pałac w rybieńcu
fot. Mateusz Markowski/whitemad.pl

Der Palast in Rybieniec. Das Denkmal wurde in letzter Minute gerettet.

Rybieniec ist ein kleiner Ort in der Gemeinde Kiszkowo im Landkreis Gniezno. Der hier zu Beginn des 20. Jahrhunderts erbaute Palast diente viele Jahre lang als Hauptsitz des Landguts der Familie von Wendorff. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude vom Staat übernommen, woraufhin sein langsamer Verfall begann. Erst 2008 fand das stark vernachlässigte Objekt einen neuen Eigentümer. Der Unternehmer Mieczysław Trzeciak restaurierte es und öffnete es wieder für Besucher. Heute pulsiert das Schloss in Rybieniec, umgangssprachlich auch als Herrenhaus bezeichnet, wieder wie vor 100 Jahren.

Die Geschichte von Rybieniec und dem Anwesen

Die ältesten Informationen über die Umgebung beziehen sich auf das Dorf Rybno Małe, das bereits im 14. Jahrhundert in Quellen erwähnt wird. Der heutige Name Rybieniec tauchte erst in der Zwischenkriegszeit auf. Zuvor wurden verschiedene Bezeichnungen verwendet, darunter Rybno Sawickie oder Rybienko. Über Jahrhunderte hinweg befanden sich diese Güter im Besitz vieler Adelsfamilien. In den Dokumenten tauchen unter anderem die Namen Rybieńscy, Koszuccy, Niemojewscy, Zebrzydowscy und Przanowscy auf. Im 18. Jahrhundert gehörte das Anwesen Franciszek Bojanowski und später weiteren Eigentümern, die mit dem Adel der Umgebung verbunden waren. Im 19. Jahrhundert wechselte das Gut erneut mehrmals den Besitzer, bis es 1874 in einer Zwangsversteigerung verkauft wurde. Am Ende desselben Jahrhunderts umfasste der Hof mehrere hundert Hektar Felder, Wiesen und Wälder sowie Wirtschaftsgebäude.

Die Anfänge der Residenz der Familie von Wendorff

Eine neue Etappe in der Geschichte von Rybieniec begann 1902. Damals kaufte Wilhelm Wendorff, ein mit der Kreisverwaltung verbundener Wirtschaftsbeamter, das Anwesen. Einige Jahre später übertrug er das Gut seinem jüngsten Sohn Friedrich. Der junge Besitzer bezog das damals noch bestehende Herrenhaus aus dem 19. Jahrhundert. Bald darauf wurde beschlossen, einen neuen Familiensitz zu errichten. Der Bau begann 1914. Die Arbeiten dauerten mehrere Jahre und wurden um 1918 abgeschlossen. Dann zog Friedrich Wendorff mit seiner Frau Gertrud in die neue Residenz ein.

Das Schloss in Rybieniec – Architektur

Das Schloss in Rybieniec repräsentiert Formen des Späthistorismus mit Anklängen an die Barock- und Klassizismusarchitektur. Das Gebäude wurde aus Ziegelsteinen auf einem rechteckigen Grundriss mit mehreren vorspringenden Fassadenteilen errichtet. Der Baukörper hat ein Stockwerk und ein Obergeschoss, das in einem hohen, mit Ziegeln gedeckten Mansarddach versteckt ist. Die Frontfassade bildet eine Komposition mit einem zentralen Risalit, in dem sich der Haupteingang befindet. Das Portal ist halbkreisförmig geschlossen und von einem profilierten Rahmen mit Pilastern umgeben, die den Balkon tragen. Die Rückfassade hat zwei vorspringende Flügel und eine verglaste Veranda. Das gesamte Gebäude wurde auf einer Anhöhe über dem Ufer des Sees Rybno Małe errichtet, wodurch die Residenz die Landschaft der Umgebung dominiert.

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Foto: Mateusz Markowski/whitemad.pl

Innenräume der Residenz

Die Raumaufteilung hat weitgehend ihre ursprüngliche Komposition beibehalten. In der Mitte des Erdgeschosses befindet sich eine repräsentative Eingangshalle, die zum Hauptsalon führt. An ihren Seiten befinden sich weitere Räume mit repräsentativen und privaten Funktionen. Bis heute sind viele Einrichtungsgegenstände aus der Zwischenkriegszeit erhalten geblieben. Dazu gehören eine Holztreppe mit Balustraden, Keramikverkleidungen an den Kaminen und dekorative Kachelöfen. Eine Besonderheit ist der versteckte Durchgang, der vom Arbeitszimmer des Eigentümers zum ehemaligen Büro führt. Im westlichen Teil befanden sich die privaten Gemächer des Eigentümers und im Dachgeschoss die Wohnräume. Im Keller befanden sich hingegen die Küchen- und Wirtschaftsräume.

