Projekt wurde jedoch von Bürgermeister Marcel van Grunsven unterstützt, einem Befürworter avantgardistischer Architektur. Der Bau wurde in weniger als einem Jahr fertiggestellt und kostete etwa 184.500 Gulden, was heute etwa 1 Million Euro entspricht. Das Glaspaleis wurde im Handumdrehen zu einer europaweiten Sensation, auch aufgrund seiner fortschrittlichen Technologie. Im Gebäude befand sich unter anderem einer der ersten Aufzüge des Landes. Der Aufzugführer erzählte den Kunden von den Waren, die auf den einzelnen Etagen erhältlich waren, und die Fahrt selbst war eine lokale Attraktion. Die verglaste Fassade sorgte für mehr Tageslicht und trug dazu bei, ein angenehmes Raumklima im Kaufhaus zu gewährleisten.

Niedergang und Rettung vor dem Abriss

Nach der Schließung der Bergwerke in Limburg verschlechterte sich die Lage der Stadt erheblich. In den 1970er Jahren wurde das Glaspaleis so umgebaut, dass die ursprüngliche Vision von Peutz stark verwischt wurde. Transparente Fassaden wurden durch getönte Scheiben ersetzt, während zusätzliche Zwischengeschosse den Innenräumen ihre frühere Geräumigkeit nahmen. Mit der Zeit begann das Gebäude zu verfallen, und es gab sogar Überlegungen, es abzureißen. Erst in den 90er Jahren kam es zu einer Wende. 1993 wurde die Gruppe „Werkgroep Rehabilitatie Glaspaleis“ („Arbeitsgruppe zur Sanierung des Glaspalasts“) ins Leben gerufen, und zwei Jahre später erhielt das Gebäude den Status eines Rijksmonument, also eines niederländischen Nationaldenkmals. Damals begann die umfassende Sanierung, die von den Architekten Wiel Arets und Jo Coenen durchgeführt wurde. Im Rahmen der Arbeiten von 2001 bis 2003 wurden die historischen Stahlfensterrahmen, die Innenraumaufteilung und die charakteristischen Säulen, der ehemalige Aufzugsschacht sowie die vollständige Transparenz der Fassade wiederhergestellt. Die offizielle Eröffnung des renovierten Gebäudes fand am 30. Juni 2004 statt.

Szklany Pałac w Heerlen
Marktplatz in Heerlen und der Glaspalast, 1935 und 2026. Quelle: proxy.archieven.nl und Google Maps

Eine Ikone der Moderne erstrahlt in neuem Glanz

Heute beherbergt das „Glaspalast“ das Kulturzentrum SCHUNCK. Im Rahmen dessen wurden ein Museum für zeitgenössische Kunst und Architektur, eine Bibliothek, eine Musik- und Tanzschule sowie Ausstellungsräume eröffnet. Die Einrichtung widmet sich zudem der Stadtplanung und dem Erbe der ehemaligen Bergbauregion Limburg. Die heutige Bedeutung des Gebäudes reicht weit über Heerlen hinaus. Im Jahr 1999 wurde das Glaspaleis von der International Union of Architects in die Liste der 1000 bedeutendsten Gebäude des 20. Jahrhunderts aufgenommen. Es wird oft mit Ikonen der Moderne wie der Van-Nelle-Fabrik, dem Rietveld-Schröder-Haus oder dem Zonnestraal-Komplex verglichen. Wenn man diesen fast vollständig aus Glas bestehenden Baukörper betrachtet, kann man kaum glauben, dass seit seiner Eröffnung bereits fast 100 Jahre vergangen sind.

Quelle: schunck.nl, wielaretsarchitects.com, archiweb.cz

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