Gudowo - nieistniejąca już słodownia

Die Geschichte des Bauhauses: Vom Getreidespeicher in Janków bis zum Gropius Way

Bevor Glas, Stahl und die geometrischen Formen des Bauhauses die Architektur des 20. Jahrhunderts veränderten, entwarf Walter Gropius in Pommern Getreidespeicher, Wohnhäuser, Villen und Industriegebäude. Einige davon sind erhalten geblieben, andere sind verschwunden. Heute verbindet der „Gropius Way“ – der Walter-Gropius-Inspirationspfad – diese verstreuten Spuren. In unserer Zeitschrift haben wir bereits über den Getreidespeicher in Jankowo bei Drawsko Pomorskie berichtet, der als erstes realisiertes Projekt des späteren Gründers des Bauhauses vorgestellt wurde. Das ist ein guter Anfang, aber noch nicht das Ende dieser Geschichte.

Wenn wir auf der Karte auch Drawsko Pomorskie, Gudowo, Żołędowo, Mirosławiec, Górnica und weiter Miłocice markieren, verwandelt sich eine einzelne architektonische Kuriosität in ein umfangreiches pommersches Kapitel in Gropius’ Biografie. Es zeigt einen Architekten, den wir fast gar nicht kennen: einen sehr jungen Mann, der auf der Suche nach seiner eigenen Sprache war und für echte Bauernhöfe, konkrete Menschen und die tägliche Arbeit entwarf. Bevor er zu einem der Symbole der Moderne wurde, lernte er Architektur inmitten der Landschaft der pommerschen Gutshöfe.

Das Bauhaus begann nicht mit Glas

Walter Gropius kam nach Jankowo, dem damaligen deutschen Janikow, auf das Anwesen seines Onkels Erich Gropius. Er war kaum über 20 Jahre alt, als er den Auftrag erhielt, Wirtschafts- und Wohngebäude zu entwerfen. Der Getreidespeicher, der um die Wende von 1905 zu 1906 errichtet wurde, war eines seiner frühesten erhaltenen Werke und sein erster so großer Auftrag. Das Gebäude erinnert nicht an die spätere Bauhaus-Schule in Dessau. Es weist steile Dächer, Dachgauben, einen Steinsockel, Teile einer Fachwerkwand und einen hohen Turm auf. Es entstand im Geiste des Heimatstils, der auf regionale Materialien und lokale Bautraditionen zurückgriff. Gropius lehnte historische Formen noch nicht ab. Er suchte erst nach einem Weg, der ihn von ihnen wegführen sollte.

Doch schon hier interessierte ihn die Funktion. Das Gebäude vereinte ein Getreidelager, eine Maschinenhalle sowie einen Turm, in dem sich das Treppenhaus und ein Wassertank befanden. Es fungierte somit auch als Wasserturm, und seine Ausstattung ermöglichte den Transport und die Verarbeitung von Getreide. Es bot Platz für etwa 640 Tonnen. Die auf dem Turm angebrachte Uhr war für den gesamten Gutshof sichtbar und bestimmte den Arbeitsrhythmus. In Jankowo zeigte sich die Moderne nicht in Form eines Flachdachs. Sie verbarg sich vielmehr in der Denkweise über Funktion, Arbeit und Raumgestaltung.

Gropius Way
Walter Gropius im Jahr 1898

Das pommersche Laboratorium eines jungen Architekten

Im Jahr 1906 entstand in Drawsko Pomorskie das Haus von Otto und Elisabeth Metzler. Malerisch an der Drawa gelegen, mit Mansarddach, Fachwerkgiebeln und Stützpfeilern an den Ecken, gehörte auch dieses Haus zur Welt des Heimatstils. Gropius zählte es Jahre später zu seinen „Jugendsünden“ und erklärte, er habe damals noch nicht auf die Erwartungen des Bauherrn einwirken können. Diese strenge Bewertung ist aus der Perspektive des späteren Gründers des Bauhauses verständlich. Gerade heute macht der Unterschied zwischen der Metzler-Villa und seinen reifen Werken sie so interessant.

