Der Bau des AFI Tower im Warschauer Stadtteil Wola eröffnet ein neues Kapitel in der Realisierung des Komplexes Towarowa22. Der von JEMS Architekci entworfene Wolkenkratzer wird das höchste Element des Komplexes und sein markantestes Merkmal sein. Der AFI Tower ist nun in neuen Visualisierungen zu sehen.
Towarowa22 ist ein 6,5 Hektar großes, multifunktionales Viertel, das von AFI, Echo Investment und Archicom Collection entwickelt wird. In seiner Struktur verschmelzen Büros, Wohnungen, Gastronomie, Dienstleistungen und Kulturräume miteinander. Der neue Turm schließt diese Sequenz ab, ordnet die städtebauliche Komposition und führt ein markantes Dominante ein, das von vielen Punkten der Stadt aus sichtbar ist. Der obere Teil des Gebäudes wird nämlich 150 m hoch sein.
Die Architekten von JEMS betonen, dass das Projekt auf einer gründlichen Analyse der Umgebung basiert. Die Beziehung der Fassade zur Umgebung, die Reaktion auf Wind und Sonne. Maciek Rydz, Partner bei JEMS, erklärt: „Ein Wolkenkratzer muss naturgemäß ein effizienter, rechteckiger Quader sein. Dennoch haben wir versucht, aus dieser Notwendigkeit etwas mehr herauszuholen.” Das Team begann mit einem rationalen Plan mit einem zentralen Kern und verschob dann die Stockwerke relativ zueinander. Dieser scheinbar einfache Eingriff verlieh dem Baukörper Dynamik und ermöglichte die Schaffung von Terrassen, Absätzen und schattigen Vorsprüngen. Um den Investoren die Idee zu veranschaulichen, verwendeten die Architekten einen Stapel Bücher – eine Metapher, die letztendlich das gesamte Projekt strukturierte und eine Hommage an das Dom Słowa Polskiego (Haus des polnischen Wortes), eine ehemalige Druckerei, die ein wichtiger Bezugspunkt für Towarowa 22 ist, darstellte.

Der Turm besteht aus zwei Teilen: einem höheren, etwa 150 Meter hohen Teil, der zum Daszyńskiego-Kreisverkehr hin offen ist, und einem niedrigeren, 85 Meter hohen Teil, der zum Inneren des Viertels hin ausgerichtet ist. Der Höhenunterschied schafft einen fließenden Übergang vom intensiven Verkehrsknotenpunkt zum Garten und zu den Wohngebäuden. Die Versätze der Stockwerke erzeugen tiefe Schattierungen der Fassaden, die besonders in den oberen Teilen des Gebäudes sichtbar sind, wo Terrassen und Überhänge den dynamischsten Rhythmus bilden. Marcin Citko, Mitautor des Entwurfs, betont die Bedeutung der „sechsten Fassade”, d. h. der Zeichnung der von der Straße aus sichtbaren Decken: „Diese Decken spielen mit Licht und Schatten und spiegeln das Leben auf den Terrassen wider, die hoch über dem städtischen Erdgeschoss schweben.”
Eine der größten Herausforderungen war es, mit den Winden fertig zu werden, die an der Fassade entlangwehen. Nach gemeinsamen Analysen mit Buro Happold entschied man sich für eine poröse Fassade und stark reliefierte Ecken. „Die Luft fällt nicht in einer großen Fläche herab, sondern zerfällt in kleinere Ströme”, erklärt Rydz. Die Terrassen dienen auch als Schutz vor Überhitzung und ermöglichen das Öffnen der Fenster, wodurch die für Glastürme typische Barriere zwischen Innenraum und Stadt durchbrochen wird. Dies ist ein bewusster Schritt in Richtung natürlicher Belüftung und der Schaffung von Ruheorten für die Nutzer, ganz im Sinne des Wellbeing-Konzepts, das eine der Grundlagen des Projekts ist.

Der AFI Tower bleibt der Metall-Glas-Ästhetik der Umgebung des Daszyński-Kreisverkehrs treu und verzichtet zugunsten von Licht- und Strukturspielen auf Dekorativität. Die zweistöckige Eingangshalle öffnet sich zu den Gärten der Towarowa 22, und auf dem Dach des unteren Teils des Turms entsteht ein Garten, der 85 Meter über dem Boden schwebt. Von den oberen Stockwerken aus hat man einen Blick auf eine Reihe von Grünflächen – von der Terrasse bis zum zentralen Garten rund um das Dom Słowa (Haus des Wortes) –, was die Hierarchie des gesamten Komplexes verstärkt.
Der Turm korrespondiert mit dem benachbarten AFI Office House. Beide Gebäude unterscheiden sich in ihrem Charakter, aber sie verbinden eine gemeinsame städtebauliche Sprache und die Nichtwiederholbarkeit der Fassaden. Citko fasst zusammen: „Das AFI Office House und der AFI Tower konkurrieren nicht miteinander, sondern arbeiten im Rahmen einer gemeinsamen städtebaulichen Sprache zusammen”. Das Ergebnis ist eine Komposition, in der jedes Element seine eigene Identität hat und gleichzeitig das Ganze verstärkt – ganz im Sinne des Ziels, Towarowa 22 zu einem der bewusstesten gestalteten Teile des modernen Warschaus zu machen.
Entwurf: JEMS Architekci
Team: Grzegorz Artymiński, Łukasz Chaberka, Marcin Citko, Paweł Gozdyra, Jan Jaworski, Paweł Majkusiak, Maciej Oberzig, Maciek Rydz, Franciszek Wąsowski
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