Nach 30 Jahren mühevoller Restaurierungsarbeiten sind die Gerüste aus dem Inneren der Bibliothek der ehemaligen Zisterzienserabtei in Lubiąż verschwunden. Besucher können nun wieder die barocken Polychromien von Philip Christian Bentum bewundern, die als das bedeutendste Werk dieses Malers in Schlesien gelten. Obwohl eine wichtige Etappe bei der Rettung dieses unschätzbaren Denkmals abgeschlossen ist, gibt es im Kloster noch viel zu tun.
Barockmalereien in Lubiąż
Die Klosterbibliothek in Lubiąż hat nach fast 30 Jahren Restaurierung ihren früheren Glanz wiedererlangt. Durch die Arbeiten konnten die beeindruckend großen Polychromien freigelegt werden, die zwischen 1735 und 1738 von Philip Christian Bentum geschaffen wurden. Der in Prag, Wien und Rom ausgebildete Künstler ließ sich später in Breslau nieder, wo er bei der schlesischen Aristokratie als hervorragender Porträtist und Schöpfer malerischer Dekorationen Anerkennung fand. Die Bibliothek in Lubiąż gilt hinsichtlich Komposition und Ausführung als sein ausgereiftestes Werk.
Eine Restaurierung voller Herausforderungen
Die Restaurierung der Malereien erforderte außergewöhnliche Präzision. Ein Problem stellten frühere Arbeiten von Restauratoren sowie die von Bentum selbst angewandte Technik dar. Sein Werk entstand nämlich in der Technik der Öl-Tempera, die auf einen Gipsuntergrund aufgetragen wurde, was die Arbeiten zur Konservierung und Restaurierung erheblich erschwerte. Eine detaillierte Darstellung des gesamten Prozesses wurde von Dr. habil. Grażyna Schulze-Głazik verfasst, der Autorin einer preisgekrönten Publikation über die Dekorationen der Bibliothek, die 2013 in Krakau erschien. Die meisten Malereien haben ihre frühere Lesbarkeit und Farbigkeit wiedererlangt, doch an den Wänden und am Gewölbe sind noch immer weiße Stellen zu sehen, die weitere Untersuchungen und Arbeiten erfordern.

Die Abtei in Lubiąż von europäischer Bedeutung
Das Kloster in Lubiąż gehört zu den größten Anlagen dieser Art in ganz Europa. Seine Geschichte begann im 12. Jahrhundert, als die Zisterzienser hier ein bedeutendes religiöses, wirtschaftliches und kulturelles Zentrum Schlesiens schufen. Die spektakulärste Entwicklungsphase fiel auf das 17. und 18. Jahrhundert. Damals entstanden die prächtigen Barockgebäude, unter denen sich besonders die reich verzierten Innenräume der Bibliothek, der Kirche und des Abtspalasts hervorheben. Ein Ende dieser Blütezeit brachte die von Preußen im Jahr 1810 durchgeführte Säkularisierung der kirchlichen Güter. Seitdem dienten die Gebäude verschiedenen Zwecken, unter anderem als Krankenhaus oder Lagerhaus.
Krieg und Jahre der Zerstörung des Denkmals
Ein besonders tragisches Kapitel in der Geschichte des Komplexes fiel in die Zeit des Zweiten Weltkriegs. Damals richteten die Deutschen im Kloster Betriebe für die Rüstungsindustrie ein und setzten dabei Gefangene und Zwangsarbeiter ein. Gleichzeitig wurden die erhaltenen Kunstwerke und Einrichtungsgegenstände aus dem Komplex abtransportiert. Noch größere Schäden als die Nazis richtete die Rote Armee in Lubiąż an. Nach 1945 stationierten sich Russen in dem verlassenen und geplünderten Kloster, die die Überreste der Ausstattung der Kirche, der Bibliothek und anderer Räume zerstörten und die Krypta sowie die Grabstätten der schlesischen Piasten plünderten. Der Zweite Weltkrieg und die Jahre unmittelbar nach seinem Ende verwandelten diese Perle des Barocks in eine Ruine. Viele historische Gegenstände gingen für immer verloren.

Die Klosterbibliothek in Lubiąż nach 30 Jahren wiedereröffnet
Nachdem die sowjetische Armee das Kloster verlassen hatte, blieb das verwüstete Gebäude lange Zeit ohne angemessene Pflege. Ein Teil der Räume wurde weiterhin als Lager genutzt, und der Mangel an Mitteln für den Unterhalt eines so gewaltigen Komplexes beschleunigte den Verfall der einzelnen Innenräume und Gebäude. Erste Sicherungsarbeiten wurden in den 1960er Jahren durchgeführt, doch der eigentliche Durchbruch gelang erst nach 1989 mit der Gründung der Lubiąż-Stiftung. Dank langjähriger Bemühungen gelang es, die wertvollsten Innenräume zu retten, die Dächer zu sanieren und einen Großteil des Komplexes für Besucher zugänglich zu machen. Die kürzliche Eröffnung der renovierten Bibliothek nach 30 Jahren Restaurierung ist zweifellos eines der wichtigsten Ereignisse in der Geschichte des Wiederaufbaus dieses einzigartigen Denkmals nach dem Krieg.
Quelle: fundacjalubiaz.org.pl, Denkmalschutzbeauftragter der Woiwodschaft Niederschlesien
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