In der deutschen Kleinstadt Prerow steht seit 2024 die längste Mole an der Ostsee. Sie ist 720 Meter lang und führt zum charakteristischen Inselhafen. Das Bauwerk hat damit die 508 Meter lange Mole in Heringsdorf auf der Insel Usedom vom Thron gestoßen.
720 m – die längste Mole an der Ostsee
Die neue Mole befindet sich im Kurort Prerow auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst. Sie ist genau 4,2 Meter breit und 720 Meter lang, wovon etwa 620 Meter direkt über die Gewässer der Ostsee führen. Dadurch können Spaziergänger weit ins Meer hinausgehen und die Küste aus einer ganz anderen Perspektive betrachten – fast wie von einem Boot oder Schiff aus. Die Seebrücke Prerow ist heute die längste Konstruktion dieser Art an der Ostsee. Zum Vergleich: Unsere Seebrücke in Sopot ist 511,5 Meter lang.
Über zwei Jahre Bauzeit in Prerow
Bevor der Rekordhalter gebaut wurde, gab es in Prerow bereits eine andere Seebrücke. Die vorherige Konstruktion wurde 1993 errichtet, war etwa 390 Meter lang und diente als Spazierpromenade sowie als Zufluchtsort für kleine Boote. Probleme mit der Verschlammung der nahegelegenen Fahrrinne führten jedoch dazu, dass der Bau eines neuen Hafens und einer deutlich längeren Mole beschlossen wurde. Das Bauvorhaben begann im Jahr 2022 und war Teil eines größeren Projekts, das vom ARGE-Konsortium Inselhafen unter der Leitung der Ed. Züblin AG durchgeführt wurde. Die Konstruktion ruhte auf 87 Stahlpfählen, während die Plattform aus vorgefertigten Stahlbetonelementen bestand. Für den Bau des neuen Hafens wurden unter anderem 1.300 Tonnen Stahl und etwa 2.200 m³ Stahlbeton verbraucht. Die Mole selbst kostete etwa 10,5 Millionen Euro, während sich der Gesamtwert des Projekts auf rund 44,4 Millionen Euro belief.

Der längste Steg an der Ostsee führt zum Hafen
Die Mole in Prerow ist nicht nur eine Attraktion für Touristen. An seinem Ende entstand der „Inselhafen Prerow“, ein Inselhafen mit einer Fläche von rund 10.000 Quadratmetern. Dort gibt es Liegeplätze für Sport- und Fischerboote, einen Anlegeplatz für ein Passagierschiff sowie einen Platz für ein Rettungsboot. Der Hafen erfüllt somit eine konkrete Nutzfunktion, und die Mole selbst dient als Verbindung zum Festland. Die neue Anlage hat die Funktion des ehemaligen Hafens Darßer Ort übernommen, der sich auf dem Gebiet des Nationalparks befand. Nach Abschluss der Investition wurde Darßer Ort geschlossen und der Renaturierung zugeführt.
Schlichte Form, anspruchsvolle Konstruktion
Die Mole hat eine relativ einfache Form, doch ihre Realisierung war ein großes ingenieurtechnisches Unterfangen. Die Konstruktion befindet sich etwa 4,5 Meter über der Wasseroberfläche, wodurch auch bei wechselhaften Bedingungen auf der Ostsee ein ausreichender Durchfahrtsabstand gewährleistet ist. Die Breite des Bauwerks ermöglicht wiederum (in Ausnahmefällen) die Durchfahrt von Wartungs- und Rettungsfahrzeugen, wobei der Verkehr durch eine Ampelanlage geregelt werden kann. Bei der Planung mussten dabei die Besonderheiten der Küstenumgebung sowie die schwierigen Witterungsbedingungen berücksichtigt werden.
46 Millionen Euro für einen neuen Zugang zum Meer
Die Mole wurde zusammen mit dem Hafen am 16. Oktober 2024 nach mehr als zweijähriger Bauzeit offiziell eröffnet. Am Kopf der Mole entstand ein Gebäude mit einer Aussichtsplattform, von der aus sich ein wunderschöner Panoramablick auf die Ostsee und die Küste bietet.
Quelle: visit-mv.com, ostseebad-prerow.de, zueblin.de
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