Der „Okrąglak“ in Breslau am Kościuszki-Platz hat ein neues Leben erhalten. Der markante Pavillon, der seit mehreren Jahrzehnten ein Wahrzeichen der Innenstadt ist, wurde zu einer neuen Filiale der „Chleboteka“ umgebaut. Die Innenarchitektur greift die modernistische Architektur des Gebäudes auf, und die Umgebung bietet nun zusätzlichen Raum zum Entspannen.
Der Breslauer „Okrąglak“ kehrt in den Stadtalltag zurück
Es gibt in Breslau nur wenige Gebäude, die so eng mit dem städtischen Alltag verbunden sind wie der „Okrąglak“ am Kościuszki-Platz. Fast 90 Jahre lang änderten sich seine Nutzer, Funktionen und Umgebung, doch der Pavillon selbst überstand sogar die Wirren des Krieges. Für viele Einwohner ist er ein Ort geblieben, der mit persönlichen Erinnerungen verbunden ist.
Der Pavillon aus dem Jahr 1934 überstand den Krieg
Der „Okrąglak“ entstand Anfang Juni 1934 am damaligen Tauentzienplatz. Der kleine Pavillon wurde von Paul Heim entworfen, einem Architekten, der auch an der Entwicklung des Breslauer Stadtteils Sępolno beteiligt war. Vor dem Zweiten Weltkrieg beherbergte der „Okrąglak“ eine Touristeninformation, in der man Reiseführer und Flugtickets kaufen sowie Theaterkarten reservieren konnte. Während der Belagerung der Festung Breslau im Jahr 1945 blieb das Gebäude erhalten, obwohl ein Großteil der Bebauung rund um den Platz zerstört wurde. Nach dem Krieg diente es nacheinander als Buchhandlung, Spielzeugladen, Kiosk der Organisation „Ruch“ und Verkaufsstelle für Tabakwaren. Im Jahr 2015 befand sich hier das Café „Etno Cafe“, und ein Jahrzehnt später begann ein neues Kapitel in der Geschichte des Pavillons, diesmal mit „Chleboteka“ als Betreiber.
Hinter der Neugestaltung des Gebäudes stehen zwei Breslauer Marken: Chleboteka und CUDO. In den kleinen Räumlichkeiten befindet sich heute eine Bäckerei mit Kaffee, frischem Gebäck und Süßigkeiten. Ein wichtiges Ziel des Projekts war es, den Innenraum zum Kościuszki-Platz hin zu öffnen. Große Fenster lassen die visuelle Grenze zwischen dem Lokal und dem öffentlichen Raum verschwinden, und eine runde Bank, die um den Pavillon herum verläuft, lädt dazu ein, sich auch außerhalb des Pavillons niederzulassen.

Modernismus im Innenraum der Chleboteka
Die Designer nutzten die Form des „Okrąglak“ als Ausgangspunkt für die Innenraumgestaltung. Das Motiv des Bogens und des Kreises wiederholt sich in der Theke, den Möbeln, der Decke und den Details der Ausstattung. Zudem kommen hier Materialien zum Einsatz, die mit der Architektur des 20. Jahrhunderts assoziiert werden: Furnier, Ornamentglas, Stahl und ein Bodenbelag, der von Mustern historischer Innenräume inspiriert ist, darunter die Warschauer „Gorseciki“ und „Czeczota“. Die warme Farbgebung knüpft an das Erscheinungsbild von Chleboteka und die im Lokal erhältlichen Produkte an. Auch die Beleuchtung spielt eine wichtige Rolle. Warmes Licht bringt die Farben des Brotes und der Backwaren zur Geltung und verleiht dem kleinen Innenraum gleichzeitig eine gemütlichere Atmosphäre. Die Lüftungs- und Klimaanlagen wurden in einer runden abgehängten Decke versteckt, deren Form sich aus der Geometrie des Pavillons ergibt.
Der „Okrąglak“ in Breslau: kleine Fläche, hohe Anforderungen
Eine der größten Herausforderungen für die Architekten war die Fläche der Räumlichkeiten. Auf der geringen Grundfläche musste Platz für den Verkauf, die Präsentation des Backwarensortiments, die Kaffeezubereitung, den Hinterraum, das Lager sowie die Mitarbeiterräume geschaffen werden. Im Mittelpunkt steht die Theke mit den Backwaren, über der eine zusätzliche Brot-Auslage angebracht wurde. Die Veränderungen betrafen auch den Außenbereich des Okrąglak – dessen Farbgebung wurde aufgefrischt. Da sich das Gebäude in einem denkmalgeschützten Bereich befindet, mussten die Arbeiten am Erscheinungsbild mit dem Denkmalschutzbeauftragten abgestimmt und entsprechende Unterlagen erstellt werden.

„Das kleine Herz von Breslau“
Für den Investor hat die neue Chleboteka auch aus sentimentalen Gründen eine besondere Bedeutung. Wie er betont, war der Okrąglak von Beginn an ein Ort, in dem man das Potenzial für ein weiteres Lokal sah.
„Okrąglak hat für jeden Breslauer eine ganz besondere sentimentale Bedeutung. Mit wem auch immer wir über dieses Gebäude sprechen, jeder erzählt seine eigenen Erinnerungen an diesen Ort. Seit den Anfängen der Chleboteka wussten wir, dass sich dieser Ort ideal für unsere Filiale eignen würde. […]
Man sagt, der Okrąglak sei das kleine Herz von Breslau. Jetzt, da wir dort die Chleboteka eröffnet haben, können wir das zu hundert Prozent bestätigen.“
Die Eröffnung hat für die Marke noch eine weitere Bedeutung. Die Chleboteka feiert in diesem Jahr ihr zehnjähriges Bestehen, und die Filiale im Okrąglak ist ihre zehnte Filiale. Der kleine Pavillon hat somit eine neue Funktion erhalten, die seine Größe und Form nutzt und ihm gleichzeitig wieder einen festen Platz im Alltag des Kościuszki-Platzes verschafft.
Quelle: Chleboteka, CUDO
Fotos: Migdał Studio
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