In Janków entwarf Gropius auch Häuser für Landarbeiter. Der geplante Komplex wurde leider nicht vollständig realisiert, und die erhaltenen Gebäude wurden im Laufe der Zeit umgestaltet. In ihren schlichten Formen, den zurückhaltenden Fassaden und der Anpassung der Räume an die alltäglichen Bedürfnisse zeigt sich jedoch eine allmähliche Abkehr von der Dekorativität. Die Architektur begann sich immer deutlicher aus ihrer Zweckbestimmung zu ergeben. Der nächste Schritt waren Industrie- und Wirtschaftsgebäude, die gemeinsam mit Adolf Meyer entworfen wurden. In der ehemaligen Stärkefabrik der Familie Kleffel in Gudów wurden gemauerte und verputzte Fassadenabschnitte geometrisch miteinander kombiniert, und der schlichte Baukörper wurde durch vertikale Gliederungen und einen quadratischen Turm strukturiert. Noch weiter in Richtung Funktionalismus führte der Getreidespeicher in Mirosławiec. Die pommersche Geschichte wird durch Miłocice vervollständigt, wo ein von Gropius entworfenes Herrenhaus erhalten geblieben ist.

Diese Projekte waren nicht nur eine Sammlung jugendlicher Versuche. Sie lassen einen Wandel erkennen: von einer in der Tradition verwurzelten Architektur hin zu einer immer schlichteren Formensprache, aus der wenige Jahre später weltweit bekannte Entwürfe hervorgingen.

Górnica – eine Familiengeschichte mütterlicherseits

Die Familiengeschichte der Gropius in Pommern beginnt nicht in Jankowo. Sie führt weiter zurück bis ins ehemalige Hohenstein, das heutige Górnica – ein Gut im Besitz der Familie Honig. Zu diesem Geschlecht gehörte Walters Großmutter, Luise Wilhelmine Gropius, geborene Honig. Górnica fand somit Eingang in die Geschichte der Familie Gropius mütterlicherseits. Eigentümer des Anwesens war Max Ludwig Honig, der Bruder von Luise und Onkel von Felix Gropius. Ab 1894 wurde bereits Felix – der Sohn von Luise und Onkel des späteren Begründers des Bauhauses – als Eigentümer von Hohenstein geführt. Das Anwesen ging somit von der Familie Honig auf die Familie Gropius über und blieb Teil derselben Familiengeschichte.

Górnica ist weder ein nachträglich hinzugefügter Punkt noch ein rein symbolischer Abschluss der geplanten Route. Es ist einer der Ausgangspunkte dieser Geschichte, ein Ort, der zunächst mit der Familie von Walters Großmutter und später mit der Familie seines Onkels verbunden war. Walter Gropius kam hierher in die Welt eines großen Bauernhofs, der Natur, der täglichen Arbeit und des Handwerks. In Górnica steht zwar kein Gebäude, das seinen Namen trägt, doch die Bedeutung dieses Ortes liegt auf einer anderen Ebene. Er ermöglicht es, das Umfeld zu erkennen, in dem dieser junge Mann Architektur nicht als abstrakte Idee, sondern als Teil des wirklichen Lebens kennenlernte.

Górnica aus der Vogelperspektive

Vertrauen, das kreatives Schaffen ermöglicht

Man kann vermuten, dass die Erfahrungen in Pommern dem jungen Gropius mehr gaben als nur seine ersten Aufträge. Geprägt wurde er von einer Welt effizient funktionierender Betriebe, in der jedes Gebäude, jedes Werkzeug und jeder Mensch seine Aufgabe hatte. Was zählte, waren Funktion, Ordnung, Verantwortung und Arbeitsrhythmus, deutsche Disziplin und vielleicht sogar eine gewisse Strenge, die Konsequenz lehrte. Daneben gab es die Schönheit der pommerschen Natur und die Verbundenheit, die durch die gemeinsame Arbeit auf dem Land entsteht. Auf einem Bauernhof trafen sich der Eigentümer, der Verwalter, der Arbeiter, der Handwerker und der junge Architekt. Der Wert einer Idee wurde im Alltag auf die Probe gestellt: Ist das Gebäude nützlich, erleichtert es die Arbeit, entspricht es den Bedürfnissen der Menschen?

