In unmittelbarer Nähe der Danziger Werft ist eine Wohnung entstanden, die Sie vom ersten Schritt an in eine Welt intensiver Farben und bewussten Designs zieht. Obwohl sie klein ist, strahlt sie die Energie eines Ortes aus, an dem Geschichte und industrielles Erbe auf Alltagsfunktionalität und zeitgenössische Ästhetik treffen. Es ist ein Raum, der keine Angst vor Farben und ausdrucksstarken Gesten hat, dabei aber kohärent und durchdacht bleibt.
Schon in der Lobby fallen die tiefen ziegelroten Töne auf. Es umhüllt die Wände, die Decke und den Boden und schafft eine theatralische Vorahnung auf das, was als nächstes kommt. Schwarze horizontale Linien führen den Blick tief in die Wohnung und spielen subtil auf die Werftstrukturen an, die direkt vor dem Fenster zu sehen sind. Dies ist die erste Begegnung mit einem Interieur, das kühn auf lokale Inspirationen zurückgreift und diese in die Sprache des zeitgenössischen Designs überträgt.
Der zentrale Teil der Wohnung ist das mit der Küche verbundene Wohnzimmer. Hier wurde das polnische Design der 1960er und 1970er Jahre neu interpretiert – die modernistische Kommode hat ihre Frische wiedererlangt, und der Sessel hat dank einer neuen Polsterung an Leichtigkeit und Eleganz gewonnen. Ergänzt wird das Interieur durch eine Sammlung von Keramik- und Funktionsgläsern, die neben Vintage-Objekten auch Entwürfe von zeitgenössischen Künstlern enthält. Diese kleinen Elemente schaffen die Atmosphäre einer Wohngalerie und bringen Leichtigkeit und Humor in den Raum. Die markante Farbpalette unterstreicht die natürliche Tiefe der Möbel, während die Gegenüberstellung von warmem Holz mit rohem Bodenbelag und gemauerten Kücheneinheiten mit olivfarbenen Einrichtungsakzenten eine harmonische und zugleich dynamische Komposition ergibt. Ergänzt wird dies durch die retro-inspirierte Beleuchtung, die dem Raum Weichheit und Charakter verleiht.
Das Schlafzimmer ist in ein tiefes Grün getaucht, dessen Tonalität historische Assoziationen weckt und gleichzeitig beruhigend wirkt. Die von Mai Laptos entworfenen farbenfrohen Kissen – in Burgunderrot, Gelb und Moostönen – sind in einem weichen Mosaik angeordnet und brechen die Strenge der Wände. Über dem Bett hängt das Filmplakat „Lolita“ von Bartosz Kosowski, das von der American Society of Illustrators mit einer Goldmedaille ausgezeichnet wurde. Sein Vintage-Charakter führt ein Element des Spiels mit der Geschichte ein und zeigt, dass in dieser Wohnung die Vergangenheit eine Inspiration und keine Last ist.

Das Badezimmer setzt die Geschichte mit einem kühnen Ansatz in Farbe und Form fort. Der Boden ist mit quadratischen Fliesen im Retrostil dekoriert, die grün und weich sind und an das Muster eines alten Karohemdes erinnern. Den stärksten Akzent setzt die Duschkabine in tiefem Kastanienbraun, die mit Keksfliesen ausgekleidet ist. Eine Lösung, die einen verspielten Ton mit einer raffinierten Ästhetik verbindet, die dem Gleichgewicht von Leichtigkeit und Stil in der gesamten Wohnung entspricht.
Das Projekt von Paulina Rubinkowska aus dem Studio Fala Form beweist, dass auch ein kleiner Raum einen unverwechselbaren Charakter haben kann. Anstatt der skandinavischen Neutralität zu folgen, setzt die Einrichtung mutig auf Farbe, Textur und Objekte mit Geschichte. Es verbindet die industrielle Vergangenheit der Werft mit kühnem, zeitgenössischem Design, um eine Wohnung zu schaffen, die sowohl ein Manifest als auch eine Einladung zu einem Alltag voller Energie ist.
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Über den Architekten:
Paulina Rubinkowska ist Absolventin der Akademie der Schönen Künste und beschäftigt sich seit einem Jahrzehnt mit Innenarchitektur. Sie schafft Räume, die auf die Persönlichkeit und die Bedürfnisse ihrer Nutzer zugeschnitten sind. In ihren Projekten verbindet sie Kunst mit Funktionalität, lässt sich von der Geschichte eines Ortes inspirieren und durchbricht Muster durch innovative Materialien und originelle Lösungen. Jedes Interieur ist für sie ein neues Abenteuer, bei dem der Dialog mit dem Kunden und die Liebe zum Detail eine zentrale Rolle spielen. Bei ihrer Arbeit geht es nicht nur um Design, sondern auch um den Aufbau von Beziehungen und eine kollaborative Atmosphäre, die den Prozess der Innenraumgestaltung ebenso einzigartig macht wie das Ergebnis.
entwurf: Paulina Rubinkowska Fala Form
fotografie: Fotomohito
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