Auf dem Gelände der ehemaligen Abtei Herkenrode im belgischen Hasselt ist eine äußerst originelle Installation entstanden. Die künstlerisch-architektonische Konstruktion stellt die Umrisse von Gebäuden nach, die bis heute nicht erhalten geblieben sind. Das Projekt CLAUSURA des Duos Gijs Van Vaerenbergh entstand anlässlich des 20-jährigen Jubiläums des Ateliers.
20 Jahre Gijs Van Vaerenbergh
Das Studio Gijs Van Vaerenbergh wurde 2006 von den Architekten Pietejan Gijs und Arnout Van Vaerenbergh gegründet. Im Laufe dieser 20 Jahre hat es eine eigene, unverwechselbare Formensprache entwickelt, die zwischen Architektur, Raumkunst und der Reflexion über das kulturelle Erbe balanciert. Die Künstler experimentieren seit Jahren mit Form, Wahrnehmung und der Art und Weise, wie Räume wahrgenommen werden. Ihre Projekte bedienen sich oft der Vereinfachung, der Wiederholung und der Illusion, wodurch die Gebäude mal materiell erscheinen und im nächsten Moment fast aus dem Blickfeld verschwinden. Zu ihren bekanntesten Projekten zählt die halbtransparente Doorkijkkerk in Borgloon, über die wir HIER berichtet haben.
Die Abtei Herkenrode hat ihre Kontur zurückgewonnen
Das wichtigste Projekt im Jubiläumsjahr des Büros ist CLAUSURA, das für die historische Abtei Herkenrode entworfen wurde. Das Anwesen gehörte einst zu den reichsten Zisterzienserklöstern in den gesamten Niederlanden. Im Laufe der Jahrhunderte verlor der Komplex jedoch an Bedeutung und verfiel allmählich. Besonders schwerwiegend waren die Folgen eines Brandes im Jahr 1826, nach dem das einst prächtige Bauwerk praktisch nicht mehr existierte. Der größte Verlust, den das Kloster bei diesem tragischen Ereignis erlitt, war das Verschwinden der Kreuzgänge, die die Klostergärten umgaben. Gerade sie bildeten über Jahrhunderte hinweg das geistige und funktionale Zentrum der gesamten Anlage. Heute sind von der ehemaligen Abtei nur noch Teile der Gebäude, die Kapelle sowie Überreste der ehemaligen Krankenstation und der Räume der Ordensschwestern erhalten.

Architektur in die Luft gezeichnet
Die Designer von Gijs Van Vaerenbergh wollten an die Blütezeit von Herkenrode erinnern. Sie haben die historischen Gebäude jedoch nicht wörtlich nachgebaut, sondern stattdessen eine riesige räumliche Zeichnung aus dünnen Stahlrohren errichtet. Die Konstruktion spiegelt die tatsächlichen Abmessungen der nicht mehr existierenden Gebäude wider und markiert den Verlauf ihrer Wände, Gewölbe, Dächer, Fenster und Türme. Der Effekt verändert sich je nach Standpunkt des Betrachters. Von manchen Stellen aus verschmelzen die Stahllinien fast mit der Landschaft, während sie von anderen aus die klaren Umrisse der ehemaligen Gebäude bilden.
Die Abtei Herkenrode mit neuem Leben
Die erhaltenen Teile der Gebäude des ehemaligen Klosters wurden vor weiterem Verfall gesichert und durch leichte Stahlkonstruktionen ergänzt. An vielen Stellen wurde der Verlauf der historischen Dächer rekonstruiert, deren Spuren in den Mauern noch sichtbar waren. Auf diese Weise entstanden überdachte Räume, die vorübergehend genutzt werden können. Die Umsetzung des CLAUSURA-Projekts erfolgt in Etappen. Der erste Teil, der zugleich den größten Abschnitt des gesamten Vorhabens darstellt, wird am 18. Juni 2026 für Besucher zugänglich sein.

Über das Büro:
Gijs Van Vaerenbergh ist ein belgisches Architekturbüro mit Sitz in Leuven, gegründet von Pietejan Gijs und Arnout Van Vaerenbergh, die sich während ihres Studiums kennenlernten. Die Künstler realisieren Projekte unterschiedlicher Größenordnung, von städtischen Installationen und imposanten Formen bis hin zu Bühnenbildern und Gebrauchsgegenständen. Ihre Arbeit lässt sich nicht eindeutig klassifizieren und bewegt sich zwischen Architektur, Kunst und Skulptur. In ihren Arbeiten verbinden sie technisches Wissen mit einem experimentellen Ansatz und konzentrieren sich dabei auf die Wahrnehmung des Raums durch den Betrachter sowie auf die Beziehungen zwischen dem Objekt und seiner Umgebung. Ein charakteristisches Element ihres Schaffens ist die Infragestellung gängiger architektonischer Regeln durch den Einsatz von Strategien aus der bildenden Kunst.
Projekt: Gijs Van Vaerenbergh
Quelle: clubparadis.prezly.com
Lesen Sie auch:Belgien|Sakrale Architektur|Kultur|Kunst|Detail|Kunstinstallation|whiteMAD auf Instagram