Park und Wirtschaftsgebäude

Die Residenz ist von einem über drei Hektar großen Landschaftspark umgeben. Die Anlage entstand bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts, noch bevor der heutige Palast gebaut wurde. Hier wachsen unter anderem Eichen, Kastanien, Ahornbäume, Eschen und Birken. Der Park wird durch den See Rybno Małe ergänzt, der ein wichtiges Element der räumlichen Komposition des gesamten Komplexes darstellt. In der Zwischenkriegszeit gab es hier auch einen ausgedehnten Gutshof. Auf seinem Gelände befanden sich Stallungen, Kuhställe, Schweineställe, Getreidelager und eine Molkerei. Der Hof war auf Viehzucht und Ackerbau auf mehreren hundert Hektar Land spezialisiert.

Die Kriegsjahre und das Ende des ehemaligen Anwesens

Das ruhige Leben der Familie Wendorff in Rybieniec wurde durch die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs beendet. Ende 1944 erhielten die Besitzer die Nachricht vom Tod ihres jüngsten Sohnes, der an der Ostfront gefallen war. Bald darauf kam auch ihr zweiter Sohn ums Leben. Anfang 1945 verließ das Ehepaar das Anwesen, als sich die Front näherte. Kurz darauf marschierten Truppen der Roten Armee in Rybieniec ein. Das Schloss wurde geplündert und ein Teil der Einrichtung zerstört. Der Besitzer hatte jedoch vor seiner Abreise einen Teil der wertvollen Gegenstände auf dem Anwesen versteckt.

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2008. Quelle: Archiv des Schlossbesitzers

Das Schloss in Rybieniec und sein Schicksal nach 1945

Nach dem Krieg wurden die Ländereien von der Volksrepublik Polen übernommen. Auf dem Gelände des Gutshofs entstand ein staatlicher Landwirtschaftsbetrieb, der dem Werk in Rybno Wielkie unterstellt war. Die Innenräume der verlassenen Residenz der Familie Wendorff wurden in Wohnungen für die Mitarbeiter des Betriebs aufgeteilt. Zuvor wurden die meisten wertvollen Einrichtungsgegenstände aus dem Gebäude entfernt. In den folgenden Jahrzehnten fungierte das Schloss in einer veränderten Rolle, und sein technischer Zustand verschlechterte sich allmählich. Erst die politischen Umwälzungen am Ende des 20. Jahrhunderts brachten die Möglichkeit mit sich, das Anwesen an eine Privatperson zu verkaufen und damit seine Überreste zu retten.

Rettung und neues Leben für die Residenz

Der Durchbruch kam 2008, als ein neuer Eigentümer das Schloss zusammen mit dem Park kaufte. Er verliebte sich auf den ersten Blick in Rybieniec und begann daher bald mit umfangreichen Renovierungsarbeiten. Im Rahmen der Wiederbelebung des Palastes wurden viele Elemente der Innenausstattung rekonstruiert und die erhaltenen Elemente renoviert, der Park mit dem Teich wurde aufgeräumt und das repräsentative Aussehen des gesamten Komplexes wiederhergestellt. Im Laufe der Arbeiten kam es auch zu einigen Veränderungen an der Gebäudestruktur. Auf der Seeseite entstand ein großer Restaurantraum mit einer Terrasse im Obergeschoss, der an die bestehende Komposition des Gebäudes angepasst wurde.

Der Palast in Rybieniec heute

Heute zieht die renovierte Residenz wieder Gäste an. In den ehemaligen Kellern befindet sich ein Restaurant, und ein Teil der Räume dient als Unterkunft und Veranstaltungsort. Der Eigentümer Mieczysław Trzeciak ergänzt nach und nach die Ausstattung und versucht, die Atmosphäre von vor 100 Jahren wiederherzustellen. Der Palast in Rybieniec ist heute eines der interessantesten Beispiele für Landadelresidenzen in diesem Teil Großpolens. Nach Jahren der Vernachlässigung hat er seine frühere Eleganz zurückgewonnen und zeugt erneut von der reichen Geschichte der Region.

Foto: Mateusz Markowski/whitemad.pl

Quelle: Materialien des Schlossbesitzers Mieczysław Trzeciak – facebook.com/dworrybieniec

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Der Palast im Jahr 1920 und 2026. Quelle: Sammlung der Familie von Wendorff/Archiv von K. Soberski und Mateusz Markowski/whitemad.pl

Das Denkmal im Jahr 1991 und heute. Quelle: zabytek.pl/karta zabytku und Mateusz Markowski/whitemad.pl

Der Palast in Rybieniec im Jahr 2008 und 2026. Quelle: Materialien des Palastbesitzers und Mateusz Markowski/whitemad.pl