Vielleicht reifte gerade im Kontakt mit den Handwerkern und dem Material die Überzeugung, dass Wissen nicht ausschließlich am Schreibtisch erworben wird. Man muss beobachten, ausprobieren und an der Seite eines Erfahrenen arbeiten. Die spätere Beziehung zwischen Meister und Schüler, die für die Idee des Bauhauses so wichtig war, konnte nicht aus dem Nichts entstehen. Das Wichtigste war jedoch das Vertrauen. Gropius war kaum über zwanzig Jahre alt, als die Familie ihm echte Aufgaben anvertraute, nämlich Gebäude, die die Menschen und der Betrieb brauchten. Er erhielt Verantwortung, aber auch den Freiraum, nach eigenen Lösungen zu suchen. Jemand glaubte an seine Fähigkeiten, noch bevor er ein Werk vorweisen konnte, das dies bestätigt hätte.

Man kann das Bauhaus nicht direkt aus einem pommerschen Gutshof ableiten. Man kann jedoch vermuten, dass die Verbindung von Funktion, Disziplin, Natur, Handwerk, alltäglicher gegenseitiger Abhängigkeit und familiärem Vertrauen Gropius für längere Zeit geprägt hat. Das Bauhaus verband später das, was hier nebeneinander existierte. Es waren Idee und Praxis, Meister und Schüler, Künstler und Handwerker, Schönheit und Nützlichkeit.

Gebäude, die zweimal verschwinden

Nicht alle pommerschen Bauwerke von Gropius haben bis heute überdauert. Die Schmiede in Jankowo wurde 2011 abgerissen. Die ehemalige Stärkefabrik in Gudowo verschwand 2014, obwohl Gropius und Adolf Meyer als Urheber anerkannt waren. Die Villa von Erich Gropius auf dem Anwesen Golzengut wurde höchstwahrscheinlich im Zweiten Weltkrieg zerstört. Ein Teil der Häuser wiederum wurde so stark umgebaut, dass ihre ursprüngliche Form heute kaum noch zu erkennen ist. Ein Kulturerbe ohne Geschichte verschwindet somit doppelt: zunächst aus der Landschaft, später aus dem Gedächtnis. Für sich allein betrachtet sind die Objekte nur einzelne Punkte. Erst in ihrer Gesamtheit zeigen sie den Weg des jungen Architekten und das Ausmaß dessen, was Pommern zur Geschichte der europäischen Moderne beigetragen hat.

Gudowo – die heute nicht mehr existierende Mälzerei „

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Gropius Way – Der Walter-Gropius-Inspirationspfad

Der Gropius Way entsteht, um Orte zu verbinden, die mit der Familie, der Jugend und den ersten Projekten von Walter Gropius verbunden sind. Er beginnt in Górnica und führt durch pommersche Landschaften, Gutshöfe und Ortschaften, in denen der junge Architekt seine ersten Erfahrungen sammelte.

Die Mini-Version führt von Górnica nach Jankowo. Sie verbindet Gropius’ familiäres Umfeld mit dem Ort, an dem er seine ersten bedeutenden Aufträge erhielt. Es ist eine kurze Route, die jedoch den Kern dieser Geschichte erfasst und von den Erfahrungen, die ihn geprägt haben könnten, zu der Architektur führt, die er zu schaffen begann. Die Maxi-Version erweitert diese Erzählung und führt durch weitere Orte, die mit Gropius’ pommerschen Projekten verbunden sind, bis nach Miłocice in der Woiwodschaft Pommern. Sie zeigt das größere Ausmaß seiner Präsenz auf dem Gebiet des heutigen Polens und ermöglicht es, die Entwicklung des jungen Architekten nachzuvollziehen. Der Gropius Way soll nicht nur eine Route sein, die von einem Gebäude zum nächsten führt. Es ist ein Weg der Inspiration – durch die Funktion pommerscher Bauernhöfe, die Landschaft, das Handwerk, die Beziehung zwischen Meister und Schüler sowie das Vertrauen, das es einem jungen Menschen ermöglicht, kreativ zu sein.

Die Route entsteht als Basisinitiative der Eigentümer historischer Stätten, der Stiftung „Folwark“ und der „Osada Górnica“ sowie regionaler Historiker. Der Verein „Gropius Way“ wird gegründet, um Menschen, Orte, Archive und das für die Entwicklung der Route erforderliche Wissen zusammenzuführen. Die wichtigste Aufgabe des „Gropius Way“ besteht nicht darin, eine neue Geschichte zu erfinden. Vielmehr geht es darum, die Geschichte zu verknüpfen, die bereits existiert, bisher jedoch verstreut war.

