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Der schlimmste Wolkenkratzer in der Geschichte von NYC – das Gillender Building wurde abgerissen

Von der Errichtung des Gillender Building im Jahr 1897 bis zu seinem Abriss vergingen nur 13 Jahre. Das Gillender Building war das erste Hochhaus der Welt, das abgerissen wurde, und das tragische Schicksal des Gebäudes war das Ergebnis einer Entscheidung seiner Eigentümerin. Das Gebäude fiel durch seine unausgewogenen Proportionen und seinen für damalige Verhältnisse recht hohen Turm auf. Allerdings wies das Gebäude einen für die ersten Wolkenkratzer typischen Mangel auf: Die darin angebotene Bürofläche war beengt und zu klein. Leider teilten einige Jahrzehnte später andere, weitaus wertvollere Wolkenkratzer aus jener Zeit das Schicksal des „schlechtesten Wolkenkratzers von New York“.

Schneller Gewinn

Die Entstehungsgeschichte des Gillender Building ist voller Gerüchte und Unklarheiten. Helen L. Gillender Asinari – die Tochter des Millionärs Eccles Gillender – war eine recht wohlhabende Eigentümerin eines mehrstöckigen Mietshauses an der Kreuzung von Wall Street und Nassau Street. In den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts begann sich New York, genauer gesagt Manhattan, mit bahnbrechenden Wolkenkratzern wie dem New York World Building oder später dem damals höchsten Gebäude, dem Singer Building, zu füllen. Jeder wohlhabendere Grundstückseigentümer wollte seinen eigenen repräsentativen Wolkenkratzer besitzen, der zum Symbol der Stadt werden sollte. Große New Yorker Unternehmen wie beispielsweise J.P. Morgan waren ihrerseits ständig auf der Suche nach modernen Büroflächen.

Im Jahr 1896 wollte Helen Gillender das Potenzial eines gut gelegenen Grundstücks an der Wall Street besser nutzen und entschied sich für den Bau eines modernen Wolkenkratzers. Presseberichte aus jener Zeit besagen, dass die Grundstückseigentümerin sich für einen eiligen Bau des Wolkenkratzers entschied, um noch vor Inkrafttreten neuer Gesetze, die den von Wolkenkratzern geworfenen Schatten begrenzten, fertig zu werden. Tatsächlich wurde ein solches Gesetz in New York jedoch erst 1916 in Kraft gesetzt. Wie dem auch sei, der Gillender-Wolkenkratzer entstand in Rekordzeit, da die gesamten Bauarbeiten in nur 10 Monaten abgeschlossen wurden. Erwähnenswert ist noch, dass die damalige Presse berichtete, der Bauherr des Gebäudes sei ein gewisser Augustus T. Gillender. Diese Information wurde jedoch von der Eigentümerin des Grundstücks richtiggestellt.

Foto: Public Domain

Ein Haus auf Sand

Trotz des rasanten Bautempos standen die Architekten Charles Berg und Edward Clarke vor einer sehr schwierigen Aufgabe. Der Boden, auf dem der Wolkenkratzer entstehen sollte, war sandig, was die Errichtung eines so hohen Bauwerks erschwerte. Aus diesem Grund entschied man sich für Fundamente auf Stahlkästen (Caissons) und ein modernes Stahlskelett. Die Fassade wurde mit Terrakotta-Platten, Granit und Kupferelementen verkleidet. Das größte Problem für Berg war jedoch nicht der sandige Boden, sondern die unverhältnismäßigen Abmessungen des Gebäudes, die sich aus der Grundstücksfläche ergaben. Ein großer Teil der Nutzfläche wurde von Aufzügen und Treppen eingenommen, sodass der gesamte Wolkenkratzer letztlich nur 2.800 m² Bürofläche bot. Zudem war das Gebäude an seiner breitesten Stelle nur 8 m breit, während sich die Fassade über eine Länge von 22 m erstreckte. Das Gebäude ragte 83 m in die Höhe, was bedeutet, dass das Verhältnis von Breite zu Höhe 10,5:1 betrug.

Die Verzierungen der Fassade des Gillender Building folgten den damals vorherrschenden Trends. Aus diesem Grund erhob sich ein hoher, bossierter Sockel mit langen Erkern, und ganz oben befand sich ein stufenförmiger Abschluss. Dieser obere Teil wurde im Stil des italienischen Barocks gestaltet, daher die Pracht der Pilaster, der reich verzierten Kapitelle und Gesimse. Das Ganze wurde von einer Kuppel mit Kupferdach und einer Flagge gekrönt.

Das Schlimmste?

Es ist nicht ganz klar, warum Helen Gillender sich zum Verkauf des Gebäudes entschloss. Höchstwahrscheinlich waren es große New Yorker Unternehmen, die sich als Erste mit einem Kaufangebot an die Eigentümerin wandten. Es ist bemerkenswert, dass bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts Grundstücke in Manhattan an Wert gewannen und das Grundstück selbst wertvoller war als das darauf stehende Gebäude. Im Jahr 1909 verkaufte die Eigentümerin das Grundstück mit dem Wolkenkratzer an die Firma Bankers Trust für 1,5 Millionen Dollar (damaliger Wert). Das bedeutet, dass Helen Gillender mit der Transaktion das Doppelte des Betrags verdiente, den sie 13 Jahre zuvor in den Wolkenkratzer investiert hatte.

Bankers Trust riss den unpraktischen und ineffizienten Wolkenkratzer bereits 1910 ab. Der Abriss fand im Stadtzentrum statt, weshalb die Arbeiter besondere Vorsicht walten lassen mussten; das beim Abriss gewonnene Material wurde für den Bau eines neuen Wolkenkratzers verwendet. Das Bankers Trust Building entstand 1912 auf dem Grundstück des ehemaligen Gillender Building und steht dort bis heute. Der 160 m hohe Wolkenkratzer bietet 100.000 m² Bürofläche und soll an eines der Weltwunder erinnern – das Mausoleum von Halikarnassos.

Heute erinnert sich kaum noch jemand an das skurrile Gillender Building. Auch wenn die Geschichte des Gebäudes eine wichtige Lehre für zukünftige Architekten war, ereilte viele spätere Wolkenkratzer dennoch ein ähnliches Schicksal. Obwohl die Architektur des Gillender Building vielen Einwohnern gefiel, stand der Wolkenkratzer jahrzehntelang an der Spitze der Liste der architektonischen Fehlschläge New Yorks. Aktuelle Projekte in Manhattan wie beispielsweise das 432 Park Avenue zeigen jedoch, dass der Kampf um den Titel „schlechtester Wolkenkratzer New Yorks“ weiterhin andauert.

Quelle: Skyscraper Museum

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