Stara Drukarnia w Szczecinie
fot. Mariusz Brzeziński/fotopolska.eu

Die alte Druckerei in Stettin: Auf der Baustelle weht ein starker Wind

Die Alte Druckerei in der Świętego-Ducha-Straße in Stettin ist ins Stocken geraten. Nach einem Jahr intensiver Renovierungsarbeiten befindet sich das Denkmal im Rohbauzustand und verweilt in dieser Form seit Mitte 2024. Der Bauherr nennt weder einen Termin für die Rückkehr der Bauarbeiter noch für den Abschluss der Modernisierungsarbeiten.

Die Alte Druckerei in Stettin – Geschichte

Im Jahr 1900 erwarb die Firma H.B. Juda, ein Hersteller von Herrenbekleidung, zwei Grundstücke an der damaligen Heiligengeiststraße. Ein Jahr später wurde der Bau eines repräsentativen Kaufhauses fertiggestellt, das vom Stettiner Architekten O. Zimmermann entworfen worden war. Das Gebäude erhielt eine prächtige neobarocke Fassade mit Jugendstil-Details. Im Erdgeschoss befanden sich Geschäfte und ein Restaurant, während die oberen Stockwerke als Lagerräume dienten. Schon damals gehörte das Gebäude zu den technisch fortschrittlichsten der Stadt. Dies war vor allem dem elektrischen Aufzug zu verdanken, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch eine Seltenheit war.

Das Druckzentrum von Stettin

Im Jahr 1921 ging die Immobilie in den Besitz des Verlags Stettiner Verlagsanstalt Huck & Koch über. Damals begann der Umbau der Innenräume, der das ehemalige Kaufhaus in eine Druckerei verwandeln sollte. In den 1930er Jahren folgte eine weitere Modernisierung. Dabei wurden die neobarocken Fassaden vereinfacht und der charakteristische Eckturm umgebaut. Später diente das Gebäude als Druckerei, überstand den Zweiten Weltkrieg ohne größere Schäden und bereits 1945 wurde der Verlagbetrieb wieder aufgenommen. Hier wurden unter anderem „Wiadomości Szczecińskie“, „Pionier Szczeciński“ und „Kurier Szczeciński“ gedruckt. Über Jahre hinweg gehörte das Gebäude zu den wichtigsten Druckzentren der Region.

Das Gebäude früher und heute. Foto: staradrukarniaszczecin.pl und Mariusz Brzeziński/fotopolska.eu

Die alte Druckerei von EMELEM

Weitere Veränderungen für das Gebäude brachte der Umbau in den Jahren 1983–1986 mit sich, als ein weiteres Stockwerk hinzugefügt wurde, was stark in die ursprüngliche Bausubstanz eingriff. Nach dem Verkauf der Immobilie im Jahr 1995 wechselte sie mehrfach den Besitzer und verfiel dabei zunehmend. Der Niedergang der ehemaligen Druckerei dauerte über 20 Jahre. Erst im Jahr 2020 gelangte das Gebäude in die Hände des Stettiner Unternehmens EMELEM, das mit seiner Modernisierung begann. Das Projekt sah die teilweise Wiederherstellung des Erscheinungsbildes aus dem frühen 20. Jahrhundert sowie die Umwandlung des Gebäudes in ein multifunktionales Objekt mit Hotel und Gastronomie vor – das Ganze unter dem Namen „Stara Drukarnia“. Während der Arbeiten wurden zahlreiche Details entdeckt, die unter späteren Schichten verborgen waren, was eine teilweise Wiederherstellung der ursprünglichen Ausstattung ermöglichte.

Das Projekt an der Świętego Ducha-Straße in Stettin

Bis zur Einstellung der Arbeiten im Jahr 2024 gelang es, die historischen Fassaden teilweise zu restaurieren, die Fenster zu erneuern, eine neue Überdachung für das Gebäude und den Innenhof anzubringen sowie zwei moderne, verglaste Stockwerke aufzusetzen. Auch mit der Innenausstattung wurde begonnen. Nach Angaben des Investors sind die wesentlichen Arbeiten abgeschlossen, und das Objekt wurde vor weiterem Verfall gesichert. Zwar hat sich die jahrelange Ruine in ein baureifes und einrichtungsbereites Gebäude verwandelt, doch bis zum vollständigen Erfolg des Projekts ist es noch ein langer Weg.

Warum ist das Projekt ins Stocken geraten?

Vertreter der Firma EMELEM nennen mehrere Gründe für die Einstellung der Arbeiten. Während des laufenden Umbaus erwartete der Hotelpartner eine Erhöhung der Zimmeranzahl und Änderungen im Grundriss, was die Erstellung eines neuen Entwurfs erforderte. Eine Rolle spielte auch die schwierigere Marktsituation, die das Unternehmen dazu veranlasste, das gesamte Projekt neu zu analysieren. Zudem tauchten Fragen im Zusammenhang mit den benachbarten Grundstücken und deren künftiger Nutzung auf. Im September 2024 versicherte der Investor, dass die „Stara Drukarnia“ fertiggestellt werde, doch auf der Baustelle weht nach wie vor nur der Wind.

Quelle: wszczecinie.pl, staradrukarniaszczecin.pl

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