Näher an der Welt, als wir denken

„Gropius Way“ ist der Inspirationspfad von Walter Gropius. Er entsteht in Pommern und verbindet Orte, die heute in Polen liegen, erzählt jedoch eine Geschichte, die von Anfang an eine europäische Dimension hatte. Walter Gropius war Deutscher, und seine pommerschen Projekte entstanden in Orten, die damals zu Deutschland gehörten. Man muss diese Geschichte weder verändern noch für sich beanspruchen noch sich vorsichtig dafür rechtfertigen. Es reicht aus, sie ehrlich zu entdecken und zu zeigen. Sie ist Teil des vielschichtigen Erbes Pommerns und ein Beweis dafür, dass wir der Weltgeschichte der Architektur näher stehen, als wir oft annehmen. Die Geschichte der modernen Architektur spielte sich nicht ausschließlich in Berlin, Weimar oder Dessau ab. Eines ihrer frühen Kapitel entstand auch hier – inmitten pommerscher Gutshöfe, Wirtschaftsgebäude, Häuser und Werkstätten. Heute sind wir die Hüter dieser Orte und der Hüter ihrer Geschichte.

Der „Gropius Way“ soll diese Geschichte ohne Angst und Komplexe erzählen, mit Respekt vor den Fakten und im Bewusstsein ihrer europäischen Bedeutung. Es ist ein Weg, der in konkreten Orten verwurzelt ist, sich ihrer komplexen Vergangenheit bewusst ist und offen für die Welt ist.

Die Metzler-Villa auf einer alten Postkarte

Die Gropius-Farm – die Geschichte geht weiter

Ein natürlicher Anlaufpunkt des Gropius Way soll die Gropius-Farm – Zentrum für Kulturerbe und Inspiration – werden, die derzeit in Górnica entsteht. Ihr Herzstück wird der wiederauflebende Gutshof Górnica sein. Gleich daneben entsteht die Siedlung „Osada Górnica“, die zeigen soll, wie man heute unter Berücksichtigung der Landschaft, mit natürlichen Materialien und mit Blick auf den Menschen baut. Die Farm soll weder das Bauhaus kopieren noch die Architektur von vor hundert Jahren nachbilden. Das von Mirosław Nizio und seinem Team entwickelte Projekt soll aus dem Ort und seinen heutigen Bedürfnissen hervorgehen. Aus dem Erbe von Gropius ist die Methode wichtiger als die erkennbare Form: die Verbindung von Architektur, Handwerk, Wissen und Praxis sowie die Überzeugung, dass ein gut gestalteter Raum den Menschen dienen sollte. Diese Methode gewinnt im Zeitalter der künstlichen Intelligenz besonders an Bedeutung. Neue Werkzeuge können zwar schnell eine Visualisierung oder einen Entwurf erstellen, aber sie beantworten nicht für uns die wichtigsten Fragen: Für wen bauen wir, was braucht der jeweilige Ort wirklich und welche Auswirkungen werden unsere Entscheidungen haben? Die Rückkehr zum Handwerk und zum natürlichen Bauen bedeutet also keine Ablehnung der Technologie. Sie ist der Versuch, ein Gleichgewicht zwischen neuen Möglichkeiten, Materialkenntnis und menschlicher Erfahrung zu finden. Nicht ohne Grund entstand nach über hundert Jahren das Neue Europäische Bauhaus, das erneut Schönheit, Nachhaltigkeit und Gemeinschaft vereint. Das ist jedoch ein Thema für einen weiteren Artikel, sonst würde diese Geschichte tatsächlich kein Ende nehmen.

Unser vorheriger Artikel endete beim Getreidespeicher in Jankowo, doch der „Gropius Way“ führt diese Geschichte weiter. Er führt von den pommerschen Anfängen des jungen Architekten über den Familiengutshof in Górnica bis hin zur heutigen Frage, wie wir bauen, lernen und zusammenleben wollen.

Quelle: Isadora Freyer – Gutshof Górnica

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